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Wohnen: Wohin Verden wächst

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Von: Heinrich Kracke

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Blick in Siedlungsstraße.
Raum für Nachverdichtungen? Im Bereich Brunnenweg ist Platz für 40 Wohneinheiten, heißt es aus dem Rathaus. © Kracke

In den nächsten 36 Monaten werden in Verden mehr als 300 Wohnungen benötigt. Die Frage nur, wo sie entstehen sollen, angesichts der nicht vorhandenen Neubaugebiete. Erste Lösungen liegen auf dem Tisch.

Verden – Die großen Baugebiete in Neumühlen und Klein Hutbergen gefüllt, und jetzt ist erstmal Schluss mit dem Wachstum? Verden wird auf längere Sicht bei 28 000 Einwohnern stehen bleiben? Als diese Fragen im Rathaus auf den Tisch kamen, im Stadtentwicklungsausschuss, da lösten sie höchst differenzierte Erkenntnisse aus. Nein, die Einwohnerzahlen werden in den nächsten Jahren tendenziell geringfügig zunehmen, ja, die Zahl der benötigten Wohnungen wird andererseits steigen. Allein bis 2025, und das sind nur noch 36 Monate, würden 360 Haushalte, so die Einschätzungen, nach eigenen oder gemieteten vier Wänden suchen.

Allerdings ist das Jahr 2025 nur ein erster Schritt. Im Grunde geht es um Verden in 20 Jahren. Und um die Maßnahmen, die jetzt zu ergreifen sind, damit dann noch angenehme Lebensbedingungen herrschen, vielleicht sogar angenehmere als jetzt. Isek heißt die Zauberformel, und gemeint ist damit, Achtung: Unworte, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das jetzt in einer zweiten Auflage bis Anfang des nächsten Jahres erarbeitet werden soll. Drei Grundthemen bilden sozusagen das Fundament der Stadt von morgen. Die Mobilität, das Wohnraumkonzept und der Klimawandel, und dafür werden aktuell Basisdaten erhoben. Vorentscheidungen fallen damit nur bedingt. In Workshops für Jugendliche Ende Juni und für Erwachsene Anfang September soll die Bevölkerung zu Wort kommen, so Frank Schegelmilch von der federführenden BPW-Stadtplanung in Bremen.

Den Bereich Wohnraumkonzept legte er in die Hände der P+T-Planer Bremen. Verden habe sich zuletzt bei den Einwohnerzahlen positiv entwickelt, gleichzeitig seien in den vergangenen sieben Jahren rund 430 neue Wohneinheiten bezogen, ein Plus von 3,2 Prozent, sagte Stadtentwicklerin Lisa Morgenschweis. Es seien immer mehr Mehrfamilienhäuser entstanden, viele kleine Wohnungen, gleichzeitig seien die Preise deutlich angestiegen, nicht nur für Bauland, sondern auch bei den Mieten. Waren vor sechs Jahren noch sieben Euro pro Quadratmeter und Monat bei Neuvermietungen fällig, so sind es jetzt schon neun Euro. Nicht als Spitzenpreis, sondern als Durchschnitt.

Bisher profitierte die Stadt Verden bei den Bevölkerungszahlen von sogenannten Wanderungsgewinnen. Während die Geburtenrate weiterhin unter der Sterberate liege und zum Sinken der Einwohnerzahlen beitrage, kämen junge Familien hinzu. Mal aus umliegenden Gemeinden, etwa, weil sie einen Bauplatz erhascht haben, mal auch aus dem Ausland. Und genau diese Wanderungen machen es schwierig. „Aus vergangenen Jahren liegen uns Prognosen des Statistischen Landesamtes, der N-Bank und des Kommunalverbandes vor, und keine traf zu“, so die externe Stadtentwicklerin, „alle sagten sinkende Zahlen voraus“.

Auch aktuell seien wegen des Ukraine-Krieges Prognosen schwierig. Generell könne von leichten Zuwächsen in den nächsten acht Jahren ausgegangen werden. Gleichzeitig werde Verden älter, und es werde jünger. Sowohl die Altersgruppe bis 17 Jahre als auch jene über 60 Jahre wachse. Darüber hinaus nehmen Haushalte mit einer oder zwei Personen zu.

Allerdings klaffen die Prognosen für den Wohnungsbedarf weit auseinander. Die Landesstatistiker gehen von 571 bis 2025 aus, und von 509 weiteren bis 2030, der Kommunalverband erwartet lediglich 118 bis 2025 und nochmals 118 bis 2030. Im Mittelwert also so ungefähr 300.

Wie wackelig diese Prognosen sind, deuteten bereits die politischen Diskussionen an. „300 zusätzliche Wohnungen, da bin ich entspannt“, sagte Bürgermeister Lutz Brockmann. „Zurzeit ist wegen der politischen Entwicklungen der Neubaubereich um 50 Prozent eingebrochen“, meinte Michael Otten (SPD), in der Führungsetage eines Wohnungsbau-Unternehmens tätig. Und ob alles überhaupt so kommt, wie es ansatzweise herausorakelt wird, hängt noch von einer nächsten Frage ab. Wird die Stadt Verden wieder Bauland ausweisen? Im Gespräch sind aktuell Flächen auf dem ehemaligen Baumschulgelände in Eitze, vielleicht im Bereich Maulhoop, ob es realisiert wird, ist allerdings noch völlig offen. Am aussagefähigsten deshalb wohl immer noch das Wohnraum-Konzept von 2017, das knapp 500 neue Wohnungen verteilt aufs Stadtgebiet vorsieht. Ein Potenzial, das maximal zur Hälfte abgefrühstückt ist. Wohnbau im Bestand heißt das.

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