Domgymnasium verabschiedet 157 Abiturienten / 23 Mal eine Eins vor dem Komma

„Wir sind bereit, die Komfortzone zu verlassen“

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Finja Stampa und Florian Wulff führten durch das Programm.

Verden - 157 Abiturienten des Domgymnasiums nahmen am Sonnabend ihr Zeugnis von Schulleiter Detlev Lehmann in Empfang. Wie es seit einigen Jahren Tradition ist, fand die Abschlussfeier im Dom statt. Unter Orgelklängen zogen die Abiturienten in das Gotteshaus ein.

Auch in diesem Jahr konnten sich die Leistungen durchaus sehen lassen. Bei 23 Schülern stand im Zeugnis eine Eins vor dem Komma. Jahrgangsbeste mit der Traumnote 1,0 ist Jenny Hänseroth. Hervorragend schnitten ebenfalls Astrid Stein (1,1), Marlena Schmitz (1,3) und Nils Bohlmann (1,4) ab.

„Wir brauchen kein Zentralabitur“

Ein wichtiger Lebensabschnitt sei nun zu Ende gegangen, sagte Detlev Lehmann. Alle hätten erreicht, was sie erreichen wollten. Ungerecht sei aber, dass es in den Bundesländern Unterschiede gebe, welche Fächer in das Abitur eingebracht werden müssen. Gäbe es den Schüler „Paul“ in jedem Bundesland einmal, so hätte der Beste sein Abitur mit 1,7 in der Tasche, in zwei Bundesländern wäre er durchgefallen, bei exakt den gleichen Leistungen. „Ist das Bildungsgerechtigkeit, wenn es besser ist, den Wohnort zu wählen, als die Fächer?“, fragte Lehmann.

Auch das Zentralabitur sei da keine Lösung. Der Zeitaufwand sei enorm und 5000 Unterrichtsstunden seien verloren gegangen. Dabei gäbe es bei den Abiturklausuren nur eine Abweichung von 0,5 Prozent gegenüber den vorherigen Klausuren der Oberstufe. „Wir brauchen kein Zentralabitur, wir brauchen mehr Vertrauen in die Schulen“, forderte Lehmann.

Marlena Schmitz und Jan Zehreis hielten die Abiturientenrede.

„Euer Abitur war kein Glücksspiel. Ihr habt gezeigt, dass ihr euch engagieren könnt. Doch die Schule ist nicht allein verantwortlich für das, was ihr erreichen könnt. Ihr werdet auch durch euer Umfeld und das Elternhaus geprägt“, sagte der Schulleiter.

Pastor: Traut euch zu leben

Beim anschließenden „Gabriellas Song“ des Kammerchores mit Solistin Marlena Schmitz wurde den Abiturienten bewusst, dass die gemeinsame Zeit nun endet. Viele bekamen feuchte Augen.

Pastor Lueder Möring überbrachte die Glückwünsche der Domgemeinde. Er berichtete von einem Kunstprojekt in New Orleans, in dem der Satz „Before I die“ ergänzt werden sollte „Ich wünsche euch, dass ihr den Mut habt, eure eigenen Antworten auf diesen Satz zu geben“, sagte Möring. Die eigene Zeit sei begrenzt. Davor gelte es zu leben.

Grußworte sprachen auch die Vorsitzende des Schulelternrats, Andrea Wacker, Dieter Meyer vom Verein der Ehemaligen, Michael Gebhardt vom Schulverein und Landrat Peter Bohlmann. Wichtig sei nicht, Wissen zu speichern, sondern es zu hinterfragen, betonte der Landrat.

Umwege als glückliche Fügung betrachten

Jahrgangsleiter Bernd Kleemann erinnerte die Abiturienten daran, dass sie nun den „Mikrokosmos Schule“ verlassen und das Netz, das sie auffängt, grobmaschiger werde. „Gebt nicht gleich auf, manchmal erweist sich ein Umweg als glückliche Fügung“, gab er den Abiturienten mit auf den Weg. „Ich wünsche euch, dass ihr in all euren Maßstäben und Zielen menschlich und fair bleibt. Stellt eure individuellen Stärken in den Dienst der Gesellschaft. Ihr seid unsere Zukunft“, schloss der beliebte Jahrgangsleiter unter dem Jubel der Schüler.

Die Abiturientenrede hielten Marlena Schmitz und Jan Zehreis. Letzterer wurde beim Rückblick auf die Schulzeit immer wieder von seinen Emotionen überwältigt. Das Leben halte nun weitere Reifungsprozesse bereit, sagte Marlena. Das Leben sei wie Silvester, nicht alle Raketen gingen gleichzeitig hoch. „Wir sind dankbar, dass wir an dieser Schule zum Denken angeregt wurden und gelernt haben, Dinge kritisch zu hinterfragen. Wir sind nun bereit, die Komfortzone zu verlassen.“ Marlena schloss mit einem Zitat von Gandhi. „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

ahk

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