Angespannte Lage im Verdener Sozialamt nach Ankündigung aus Hannover

Wohnraum für 100 Geflüchtete fehlt

Jawid Sadeqi steht umringt von Leuten mit afghanischen Fahnen auf dem Verdener Rathausplatz.
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Jawid Sadeqi ist selbst vor Jahren aus Afghanistan geflohen. Nach der Machtübernahme der Taliban im August berichtete er auf einer Demonstration in Verden von den Hintergründen.

VON RONALD KLEE

Verden – So ganz abgerissen ist der Zustrom von Flüchtlingen nie. Auch nach der großen Welle vor fünf Jahren kamen immer mal wieder asylsuchende Menschen im Landkreis Verden an. Jetzt verschärft sich die Lage. Die Landesaufnahmebehörde hat dem Kreishaus statt den „gewohnten“ Zahlen 100 Menschen mehr und für einen längeren Aufenthalt angekündigt. Aufgabe des Sozialamts ist, sie mit Unterkünften zu versorgen. „Bis August sollen 350 Geflüchtete für zwölf Monate an kommen“, weiß Karsten Bödeker, aber genügend Wohnraum für sie hat er noch nicht. Noch fehlen dem Fachdienstleiter dafür etwa 100 Plätze.

600 Geflüchtete in 150 Wohnungen

Im Zuge der Flüchtlingswelle 2015/16 war der Landkreis schnell zum größten Mieter im Kreisgebiet geworden. Und auch jetzt, so berichtet Bödeker, leben 600 geflüchtete Menschen im Kreisgebiet. 150 Wohnungen hat er dafür angemietet. Eigentlich eine geringe Zahl angesichts der 26,5 Millionen Menschen, die laut Vereinten Nationen derzeit weltweit auf der Flucht vor Gewalt und Hunger sind. Karsten Bödeker spricht von sozialer Verantwortung und versucht, die Zuversicht zu behalten, dass er die angekündigten Menschen bis Mitte nächsten Jahres entsprechend unterbringen kann. „Wir müssen wachsam sein“, sagt er.

Die Lage in Afghanistan nach der Übernahme der Macht durch die Taliban und die gezielte Schleusung von Flüchtenden auf Anordnung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko haben die Aufgabe nicht einfacher gemacht. Aber woher die Menschen diesmal kommen, die der Fachdienstleiter unterbringen muss, weiß er nicht. „Ich habe nach 15 Jahren Erfahrung mit der Aufgabe aufgehört, danach zu fragen“, erklärt Bödeker. Für ihn und seine Kollegen, ändert das letztlich auch nichts an der Aufgabe, die Menschen, die da kommen, menschenwürdig unterzubringen. In den letzten Jahren seien immer wieder Geflüchtete aus dem ehemaligen Jugoslawien gekommen, aber auch aus dem Nahen Osten.

Dass aber die Geflüchteten aus den aktuellen Brennpunkten in den Landkreis kommen, erwartet Bödeker nicht. „Was wir in der Tagesschau sehen, kommt hier mit einiger Verzögerung an“, ist seine Erfahrung.

Keine Massenunterkünfte erwünscht

Wie schon beim großen Flüchtlingsansturm setzt er weiterhin auf die dezentrale Unterbringung und versucht, die Unterkünfte überall im Kreisgebiet für kleinere Haus- oder Wohnungsgemeinschaften zu schaffen. Massenunterkünfte will er nicht. Zu den größten gehört etwa der ehemalige Verdener Hof, den der Landkreis damals für die Unterbringung von Geflüchteten gekauft hatte. Das ehemalige Gasthaus sollte vorübergehend als Unterkunft genutzt werden, jetzt ist aber eine andere Nutzung erstmal nicht in Sicht. „Etwa zwei Dutzend Leute wohnen da“, weiß Bödeker. Bei der angespannten Lage werde er dort und in anderen Unterkünften die Zahl verdichten müssen.

Angespannt ist die Lage auch, nachdem in Achim ein paar größere Mietobjekte aus baurechtlichen Gründen geschlossen werden mussten. 100 Plätze seien damit weggefallen und das Kreishaus musste Ersatz finden. „Der Markt hat sich verändert“, ist seine Beobachtung, dass das zurzeit nicht ganz einfach ist. Als dann klar wurde, dass weitere 150 Menschen bis Mitte nächsten Jahres eine Unterkunft bekommen müssten, hatte die Kreisverwaltung öffentlich nach Wohnungen gesucht. Das Ergebnis allerdings war eher mittelmäßig. „Es bleibt bei dem Bedarf von 100 Plätzen“, sagt der Chef des Fachdienstes.

Je nachdem, was die Geflüchteten für Schicksale mitbringen und welche Lebenskultur sie gewohnt sind, betreuen Mitarbeiter die Familien oder Wohngruppen, berichtet der Fachdienstleiter. Manchmal benötigten die Bewohner tägliche Betreuung, manchmal reiche es aus, einmal im Monat vorbeizusehen.

Wenig Vorfälle im Landkreis

„Ich glaube wir haben vieles richtig gemacht“, kommentiert er in aller Bescheidenheit. Bei 600 betroffenen Menschen im Kreis und all den Tagen und Nächten, in denen sie mit ihrer Situation und ihrer Geschichte zurechtkommen müssten, sei der Landkreis Verden beim Blick auf die eher wenigen Vorfälle eine ruhige Landschaft.

Wer dem Landkreis für seine Aufgabe noch Wohnraum zur Verfügung stellen kann und will, ist herzlich eingeladen, sich mit seinem Angebot unter der Telefonnummer 04231/15856 in der Behörde zu melden.

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