Hände weg bei stacheligen Begegnungen

Julia Linz betreut rund ein Dutzend Igel in der Wildtierpflegestelle Verden

Die Kleinsten füttert Linz regelmäßig mit der Flasche, bis sie groß genug sind, um selbst trinken zu können.
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Die Kleinsten füttert Linz regelmäßig mit der Flasche, bis sie groß genug sind, um selbst trinken zu können.

Verden – Rund ein Dutzend kleine Igel werden derzeit von Julia Linz in ihrer Wildtierpflegestelle Verden versorgt. So süß sie sind, bedeutet es sehr viel Arbeit, erfordert Geduld und Fachwissen. Das gilt für die Aufzucht genauso wie für die Versorgung ausgewachsener Igel, die krank oder verletzt bei ihr gelandet sind.

Drei Igel stammen aus einem Nest in einem Komposthaufen, das beim Umsetzen zerstört wurde, berichtet die Verdenerin. Sieben lagen hilflos in einem Blätterhaufen nachdem das Muttertier nicht mehr zurückgekehrt war. Alle wurden anfangs mit der Flasche gefüttert. Die ersten haben gerade angefangen eigenständig zu trinken. „Spezielle Aufzuchtmilch“, betont die tiermedizinische Fachangestellte. Niemals dürfe Kuhmilch gefüttert werden.

„Leider ist es in Mode gekommen, ein Wildtier selber zu päppeln“, so ihre Beobachtung. Vielfach werde sie erst viel zu spät angerufen. „Wir haben seit einer Woche einen Igel und der frisst nicht“, habe sie schon so manches mal gehört. „Doch Igel können nicht alles umsetzen“, erklärt die erfahrene tiermedizinische Fachangestellte. Was dramatische Folgen hat: „Mit dem falschen Futter verhungern sie bei vollem Magen. Sind sie unterernährt und unterkühlt, bricht der Kreislauf zusammen, wenn sie fressen.“

Die jungen Igel bekommen spezielle Aufzuchtmilch, da sie Kuhmilch nicht vertragen.

„Viele hauen pauschal Flohmittel von Hund oder Katze drauf“, sagt Julia Linz. Doch kaum eines dieser Mittel können Igel verstoffwechseln, erklärt sie. Tödlich endet oft auch eine pauschale Behandlung gegen Lungenwürmer. Weil Igel bei Tierärzten nicht zum festen Patientenstamm gehören, sei vieles auch dort nicht bekannt, weiß die tiermedizinische Fachangestellte. Deshalb hat der Verein „Pro Igel“ schon vor Jahren den im Internet zu findenden Leitfaden „Igel in der Tierarztpraxis“ herausgebracht.

Igel gehören zu den besonders geschützten Tierarten und dürfen ohne berechtigten Grund nicht der Natur entnommen werden. Insbesondere jetzt sollte bedacht werden, dass es sich um ein Muttertier handeln könnte. „Weil ein Igel morgens um 9 Uhr durch die Gegend läuft, muss man ihn nicht einsammeln. Liegt er mittags in der Sonne auf dem Rasen, dann stimmt etwas nicht“, verdeutlicht sie. Im Zweifel eine Wildtierpflegestelle oder Igel-Nothilfe anrufen und die Situation zunächst beschreiben.Besod

Besondere Vorsicht bei der Gartenarbeit gefragt

Helfen können Gartenbesitzer durch Obacht bei der Gartenarbeit. Insbesondere beim Einsatz von Fadenschneidern und dergleichen. Mähroboter sind nach wie vor eine große Gefahr wegen drohender Verstümmelungen. Wenn Laubhaufen oder Kompost weggeräumt werden müssen, dann sei derzeit besondere Vorsicht geboten, appelliert sie zum Wohl der Stacheltiere.

Kontakt: Kostenlos berät die Wildtierpflegestelle unter der Telefonnummer 01525/4282312. Wer deren Arbeit unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto DE 24 2915 2670 0020 5350 68 bei der Kreissparkasse Verden oder einer Patenschaft für die Igel.

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