Wortgewandter Kabarettist zieht Verdener Publikum in seinen Bann / Ausverkauft

Richling redet zu schnell

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Mathias Richling.

Verden - Von Björn Lakemann. „Rede ich zu schnell? Man muss nicht alles verstehen. Es reicht die Hälfte“, gab Satiriker Mathias Richling bei seinem Auftritt am Donnerstagabend dem Publikum in der ausverkauften Verdener Stadthalle mit auf den Weg. Schließlich gastiert der begnadete Wortakrobat nächste Woche in Vegesack. Der Bitte, auch dorthin zu kommen, wird wohl der eine oder andere der 575 Zuschauer gerne nachkommen.

Das Bühnenbild wurde dominiert von einer Vielzahl von Koffern, eine Anspielung auf „Deutschland to Go“, wie Richling sein Bühnenprogramm nennt. Denn Deutschland sei „irgendwie zum Auswandern“, wie der 62-jährige Künstler anmerkte.

Zu Beginn nahm er die deutsche Parteienlandschaft aufs Korn. „Wollen sie eine Nachgeburt zur Wahl oder etwa einen Muttikuchen,“ witzelte der Satiriker in Anspielung auf die höchste Frau im Staat. Es sei ein demokratischer Akt, nicht zur Wahl zu gehen, wie 60 Prozent Nichtwähler eindrucksvoll nachweisen. Einheit gebe es nur bei Katastrophen, spielte er sarkastisch auf den Absturz der German-Wings-Maschine in Frankreich an. Selbst für die Bundeskanzlerin bleibe Deutschland die schönste Nebensache der Welt.

Auch zum Thema Auslandseinsätze hat Richling eine ganz spezielle Meinung. „Im letzten Jahr hatten wir ja einen in Brasilien. Dort haben wir sogar gesiegt“, strahlte der Mann aus Baden-Württemberg.

Schon nach kurzer Zeit kam „Rach, der Restauranttester“ auf das Richlingsche Satirebuffet. „Nur mit Fettnäpfchen macht man keine Hollandaise und die SPD soll weiter ihre Vorwürfe brutzeln“, konnte sich Richling einen Seitenhieb auf die Sozialdemokraten nicht verkneifen. Diese seien mit ihren Wahlergebnissen auf dem besten Weg, in die Fußstapfen der FDP zu treten.

Dabei hätte der gemeine Deutsche keine Meinung. Dennoch äußere er seine Sichtweise gerne. Es herrsche eine parlamentarische Demoskopie, so der Künstler. Die Politik habe längst Konkurs angemeldet. „Die können sich nur retten durch Talkshows“, schmiss Richling, der seit 40 Jahren auf der Bühne steht, in den Raum. Nur gut, dass Demokratie noch nicht aus dem Grundgesetz gestrichen sei. Ginge es nach der Bundeskanzlerin, müssten die Deutschen die Bedeutung der Demokratie nur noch nachplappern.

Zum guten Schluss gab es noch einen Klassiker, als Richling ein fiktives Gespräch zwischen den beiden Alt-Bundeskanzlern Schmidt und Schröder zum Besten gab. Die Zuschauer tobten, stehende Ovationen waren dem Künstler sicher.

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