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„Wir haben nicht verkauft, wir bleiben“

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Von: Heinrich Kracke

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Gewerbegebiet im Rückspiegel
Mit der Vemag Maschinenbau ein Großunternehmen, daneben vier weitere Betriebe, und dann eine Mischung aus brach liegenden Flächen und vollen Parkplätzen. So stellt sich die Lage an der Weserstraße aktuell dar. Ein Bauleitplanverfahren soll zu geordneteren Verhältnissen führen. © Kracke

Das Gewerbegebiet Weserstraße im Ausnahmezustand. Nach Bekanntwerden des Vemag-Antrags auf eine neue Bauleitplanung werden Chefs anderer Anlieger-Firmen angesprochen, ob sie schon ihre Betriebsflächen verkauft haben.

Verden - Er sei angesprochen worden, sagt Udo Maurischat, nicht nur einmal angesprochen, sondern immer wieder. Kunden hätten ihn gefragt, sagt der Kfz-Meister, ob er schon verkauft habe. Um die westliche Seite der Weserstraße geht es und um die ganz langfristigen Expansionspläne der Vemag Maschinenbau. Wie berichtet, hatte das Unternehmen mit mehr als 800 Beschäftigten die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für diesen Bereich beantragt, was Verdens Politik positiv beschied.

Der kommende Bebauungsplan bezieht auch Flächen ein, auf denen andere Betriebe ihren Firmensitz haben. Maurischat gehört dazu. „Ich weiß nicht, wie oft ich angesprochen wurde, ob wir verkauft hätten“, sagt er. Das sei langsam geschäftsschädigend. „Ich kann immer nur sagen: Nein, wir haben nicht verkauft. Und: Nein, wir planen es auch nicht.“

Der kommende Bebauungsplan umfasst die gesamte Allerseite der Weserstraße vom Trinkwasser-Verband bis zur Abzweigung Höltenwerder. Neben den bereits vorhandenen Gebäudekomplexen der Vemag befinden sich insgesamt vier Betriebe sowie ein Privathaus auf den Flächen, und zumindest bei den Firmen ist seit Bekanntwerden der Expansionspläne nichts mehr wie es war. „Immer wieder werden wir angesprochen, immer wieder können wir nur sagen, nein, verkauft haben wir nicht“, heißt es durchgängig. Aber fest steht auch: Die Gesamtlage gestaltet sich von Firma zu Firma unterschiedlich, wie eine Nachfrage bei allen ergab.

Die südlichsten Flächen einschließlich des verpachteten Areals des Abfallhofes hält die Firma Maurischat, wie Firmenchef Udo Maurischat bestätigt. Und dabei bleibe es. „Wir haben gerade den Generationswechsel abgeschlossen, unser Sohn Sascha hat die Meisterprüfung bestanden, wir planen hier langfristig unseren Firmensitz.“ Das Unternehmen feierte jüngst das 25. Jubiläum, vor mehr als 20 Jahren sei man mit der Übernahme der Gebäude des ehemaligen Autohauses Trebing an der Weserstraße sesshaft geworden.

Ähnlich die Lage einige Meter weiter nördlich bei Dieter Pahl Maschinenbau. 1980 gegründet, vier Jahre später die Hallen an der Weserstraße gebaut, seither hier sehr zufrieden, so schildert Jörg Pahl, Firmenchef in zweiter Generation, die Situation. Inzwischen sei auch die dritte Generation eingestiegen, sei Thore Pahl ins 20-Mitarbeiter-Unternehmen integriert, und das bedeute: „Für uns gibt es keinen Anlass, über den Standort nachzudenken. Wir planen hier einen dauerhaften Verbleib.“

