„Zauber der Travestie“ – wie immer der schrillste Abend des Jahres

Eindeutig, aber nicht obszön

Denisse Zambrana verkörpert auf der Bühne Amy Whinehouse, die auf der Bühne ihren Stoff mixt.
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Denisse Zambrana verkörpert auf der Bühne Amy Whinehouse, die auf der Bühne ihren Stoff mixt.

Walsrode - Sie kommen alljährlich zum gleichen Datum wieder: Die Damen, die vielleicht auch Herren sind. „Zauber der Travestie“ ist angesagt und der Abend in der Walsroder Stadthalle verspricht der schrillste des Jahres zu werden.

Ob die nahezu 400 Gäste wissen, in welcher Situation Männer am intelligentesten sind? Darstellerin Marcel Bijou gibt die Antwort auf die selbst gestellte Frage: „Beim Sex – dann sind sie nämlich mit ihrem Hauptrechner verkabelt.“ Am tosenden Beifall ist zu erkennen, dass sich keiner der anwesenden Herren auf den Schlips getreten fühlt; jeder rechnet damit, selbst sein Fett weg zu bekommen.

Und obwohl ein Großteil der Anwesenden der Altersgruppe 60 plus angehört, nimmt es niemand Puppendoktor Fräulein Luise übel, wenn sie Erotik und sexuelle Regungen bei Männern im Altersheim auf die Schippe nimmt.

Es gibt keine Szene, die nicht durch Beifallsrufe, Klatschen oder Trampeln begleitet wird. Musik und Gesang reißen mit und einige Besucher springen auf, um sich zu den rockigen Rhythmen zu bewegen. Die Beiträge sind frech, frivol und oft provokativ und kratzen die Gürtellinie nicht nur an. Die Darstellerinnen mit scharfem und intelligentem Witz verlassen gerne einmal die Ebene des Mehrdeutigen in Richtung Eindeutigkeit, ohne jedoch ins Obszöne oder gar Peinliche abzugleiten. Größen des Showgeschäfts wie Stevie Wonder, Michael Jackson und Tina Turner werden mimisch, gestisch und tänzerisch zu Playbacks von Johnny Boy und Ireen Sue gekonnt imitiert.

Denisse Zambrana krönt die Reihe der Imitationen mit einer Parodie auf Amy Whinehouse. Sie mixt auf der Bühne ihren „Stoff“, nimmt zwischendurch einen Schluck aus der Flasche und verteilt „Pillen“ im Publikum. Die Stimmlagen sind männlich, die Akzentuierung feminin. Es sind Körperarbeit, Gestik und Mimik, die den Darstellerinnen die Ausstrahlung lasziver Weiblichkeit verleihen.

Die Plaudereien von Lilian Carre und Marcel Bijou lassen immer wieder Zweifel an deren Geschlechtszugehörigkeit aufkommen. „Bei mir ist alles unter Putz gelegt“, klärt Lilian Carre das Publikum auf. Und mit dem Satz: „Ich bin eben eine Dame mit Stil“, legt sie erneut den Mantel des Ungewissen über den Abend.

jh

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