Doz20 lädt zu Infoveranstaltung ein / Zahlreiche Dokumente

Zeichen gegen Rassismus

Das Motto, unter dem Kathrein Goldbach (l.) und Jochen Benner auf aktuelle Rassismusprobleme in Verden hinweisen wollen. FOTOs: FRIEDERIKE MÜLLER
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Das Motto, unter dem Kathrein Goldbach (l.) und Jochen Benner auf aktuelle Rassismusprobleme in Verden hinweisen wollen. FOTOs: FRIEDERIKE MÜLLER

Verden – „Gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt“ sowie „für mehr Respekt und Menschlichkeit“ möchten sich Kathrein Goldbach und Jochen Benner vom Dokumentationszentrum 20 (Doz20) einsetzen. Daher bieten sie am Mittwoch, 16. September, ab 10 Uhr, eine Informationsveranstaltung am Holzmarkt 13 in Verden an. Das Motto: „Respekt. Toleranz. Verden“. Interessierte können einfach hingehen, ohne ihre Kontaktdaten hinterlegen zu müssen. Ab 14 Uhr gibt es Informationen zu dem Thema in der Stadtbibliothek.

Die Anschläge in Halle oder in Hanau, die rechtsextreme Gewalt habe deutlich zugenommen, so Kathrein Goldbach. Vor Entwicklungen zu warnen, die weder Demokratie noch Menschenrechte respektieren, sei die Aufgabe des Doz20. Deshalb wolle sie, zusammen mit anderen Organisationen wie Wabe, Fridays for Future und Omas gegen Rechts weiterhin Präsenz zeigen. Auch die Stadt Verden, das Integrationsteam der Polizei, die Gewerkschaft und die Stadtbibliothek werden mit Informationsständen dabei sein, um sich mit einem direkten lokalen Bezug gegen Rassismus zu engagieren.

So wolle das Doz insbesondere bei der jüngeren Generation für mehr Verständnis und Toleranz werben, sagte Goldbach. Helfen sollen dabei die Aufarbeitung von historischen Fakten sowie aktueller Probleme in Verden: „Die Jugend hat einen ganz anderen Zugang dazu, weil sie vieles nur aus Geschichtsbüchern kennen“, weiß Goldbach.

Das Datum der Info-Veranstaltung wurde bewusst gewählt und hat einen historischen Hintergrund. „Auf den Tag genau vor 85 Jahren wurden an diesem Tag die Nürnberger Rassengesetze erlassen, die die systematische Diskriminierung von Juden erlaubten“, so Benner. So hätten viele ihre Arbeit verloren, seien zwangssterilisiert worden und hätten keine als „Arier“ bezeichneten Personen heiraten dürfen.

Auch die Verdener Presse berichtete damals darüber und habe sich an der negativen Darstellung der Juden beteiligt. Zum Beispiel habe die Zeitung sie als kriminell dargestellt, erklärte Benner. So sei der Eindruck entstanden, die „Arier“ müssten unter sich bleiben. Die Presse wurde zum Instrument der NS-Regierung.

Laut den Akten im Stadtarchiv gab es zudem Beschwerden an den damaligen Bürgermeister. Die Juden würden sich zu sehr ausbreiten, indem sie beispielsweise Parkbänke „zu den besten Zeiten“ mitbenutzten. Der Bürgermeister ging darauf ein, und mit den sogenannten „Judenbänken“ fand eine deutliche räumliche Ausgrenzung durch die lokale Politik statt. Auch mit führender Nationalsozialisten wie Himmler und Rosenberg, sowie einem Theaterstück zum Thema „Euthanasie“ wurde die Nazi-Ideologie bereits zwei Monate vor dem Erlass dieser Gesetze unter das Volk gebracht.

Das Doz20 möchte die Aktualität dieses Themas in Erinnerung rufen. Goldbach verwies auf die Bemühungen des Neonazis Jürgen Rieger, der die Verdener Stadthalle im Jahre 2005 kaufen wollte. Er hatte vor, ein Propagandazentrum daraus zu machen, was in den Reihen der Verdener Bevölkerung massive Proteste ausgelöst hatte. Kathrein Goldbach saß damals im Stadtrat und war „begeistert von der Solidaritätswelle in Verden“.

Durch die Initiative „Verden ist bunt“ wurden Spenden in Höhe von 300 000 Euro gesammelt, sodass der Kauf der Stadthalle durch Rieger verhindert werden konnte. Heute, so Benner, sei die Halle ein Ort der Kultur.

Der als Präsenzveranstaltung gedachte Vortrag mit dem Titel „War is over – Am Tag als der Frieden nach Verden kam“ sollte ursprünglich am 17. April 2020 gehalten werden, weil Verden an diesem Datum, im Jahre 1945, aus der britischen Besatzung befreit wurde. Da das coronabedingt nicht möglich gewesen sei, wurde der Beitrag online als Film verfügbar gemacht. Auf Spendenbasis hätten Andrea Lutter und Martin Drichel über die Endphase des Krieges erzählt. Dazu sollte es ursprünglich Lesungen aus Zeitungsartikeln und Zeitzeugenberichte geben. Der Film ist unter folgendem Link verfügbar: //readymade-wa.de/doz20/.

Von Friederike Müller

Nürnberger Rassengesetze: Ein Bericht aus dem Archiv des Verdener Anzeigenblatts.

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