Douglas-Unternehmenssprecherin trotz Standortaufgabe kämpferisch

„Wir werden erstmal wieder öffnen“

Schaufensterfront der Verdener Douglas-Filiale
+
Noch sind die Lichter nicht ganz ausgegangen: die Douglas-Filiale in der Verdener Fußgängerzone.

Bevor die Verdener Douglas-Filiale endgültig schließt, wird sie erstmal geöffnet. Gleichzeitig loten Handelsverbände und Wirtschaftsförderer die Möglichkeiten für Neuansiedlungen in Verden aus. Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, den Leerstand mit neuem Leben zu erfüllen, so die Ansicht.

“ Allerdings nur für einige wenige Wochen. Die Allerstadt gehört zu den 60 Douglas-Standorten deutschlandweit, die geschlossen werden. Seit Tagen geistern entsprechende Meldungen durch die Medien. „Es bleibt dabei, am 31. Mai ist in Verden Schluss“, bestätigt eine Unternehmenssprecherin.

Die Frage ist nun, was danach kommt. Eine 1a-Lage in der Verdener Fußgängerzone immerhin, die demnächst frei wird. Der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins reagiert zuversichtlich. „Chancen auf ein Schließen der Lücke bieten sich immer“, sagt Harald Nienaber. Gegenwärtig hätten die Einzelhändler zwar andere Sorgen, aber Verden bleibe attraktiv. Auch der städtische Wirtschaftsförderer Fabian Fortmann schlägt auf Nachfrage in diese Kerbe. „Wir haben immer mal Anfragen nach erstklassigen Lagen.“

Und das müssen nicht unbedingt glitzernde Parfümwelten oder trendige Sportkluften sein, wie es in einer Stellungnahme des Handelsverbandes Nordwest heißt. „Lebensmittler entwickeln kleinräumige Konzepte für Innenstädte, sogar Möbelhäuser folgen diesem Trend“, sagt Hauptgeschäftsführer Jan König. Jetzt habe aber jeder erstmal mit sich und der Corona-Krise zu kämpfen. Jetzt und in den vergangenen Wochen. „Die Gaststätten hatten im Advent geschlossen, die Läden durften öffnen, aber es zeigte sich sehr schnell, geöffnete Geschäfte allein reichen nicht.“ Der übliche Vorweihnachtszulauf sei ausgeblieben. König: „Das zeigte sehr deutlich, die eine Branche kann nicht ohne die andere auskommen.“

Douglas bedauere den Rückzug, heißt es. Leicht habe es sich der Konzern mit diesem Entschluss nicht gemacht. „Wir haben alle Filialen einzeln und eingehend bewertet. Kriterien waren die Wirtschaftlichkeit, die langfristigen Entwicklungsperspektiven, das Umfeld und lokale Überlappungen“, heißt es aus dem Unternehmen, „die Schließungen betreffen insbesondere defizitäre Filialen und Filialen ohne ausreichende wirtschaftliche und strategische Zukunftsperspektive.“ Bewertet wurde zudem, welchen Effekt die Schließung auf andere Filialen habe. „Frühere Filialschließungen haben gezeigt, dass viele Kunden künftig in umliegenden Filialen oder in unserem Online-Shop einkaufen werden. Bei entsprechenden Überlappungen stärken wir so die Frequenz der verbleibenden Filialen nachhaltig.“

Branchenexperten rechnen inzwischen damit, Douglas dürfte kein Einzelfall bleiben. Jeder zweite Einzelhändler (51 Prozent; Vorquartal: 35 Prozent) spricht einer Konjunkturumfrage der IHK Stade zufolge von einer schlechten Lage. „Das Weihnachts- und Neujahresgeschäft, die zusammen für viele Einzelhändler bis zu 30 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, wurde durch die angeordneten Geschäftsschließungen erheblich beschnitten“, sagt IHK-Handelsexpertin Kathrin Wiellowicz. „Vor allem die Segmente Textilien, Schuhe und Lederwaren leiden unter den Einschränkungen.“ Vielfach werde schon auf die „Notreserven“ und das Eigenkapital zurückgegriffen. Da die Erwartungen an die künftigen Geschäfte stark vom Infektionsgeschehen sowie den damit in Verbindung stehenden Beschränkungen des Wirtschaftslebens abhängen, blieben die Zukunftsaussichten weiterhin getrübt. Nach neun Prozent im Vorquartal hoffen nun zwar wieder mehr Betriebe (15 Prozent) auf bessere Geschäfte. Allerdings überwiegt weiterhin der Anteil derjenigen, die mit einem eher ungünstigeren Verlauf rechnen (39 Prozent; Vorquartal: 42 Prozent).

Douglas ist da keine Ausnahme. Wie vergangene Woche bekannt wurde, will der deutschlandweite Primus unter den Parfümerieanbietern fast jede siebte Filiale in der Bundesrepublik schließen. Der Konzern reagiere mit dem Aus für rund 60 der mehr als 430 Filialen auf die immer schnellere Verlagerung der Umsätze ins Internet, heißt es. Rund 600 der über 5200 Beschäftigen in den deutschen Filialen verlieren dadurch ihre Jobs. Zur Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze in Verden macht das Unternehmen keine Angaben. Douglas habe aber in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit eine Transferagentur beauftragt, um die Beschäftigen bei ihrer beruflichen Neuorientierung zu unterstützen. Zudem würden den betroffenen Filialmitarbeiterinnen Abfindungsleistungen angeboten, die besser seien als derzeit in der Branche üblich.

Zwar konnte Douglas dank seiner starken Online-Präsenz die Auswirkungen der Pandemie auf den Umsatz in Grenzen halten. Er sank den Angaben zufolge „nur“ um 6,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Doch das operative Ergebnis ging um 16,7 Prozent auf 292 Millionen Euro zurück. Der sogenannte E-Commerce, dessen Steigerung mit 44,5 Prozent angegeben wird, vermochte das Konzernergebnis nicht mehr zu retten. Unter dem Strich musste das Unternehmen nicht zuletzt wegen hoher Wertberichtigungen sogar einen Verlust von 517 Millionen Euro ausweisen.

Von Heinrich Kracke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler
Verdener Domplatz in Partystimmung

Verdener Domplatz in Partystimmung

Verdener Domplatz in Partystimmung
Der Liebe wegen – Blender statt Virginia

Der Liebe wegen – Blender statt Virginia

Der Liebe wegen – Blender statt Virginia
Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Kommentare