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„Wo gefeiert wird, passiert auch was“

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Von: Erika Wennhold

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Marktmeister Patrick Düsselbach (links) auf seiner ersten Domweih-Halbzeitbilanz. Darauf musste er zwei Jahre warten.
Marktmeister Patrick Düsselbach (links) auf seiner ersten Domweih-Halbzeitbilanz. Darauf musste er zwei Jahre warten. © wennhold

Auf der Domweih-Halbzeitbilanz wurde der Trubel auf der Festmeile nach zwei Jahren Pause als positives Signal gewertet. Kritik gab es zum Thema Pöttjermarkt und dem teilweise ungezügelten Alkoholkonsum.

Verden – Der Nachholbedarf war zu erwarten, das geringe Interesse, die Domweih mit einem Stand auf dem Pöttjermarkt zu bestücken, nicht unbedingt. Dies sei dem zweijährigen Berufsverbot zu verdanken, drückte es Schausteller Michael Hempen aus, der auf der Domweih-Halbzeitbilanz das Wort ergriff und von den finanziellen Nöten seiner Kollegen im Lockdown sprach. „Viele haben das nicht überlebt.“

Was für den Domweihbesucher unübersehbar ist: Der Pöttjermarkt ist kleiner und zwischen den Marktständen wurden Schausteller platziert. Das gefiel Marktbeschicker Klaus Bredenbeck, der Socken und Strümpfe zum Verkauf anbietet, gar nicht. „Auf der einen Seite feiern, auf der anderen Seite einkaufen, das hat immer so gut funktioniert“, bedauerte er die Entwicklung zwischen Bäckerstraße und Herrlichkeit.

Der neue Marktmeister, Patrick Düsselbach, hatte die Antwort darauf: „Es gab bei Weitem nicht genug Bewerbungen, um die Gasse zu füllen.“ Man habe sogar die Bewerbungsfrist um Wochen verlängert. Mit wenig Erfolg. „Wir mussten die Lücken schließen.“

Der Pöttjermarkt möchte früher schließen

Aus Schaustellerkreisen gab es weitere Erklärungen: Die langen Öffnungszeiten seien eine Zumutung. Von 10 Uhr morgens bis 24 Uhr in der Nacht am Stand zu stehen, um spät am Abend kaum noch etwas zu verkaufen, das schrecke ab. Marktausschuss und Marktmeister wurde deshalb vorgeschlagen, am Abend früher schließen zu dürfen. Darüber wird noch zu reden sein, wenn die Domweih 2023 ansteht.

Dass sich die Situation wieder verbessern wird, erwartet Schausteller Michael Hempel, der auf dem Rummelplatz in Verden seit Jahren vertreten ist, und der sich von strahlenden Kinderaugen für all die Anstrengung entschädigt fühlt. „So gesehen ist es der schönste Job der Welt.“

Schausteller Michael Hempen zieht Bilanz.
Schausteller Michael Hempen zieht Bilanz. © Wennhold, Erika

Der aber auch Schattenseiten hat. Von Stadt zu Stadt zu ziehen, auf- und abzubauen, ist nicht jedermanns Sache. Hempen: „Wenn die Männer eine Freundin haben, kommen sie nicht mehr mit.“ Sorgen bereite den Schaustellern ebenso die digitale Arbeitszeiterfassung. „Es kann sich keiner vorstellen, was das für uns bedeuten würde.“ Auf dem schönsten Arbeitsplatz der Welt wünscht er sich viel Familie und weniger Ballermann. „Das Bier gehört dazu, aber es sollte nicht ausarten.“

Was aber doch nicht selten passiert, wie der Leiter des Streifen- und Einsatzdienstes der Polizei Verden, Boris Koch, nur bestätigen kann. „Noch bin ich entspannt, denn, wo viel gefeiert wird, passiert auch mal was.“ 30 Einsätze habe es gegeben, darunter 16 Straftaten, von denen zehn den Rohheitsdelikten zuzuordnen seien. „Und einer wollte immer weiter feiern, der ist jetzt bei uns.“

Bedauert wurde von Marktbeschicker Albert Coldewey der Ausfall der Backstagetour und der Domweihbummel mit der Lebenshilfe. „Das war für alle ein schönes Erlebnis und Balsam für die Seele.“

Solche Themen könnten wieder aufgegriffen werden, lenkte der Marktmeister ein, der beim anschließenden gemeinsamen Rundgang sicher schon die grobe Planung für die Domweih 2023 vorgenommen hat. Dann soll sie mit ihren vielen Leuchten an den Karussells am Nachthimmel wieder schon von Weitem zu sehen sein und Besucher anlocken.

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