Omas gegen Rechts halten Mahnwache bei ehemaliger Synagoge

Zeichen gegen Antisemitismus

Die Omas (und Opas) gegen Rechts halten eine Mahnwache am Standort der ehemaligen Verdener Synagoge. Foto: Haubrock-Kriedel

Verden – Sie setzen ein Zeichen gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Ausgrenzung. „Omas gegen Rechts sagen: Nie wieder“, steht auf dem Plakat, das die Gruppe dabei hat. Am Sonnabend hielten die Verdener Omas gegen Rechts mit weißen Rosen in den Händen eine Mahnwache am Standort der ehemaligen Verdener Synagoge am Johanniswall. Genau 81 Jahre nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938, während der auch das jüdische Gotteshaus in Verden ein Opfer der Flammen wurde.

Circa 30 Omas – vereinzelt sind auch Opas dabei – teilen sich die Mahnwache in drei Schichten. Von 11 Uhr bis 13.15 Uhr stehen sie am heutigen Fachmarktzentrum am Johanniswall.

Zu den ältesten Teilnehmerinnen gehört Uschi Oeynhausen. Die Dame, Jahrgang 1937, hat als Kind die NS-Zeit noch miterlebt. „Wir müssen alles dafür tun, dass sich diese schreckliche Geschichte niemals wiederholt“, sagt sie eindringlich.

Die Szenen, die sie damals mit ansehen musste, haben sich unauslöschlich in das Gedächtnis der Zeitzeugin eingebrannt „Ich habe selbst erlebt, wie die Juden abtransportiert wurden. Unser geschätzter Hausarzt musste sich selbst als Judenschwein beschimpfen“, erzählt die gebürtige Dresdnerin bewegt.

Als Oma habe sie nun Zeit und wolle etwas tun. „Ich sehe schlimme Dinge auf uns zukommen und habe große Angst um die Zukunft“, bekennt sie. Als Beispiele nennt Oeynhausen den Anschlag von Halle und das Ergebnis der Wahl in Thüringen, aus der die AfD als zweitstärkste Kraft hervorging.

Claudia Tietjen-Herlinghaus (60) ist 22 Jahre jünger als Uschi Oeynhausen. Die Motive, weshalb sie auf die Straße geht, sind aber dieselben. „Es geht darum, wie wir die Zukunft für unsere Enkel gestalten. In meinem Alter beginnt man darüber nachzudenken, wie diese Zukunft aussehen wird. Die politische Lage macht mir Angst. Dabei schien es zunächst so, als ob die Zeiten besser werden. Die Entspannung und der Mauerfall waren positive Zeichen“, sagt sie.

Nun sei es wichtig, dass die schweigende Mehrheit Stellung bezieht. „Auch wenn wir hier nur eine Handvoll Menschen sind, hilft das schon. Man muss sich bewusst machen, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf“, betont auch Tietjen-Herlinghaus.

Die Bewegung Omas gegen Rechts, ins Leben gerufen von Monika Salzer, hat ihren Ursprung in Wien. In Deutschland gibt es sie seit Januar vergangenen Jahres. Vor allem ältere Frauen, aber auch Männer, Kinder und Enkelkinder erheben ihre Stimme zu den gefährlichen Problemen und Fragestellungen der heutigen Zeit.

Es geht ihnen um die Erhaltung der parlamentarischen Demokratie in einem gemeinsamen Europa, die gleichen Rechte für alle in Deutschland lebenden Frauen, Männer und Kinder, um die sozialen Standards, die von Eltern und Großeltern zum Teil bitter erkämpft wurden, um den Respekt und die Achtung gegenüber anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, unabhängig von ihrer Religion und ethnischer Zugehörigkeit. Gerade jetzt, angesichts zunehmender rechter Tendenzen, möchten die Omas gegen Rechts dazu ihren Beitrag leisten.  ahk

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