Noch weiter nördlich, und vorbei an den langen Firmen-Gebäuden der Vemag ein drittes Unternehmen, die GNE Nienstädt mit einem Portfolio vom Abschleppdienst über die Fahrzeugvermietung und Reparaturen bis zur SB-Waschanlage. Ja, auch sie sei aus dem Kunden- und Bekanntenkreis angesprochen, sagt Firmenchefin Hannelore Nienstedt, und nein, sie habe nicht verkauft. Mittelfristig allerdings könne sich das ändern. „Ich habe vor, zu verkaufen.“ Wenn es passe, wenn also das richtige Angebot vorliege, könne man über eine Veräußerung nachdenken. Das sei aktuell aber nicht der Fall, und vielleicht auch ganz gut so. Sie gebe den Standort nur ungern auf. „Hier kann man die schönsten Sonnenuntergänge Verdens erleben.“

Eine nächste klare Aussage und eine nächste unterschiedliche Lage schließlich beim nördlichsten Unternehmen. „Nein, auch wir haben nicht verkauft und wir planen es auch nicht“, sagt Olaf Köhler vom gleichnamigen Taxiunternehmen. Allerdings sei es langsam eng geworden. Vor 28 Jahren hatte sich die Firma mit einer ersten Halle an der Weserstraße niedergelassen, vor 15 Jahren folgten der Neubau von Werkstatt- und Bürogebäude mit Zentrale. Damit sei die vorhandene Fläche ausgereizt. Auf die Zukunft angesprochen sagt er: „Wir haben Platzbedarf.“

Ein einziges Wohnhaus hat die Zeiten auf der Industrie- und Handwerksmeile der Weserstraße überdauert. Auch hier bestehen klare Vorstellungen. „Nein, verkauft haben wir nicht“, sagt Nicole Weber, „und wir haben auch nicht den Plan zu verkaufen. Wir wollen hier bleiben“, sagt sie. Es sei ihr Elternhaus, sie sei hier groß geworden.

Alle Anlieger bestätigen, die Nachfrage nach Grundstücken in diesem Gewerbegebiet ist hoch. Darauf deuteten nicht nur vereinzelte Besuche von Vemag-Vertretern hin, das deuteten auch „Vorgespräche“ mit Abgesandten anderer Unternehmen an, auch größerer Unternehmen. „Daraus ist ersichtlich, es herrscht ein Mangel an Gewerbeflächen in Verden“, heißt es. Andererseits bekräftigen die vier Firmenchefs von der westlichen Weserstraße übereinstimmend, sie hätten zwar nicht verkauft, aber insgesamt schätze man die Vemag sehr: „Ein echtes Vorzeigeunternehmen.“

Auch mit der kommenden neuen Bauleitplanung, die nach Angaben von Bürgermeister Lutz Brockmann in der zurückliegenden Sitzung des nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschusses die abschließende politische Hürde nahm, auch damit könne man sich anfreunden. „Das bringt uns zumindest keine Nachteile“, unterstreicht etwa Udo Maurischat. Wie berichtet hatte die Vemag die neue Bauleitplanung beantragt.

Wie lange es allerdings dauern wird, ehe das Unternehmen tatsächlich die Fühler nach Grundstücken auf der Allerseite der Weserstraße ausstreckt, und ob überhaupt, ist noch offen. Die Geschäftsführung macht dazu keine Angaben. Aktuell errichtet der Maschinenbauer eine Fertigungshalle auf seinen Flächen östlich der Weserstraße. Gleichzeitig sollen wie berichtet im laufenden Jahr bis zu 60 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Konkrete Zukunftspläne beziehen sich zunächst lediglich auf einen Parkplatz für Mitarbeiter, der in Höhe des Klärwerks mit einer Kapazität in der Endstufe von bis zu 1200 Fahrzeugen entstehen soll.

Zu Ausbauplänen westlich der Weserstraße macht die Führungsetage des Unternehmens keine Angaben. Da ist Verdens Politik schon einen Schritt weiter. Einer der Wortbeiträge in der seinerzeitigen öffentlichen Debatte lautete, dass eine lückenlose Bebauung beispielsweise mit aneinander gereihten Fertigungshallen nicht zugelassen werden solle, es bedürfe Frischluftschneisen zwischen den Gebäuden, um den Klimaschutzaspekten gerecht zu werden.

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