Alleinerziehende und Familien haben Probleme / DGB-Umfrage

Auf Wohnungssuche

Diskutierten über die Wohnsituation in Verden: Birgit Koröde, Daniela Teppich, Dörte Liebetruth und Peter Bohlmann (v.l.). Foto: haubrock-kriedel

Verden – Wie sieht es mit der Wohnsituation in Verden und umzu aus? Wie bewerten die Verdener die Lebensqualität in ihrer Stadt? Wie zufrieden sind sie mit dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV)? Von Juli bis August hat der DGB Verden 50 Personen zu diesem Thema befragt. Die Gewerkschafter waren auf Wochenmärkten, in Einkaufszentren und in Betrieben unterwegs. Die Ergebnisse wurden am Mittwochabend im Alten Schulhaus in Dauelsen vorgestellt. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion mit Landrat Peter Bohlmann, der Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth und Birgit Koröde, Bauaufsicht/Wirtschafsförderung der Stadt Verden.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Eva Hibbeler stellte die Ergebnisse der Umfrage vor. Demnach fanden mehr als drei Viertel der Befragten, dass es in Verden zu wenig Wohnraum gibt. Besonders Familien und Alleinerziehende haben es schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter Wohnfläche ist von 5,97 Euro in 2014 auf 7,50 Euro in 2018 gestiegen. Erschwerend kommt hinzu, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Wohnungen in einem sanierungsbedürftigen Zustand vermietet werden.

Durchwachsene Noten gab es für weitere Bereiche: „Mit dem Angebot des ÖPNV in der Kernstadt sind die meisten zufrieden, anders sieht es in den umliegenden Ortschaften aus“, gab Hibbeler die Ergebnisse bekannt. Viele der Befragten bedauerten zudem, dass es in der Fußgängerzone keinen Nahversorger mehr gibt. Die Barrierefreiheit, das Angebot an Kitas und Schulen sowie das kulturelle Angebot wurden von den meisten mit ausreichend bis gut bewertet.

Die Podiumsdiskussion eröffnete Moderatorin Daniela Teppich mit der Frage an Birgit Koröde, ob sie die Wohnungsknappheit in Verden bestätigen könne. „Wir haben circa 28 000 Einwohner in Verden, auf dem Markt sind 14 000 Wohnungen. Da wird es eng“, sagte sie. Im Jahr 2011 habe es zudem über 4 600 Ein-Personen-Haushalte gegeben, 69 Prozent dieser Haushalte seien Mieter. 2012 seien in Verden 500 neue Wohneinheiten geschaffen worden, drüber hinaus seien im vergangenen Jahr mehr Ein- und Zweizimmerwohnungen genehmigt worden. „Es fehlen in Verden 300 Wohnungen, davon 100 geförderte Wohnungen“, bilanzierte Koröde.

Landrat Bohlmann, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisbaugesellschaft ist, wies auf die Unterschiede zwischen Stadt und ländlichem Raum hin. Während in Verden bis 2021 300 Wohnungen fehlen, gibt es im Bereich Kirchlinteln/Dörverden einen Überschuss von 150 Wohnungen. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir das Wohnen dort attraktiver machen. Ein zentrales Thema ist hier der ÖPNV“, betonte Bohlmann.

Dörte Liebetruth verwies auf das Gesetz zur Stärkung von Zukunftsinvestitionen und -vorsorge, das der niedersächsische Landtag im Juni beschlossen hat. Aus dem Haushaltsüberschuss des Jahres 2018 werden 400 Millionen Euro für die soziale Wohnraumförderung zur Verfügung gestellt. Mit den Finanzhilfen des Bundes werden bis 2023 insgesamt 1,7 Milliarden Euro für den geförderten Wohnungsbau bereitgestellt.

„Der soziale Wohnungsbau basiert auf zinslosen Darlehen, die Attraktivität steigt nicht, wenn die Zinsen niedrig sind“, gab der Landrat zu bedenken. Hauptproblem sei aber nicht das Geld, sondern die fehlenden verfügbaren Flächen. Zudem seien die fehlenden Sozialwohnungen Folge der Versäumnisse der Vergangenheit. Darüber hinaus habe es in den vergangenen Jahren eine dynamische Preisentwicklung im Wohnungsbau gegeben. Die Kosten seien von 2 400 auf 3 000 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Auch ginge die geforderte Barrierefreiheit auf Kosten der günstigen Bauweise.

Auf die Frage, was sich in den nächsten fünf Jahren in Stadt und Landkreis verändern müsse, nannte Bohlmann eine bessere Taktung des ÖPNV, weg vom „Milchkannenverkehr“.

Dörte Liebetruth wünscht sich, dass die in Verden vorhandenen Kompetenzen für klimaschonendes, kostengünstiges Bauen besser genutzt werden. Birgit Koröde sprach sich für ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Wohnraumentwicklung mit lebendigen Mehrgenerationenquartieren aus. „Wenn man sich in seinem Umfeld wohlfühlt, braucht man nicht so viel Wohnfläche“, sagte sie.  ahk

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