Von Winterruhe keine Spur

Der Klimawandel sorgt bei den Bienen in der Region für Irritationen

Munteres Treiben im Bienenstock mitten im Dezember. Die Behandlung mit Oxalsäure am Jahresende reduziert den Befall mit der Varroamilbe. Fotos: haubrock-kriedel
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Munteres Treiben im Bienenstock mitten im Dezember. Die Behandlung mit Oxalsäure am Jahresende reduziert den Befall mit der Varroamilbe.

Verden-Eissel - Winterzeit bedeutet eigentlich Ruhezeit für die Bienen. In diesem Dezember sah das allerdings ganz anders aus. Die ungewöhnlich milden Temperaturen von manchmal mehr als 13 Grad sorgten dafür, dass die Bienen munter umherflogen, statt in der sonst üblichen Winterruhe Kraft für einen guten Frühlingsstart zu sammeln.

„Das kostet Lebensenergie und zehrt natürlich am Winterfutter“, weiß der erfahrene Imker Heinrich Kersten aus Eissel. Er hat zudem beobachtet, dass einige seiner Bienen mitten im Dezember sogar mit gelben Blütenpollen zurückgekommen sind. „Blütenpollen sind ein Indikator dafür, dass die Königin stiftet, das heißt, Eier für die Brut ablegt“, erklärt Kersten.

Imker Heinrich Kersten.

In der Regel endet der Bienenflug bei einer Außentemperatur um zwölf Grad Celsius. Lediglich „Wasserholer“ sind sporadisch noch unterwegs. Wenn die Temperatur weiter sinkt, begeben sich die Bienen in einen kugelförmigen Wintersitz, der sogenannten Wintertraube innerhalb der Bienenbehausung, der Beute. Diese Wintertraube hat Anschluss an die eingelagerten Futtervorräte zur stetigen Versorgung. Die Bienen tauschen in ihrem Wintersitz die Position laufend. Im Außenbereich drängen sie sich dichter als im wärmeren Innenbereich. Dort befindet sich stets die Königin. Bienen aus dem wärmeren Innenbereich wechseln rollierend in den Außenbereich. Damit ist ein Überleben des Gesamtbienenvolkes auch in sehr strengen Wintern sichergestellt. Spätestens nach der ersten Frostnacht stellt die Königin das Brutgeschäft ein und die Bienen begeben sich in ihre Wintertraube. Drei Wochen später waren die Völker bislang in der Regel brutfrei. Für die Imker die beste Gelegenheit, die medizintechnisch bis Jahresende befristete Oxalsäurebehandlung zur Reduzierung der Varroamilben effizient durchzuführen.

Am Schulungsbienenstand in Eissel erfolgte die Behandlung aller Völker am 14. Dezember. „Bei morgendlichen Außentemperaturen um die fünf Grad Celsius war von einer Wintertraube allerdings nichts zu erkennen. Die Völker waren aktiv in den Wabengassen unterwegs“, hat Kersten beobachtet. Bei weiter steigenden Außentemperaturen bis über 13 Grad habe sich am am 19. Dezember bei allen Bienenvölkern ein reger Flugbetrieb eingestellt. Als gutes Signal wertet der Imker, dass zu diesem Zeitpunkt noch alle Völker lebten.

Ende Dezember kehrten einige Bienen sogar mit Pollen zurück.

Dieses ungewöhnliche Verhalten der Bienen bezeichnet Kersten als „Kuriosum“. Dieses würde bei einigen Imkern eine Diskussion mit Kritik an den spät blühenden Blühflächen auslösen. „Ein Streit wie um Huhn und Ei. Die Bienen fliegen nicht wegen der noch blühenden Flächen aus dem Stock, sondern aufgrund der hohen Temperaturen“, betont der Imker. Der Flugbetrieb, das Brutgeschäft und die „innere Unruhe“ würden die Bienen mehr „Treibstoff“ kosten, als im Dezember eingeflogen werden kann. Kerstens Rat an seine Imkerkollegen lautet daher, die Futtervorräte per Gewicht zu kontrollieren und eventuell nachzufüttern, um Winterverlust zu vermeiden. Darüber hinaus weist er auf die Wichtigkeit der Oxalsäurebehandlung hin. „Die Milbenauszählung als Befallsindikator am Schulungsbienenstand Eissel sieben Tage nach der Behandlung ergab einen Milbenfall zwischen 14 und 453 Milben pro Volk. Das Volk mit 453 Milben hätte das Frühjahr 2020 meines Erachtens nicht erlebt. Mit imkerlichem Fingerspitzengefühl und Erfahrungen besteht die Möglichkeit, dem Insektensterben auch trotz Klimawandel und auch bei zweistelligen Plustemperaturen im Dezember nachhaltig entgegenzuwirken“, betont Kersten.

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