Wissenschaftlerin Dr. Gundula Krüger spricht über die Rolle der Frau im Islam

Ein neues Bild der Muslima

+
Dr. Gundula Krüger sprach über die Frau im Islam.

Verden - In Deutschland leben heute mehr als vier Millionen Muslime. Doch welche Rolle nimmt die Frau im Islam ein? Vorstellungen davon, wie die „Islamizität“ einer Muslima aussieht, haben Protagonisten des Geschlechterdiskurses, Traditionalisten und Islamisten entwickelt. Wie sich dieser Kodex historisch entwickelt hat und warum, berichtete Dr. Gundula Krüger in ihrem Vortrag im Pferdemuseum.

Die Religions- und Islamwissenschaftlerin aus Hamburg war auf Einladung des Zonta Clubs gekommen, und ihr Thema stieß auf großes Interesse. „Ich bin überwältigt von der Resonanz“, freute sich auch Clubpräsidentin Anita Freitag-Meyer.

Viele neue Erkenntnisse versprach Dr. Krüger zu Beginn ihres Vortrags. „Was Sie über Frauen im Islam gelernt haben, können sie in die Tonne hauen.“

Beispiel Verschleierung: Es gebe verschiedene Arten, ein Kopftuch zu tragen, und für viele Muslima sei es ein erotisches Accessoire, erklärte die Wissenschaftlerin. Der Koran fordere, dass Ehefrauen und Ledige „etwas von ihren Gewändern über sich herunterziehen sollen.“ Das sei aber keine Unterdrückung, sondern Schutz vor sexueller Belästigung. Frauen, die sich nicht bedeckten, gelten in islamischen Ländern oft als Freiwild. „Ich habe in Tunesien studiert und weiß, wie man sich dann fühlt“, berichtete Krüger. Die Islamwissenschaftlerin betonte, dass der Koran die Verschleierung für „normale Frauen“ nur für ein tiefes Dekolleté vorschreibt. Der Tschador, ein „Rundes Zelt mit einem Loch in der Mitte“, sei nur für die Frauen des Propheten vorgeschrieben und längst überholt.

Ein weiteres Thema war das Familien- und Erbrecht. „Ledig zu sein, ist unüblich, Sex ist nur in der Ehe erlaubt“, so Krüger. Beide Ehepartner haben den gleichen sozialen und intellektuellen Status. Eine Frau behalte auch nach der Heirat ihr Vermögen. Im Erbrecht sei es aber so, dass Frauen nur die Hälfte zufällt, erklärte die Islamexpertin.

In der Ehe seien die Rechte unterschiedlich verteilt. Die Frau hat ein Recht auf Kleidung, Unterhalt und Wohnung, Gleichbehandlung (bei Polygamie), den Besuch ihrer Familie und die Verfügung über ihren Besitz. Der Mann kann erlauben, dass die Frau das Haus verlässt und einen Beruf ausübt. Er hat ein Recht auf Sexualität.

Hinter den Punkt „Gehorsam“ machte die Islamwissenschaftlerin jedoch ein dickes Fragezeichen. Die Stelle des Korans, die Schläge bei Ungehorsam erlaubt, sei wohl ein Übersetzungsfehler. Was mit „schlagt sie“ übersetzt wurde, heißt modern übersetzt „gebt ihnen ein gutes Beispiel“.

Auch mit Blick auf Polygamie lieferte Gundula Krüger erstaunliche Fakten. Im Koran stehe zwar, dass ein Mann mehrere Frauen heiraten darf, jedoch nur, wenn er allen gerecht werden kann. Und das ist in der Praxis gar nicht so einfach. „Kein Mann schafft es, alle Frauen gleich zu behandeln“, ist Krüger überzeugt. Schon die Tatsache, dass wenn eine Frau schwanger ist, alle anderen das gleiche einfordern dürfen, sei in der Praxis mit erheblichen Problemen verbunden.

Im Scheidungsrecht gibt es keine Gleichbehandlung. Der Mann kann seine Frau verstoßen. Eine Frau kann sich aus der Ehe loskaufen, moderner ist die Scheidung durch ein Gericht. Die Frau muss Gründe für eine Scheidung angeben, der Mann nicht. Kinder gehören dem Mann und seiner Familie.

Die Rechte der Frauen unterscheiden sich in den einzelnen islamischen Ländern allerdings erheblich. In Ägypten gelten seit 1956 gleiche Rechte für Mann und Frau. Im Iran werden die Geschlechter streng getrennt, der Tschador ist Pflicht. Saudi Arabien ist das einzige Land, das Frauen das Autofahren verbietet. „Dort heißt es, das beschädigt die Eierstöcke“, schmunzelte Krüger. Dennoch sind viele Frauen gut ausgebildet. Anteilmäßig gibt es die meisten Frauen mit Doktortitel.

ahk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Erinnerung an Linkin Park Sänger: Chester Bennigton beim Hurricane

Erinnerung an Linkin Park Sänger: Chester Bennigton beim Hurricane

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Diese 10 Dinge sollten Sie aus Ihrer Küche entfernen

Diese 10 Dinge sollten Sie aus Ihrer Küche entfernen

Meistgelesene Artikel

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Achimer Haushalt trotz Bedenken für 2017 und 2018 genehmigt

Achimer Haushalt trotz Bedenken für 2017 und 2018 genehmigt

Bürgermeister Andreas Brandt (SPD): Eigene Erfahrungen helfen bei Familienpolitik

Bürgermeister Andreas Brandt (SPD): Eigene Erfahrungen helfen bei Familienpolitik

Kommentare