Stadtvilla soll erhalten werden

Wohnblöcke im letzten Moment verhindert

Erst bei näherem Hinsehen fallen die Stilelemente an der Fassade der Stadtvilla ins Auge. Fotos: kra

Passanten orakelten bereits, hier verschwinde ein nächstes schönes Stück der Verdener Stadtansicht. Aber Neu-Eigentümer Jürgen Lemke hat ganz andere Pläne mit dem Grundstück zwischen Johanniswall und Zollstraße an der Lindhooper Straße. „Wir wollen die Stadtvilla erhalten und sogar noch ein nächstes Element hinzufügen“, sagt er auf Nachfrage.

Verden – Baustart ist bereits in den nächsten Wochen. Nachdem zunächst die Freiflächen freigeräumt waren, soll es bereits ab Februar um den alten Glanz der Stadtvilla aus der Gründerzeit gehen. „Die Stilelemente an der Außenfassade, die Fenstervorsprünge, die Fenster an sich, die natürlich aus Holz sein werden, dann die farbliche Akzentuierung der Fassade, all das wird auf den Weg gebracht und gelangt künftig besser zur Geltung“, sagt Lemke. Das Dach komme komplett neu, es werde eine energetische Sanierung von innen erfolgen. Und das alles mit einigermaßen Tempo. Schon im Sommer sollen die rund 420 Quadratmeter Nutz- und Wohnfläche neuen Mietern zur Verfügung stehen.

Den Clou allerdings plant er im Garten. Eine Jugendstilvilla soll hier entstehen, und zwar nicht irgendwie irgendeine, sondern eine, deren Aussehen Passanten schon jetzt geläufig sein dürfte. Die Martfelder Eheleute Lemke haben vor sechs Jahren das damals abrissreife Haus an der Zollstraße 15 erworben und es mit hohem Aufwand aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Und vor allem Gefallen daran gefunden. „Der Garten ist sozusagen als Standort für eine Doublette der Jugendstil-Villa vorgesehen.“ Gegenwärtig läuft der Bauantrag, im Mai soll der Rohbau beginnen, im Herbst starte der Innenausbau, so die ehrgeizigen Zeitpläne. Am Ende stünden für Wohnzwecke zwei Etagen mit je 90 Quadratmetern und ein Dachgeschoss mit 70 Quadratmetern zur Verfügung. Abschließend werde der Garten mit neuem Baumbestand durchdacht angelegt.

Erhält eine Doublette: Jugendstilvilla an der Zollstraße.

Tatsächlich hätte nicht viel gefehlt, und schon wäre eine nächste Zahnlücke in die Verdener Stadtansicht geschlagen. „DieVilla am Johanniswall steht nicht unter Denkmalschutz“, sagt Lemke, „Pläne für den Abriss und den Neubau zweier Wohnblöcke mit 18 Einheiten lagen schon auf dem Tisch.“ Nachdem feststand, dass ein Verkauf der Immobilie in Frage komme, seien mehrere Interessenten vorstellig geworden. Letztendlich habe er sich mit dem alteingesessenen Eigentümer aber mit Hinweis auf ein Konzept zur Rettung der Villa auf einen Verkauf verständigen können.

Und bereut es nicht. Zuweilen sitzt Jürgen Lemke über der Bauakte des Hauses. Rund 120 Jahre auf 180 Seiten zusammengefasst. Vieles handschriftlich und in Sütterlin. „Seit hundert Jahren ist hier eine Arztpraxis beheimatet.“ In den 20er Jahren zeichnete Dr. Borstelmann verantwortlich, nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Dr. Victor Sommerfeld das Haus, in den 80er Jahren sorgte Jürgen Lehmann für erste Eintragungen. „Über Jahrzehnte und bis weit ins vergangene Jahrhundert hinein ein typischer Arzt-Haushalt“, findet Jürgen Lemke, „im Erdgeschoss lagen die Behandlungsräume und natürlich das Herrenzimmer und die Küche. Im Dachgeschoss waren die Schlafräume untergebracht.“

Trotz der ehrgeizigen Pläne gehe er keineswegs das Risiko eines finanziellen Himmelfahrtskommandos ein. „Mit der Sanierung der Villa an der Zollstraße haben wir Erfahrungen gesammelt, die uns jetzt zugute kommen“, sagt er. Zu Kauf- und Umbaukosten äußere er sich nicht, nur so viel: „Erhalt ist natürlich teurer als Abriss und Neubau.“ Aber es zahle sich aus, es bereite Freude, einem solchen Gebäude neues Leben einzuhauchen. Das spüre er auch an der Begeisterung der Handwerker, allesamt möglichst aus der Region. „Sie haben sich schon an der Zollstraße positiv geäußert, es mache ihnen Spaß, sagen sie.“ Und ihn fasziniere die Baukunst früherer Jahrzehnte. „Das ist viel Dauerhafter als so mancher Neubau“, sagt Lemke.

Dass er überhaupt Schandfleck von charismatischer Bausubstand zu unterscheiden weiß, verdankt er einem Zufall. „15 Jahre bin ich auf dem Weg zur Arbeit an dem Haus vorbeigefahren.“ 1996 gründete er die Agentur für Arbeitsvermittlung (AfA) mit Sitz an der Zollstraße. „Das Gebäude hat mich seitdem immer interessiert“, berichtet der Martfelder. Er habe es als sehr schade empfunden, dass man ein solch schönes Gebäude einfach verrotten lasse. Dann nahm er sich dessen selbst an.

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