Vor 110 Jahren

Wilhelm Buschs letzter Besuch in Verden

Eine Fotografie von Wilhelm Busch aus seinen letzten Jahren.

Verden - Von Dieter Hasselhof. Wilhelm Busch, der bekannte humoristische Zeichner und Autor von „Max und Moritz“ und der „Frommen Helene“ war zwischen 1900 bis 1907 mindestens neunmal in Verden. Er besuchte hier seinen Neffen Adolf Nöldeke, der Lehrer am Domgymnasium war.

Busch selbst lebte in seinen letzten Lebensjahren sehr zurückgezogen im Pfarrhaus in Mechtshausen bei seinem Neffen Otto Nöldeke. Im August 1907 war Busch zum letzten Mal in Verden.

Auf seine regelmäßigen Reisen mit der Eisenbahn zu seinen zahlreichen Freunden und Verwandten mochte Busch nicht verzichten. So konnten auch die Verdener ihn für einige Jahre sehen, wenn er vom Bahnhof kommend zum Neffen in die Südstraße und später in die Strukturstraße ging oder zu seinen regelmäßigen Frühschoppen in das Gasthaus von Fritz Blume, das heute Mensa des Domgymnasiums ist.

Reise in Briefen angekündigt

Neffe Adolf war verheiratet mit Elisabeth Nöldeke, geborene Koch. 1897 wurde die Tochter Margret geboren und 1902 der Sohn Kurt. Die Familie wohnte ab 1899 und bis etwa 1904 in der Südstraße 8, ab einem noch unbestimmten Zeitpunkt, spätestens jedoch ab August 1906, in der Strukturstraße 8, heute Hausnummer 16.

Eigentlich besuchte Busch seine Verdener Verwandten mindestens zweimal im Jahr. Es mag an der körperlichen Verfassung gelegen haben, dass der Besuch im Frühjahr 1907 ausfallen musste. Im August/September, vier Monate vor seinem Tod, macht er sich aber noch einmal auf in Richtung Verden. Diese Reise kündigt er in mehreren Briefen an, so auch am 19. August 1907:

„Meine liebe Nanda!

… Heute in 8 Tagen, obgleich ich mich nur ungern in der Eisenbahnschachtel verpacken laße, will ich mal endlich nach Verden fahren, nicht ganz auf zwei Wochen.“ Die „liebe Nanda“ war die Tochter des Bankiers J. D. H. Keßler in Frankfurt. Dr. phil. Otto Busch, ein Bruder des Autors, war elf Jahre lang Hauslehrer bei der Familie Keßler in Frankfurt. Ferdinanda, genannt „Nanda“, und Letitia, genannt „Letty“, waren die Töchter der Familie Keßler. Nellie war wiederum die Tochter von „Nanda“.

Seinen letzten Brief mit einem Bezug zu Verden verfasste Busch am 16. September 1907, also wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Mechtshausen. Es ist überhaupt einer der letzten Briefe, die er drei Monate vor seinem Tod geschrieben hat. Er gibt die Stimmung wieder, in der sich der zunehmend geschwächte Wilhelm Busch befand.

„Mechtshausen 16ten Sept. 1907.

Meine liebe Nanda!

Dein Scheveninger Brief, wofür ich Dir danke, fand mich in Verden, und der meinige wird dich, denk ich, in Frankfurt finden. Leider scheint dir die Salzluft nicht wohl bekommen zu sein, aber vielleicht zeigt sich die gute Wirkung erst später. Andere, die in die Berge gestiegen, hat die Kälte verscheucht. Mich selbst plagt Schnupfen und Husten; eine Belästigung, die ich gelaßen ertrage, denn dafür, daß man lebt, muß man sich zwicken laßen, ja das Leben wird schließlich sogar mit dem Tode bestraft. In dieser Hinsicht erhielt ich kürzlich einen sehr ernstlichen Wink: Mein gleichaltriger Freund aus Ebergötzen, den ich kenne seit dem Jahr 1842, ist plötzlich in Ems, wo er sich zur Kur aufhielt, gestorben. – Ein paar sonnige Tage hat uns der Sommer vor seinem Abschied nun doch noch bewilligt, doch schmecken sie schon stark nach Herbst und Vergänglichkeit. Die Felder werden leer, das Laub an den Bäumen erlahmt bereits, und bald kommt der Winter mit seinen frostigen "Freuden".

Leb wohl, liebe Nanda! Berichte mir, womöglich, was Angenehmes.

Inzwischen die herzlichsten Grüße von mir und den Angehörigen allhier an dich und Nellie und all die Andern.

Stets dein getr. alter Onkel Wilhelm.“

Der genannte „gleichaltrige Freund“ war Erich Bachmann aus Ebergötzen. Die langjährige Freundschaft mit Erich Bachmann, dem Sohn des Müllers aus Ebergötzen, bestand seit der Zeit, als Busch im Alter von neun Jahren zu seinem Onkel, dem Ebergötzer Pastor Georg Kleine zog.

Der Gesundheitszustand von Wilhelm Busch verschlechterte sich weiter und etwa vier Monate nach seinem letzten Besuch in Verden ist Wilhelm Busch am 9. Januar 1908 im Alter von 75 Jahren in Mechtshausen gestorben.

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