Appell an Spaziergänger: Keine Feldhasen-Babys vorschnell mitnehmen

Wildtierpflegestelle schlägt Alarm

Mühsam müssen die Häschen lernen, wie sie Milch richtig aus der Flasche nuckeln können.
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Mühsam müssen die Häschen lernen, wie sie Milch richtig aus der Flasche nuckeln können.

Verden – Der Verein Wildtierpflegestelle Verden schlägt Alarm: Feldhasen-Babys, die alleine in Mulden auf Feldern oder Wiesen liegen, werden vorschnell und zumeist unnötig von vermeintlichen Tierrettern eingesammelt. Die Überlebenschancen werden nochmals verringert, wenn Laien ohne Fachkenntnisse die Aufzucht ausprobieren. „Das ist ein verbotener Versuch am Tier“, sagt Julia Linz.

Seit vielen Jahren betreibt die tiermedizinische Fachangestellte privat und ehrenamtlich die Wildtierpflegestelle und hat schon viele verwaiste, kranke und verunfallte Tiere aufgepäppelt, um sie später wieder in die Freiheit zu entlassen. „Feldhasen sind in der Aufzucht nicht einfach“, weiß sie aus Erfahrung.

Was sie meint, wird bei der Fütterung deutlich. Mit viel Geduld versucht sie den Häschen die Milch schmackhaft zu machen. Es erfordert Feingefühl, damit die Milch im Magen und nicht in der Lunge landet. Und viel Zeit und guten Willen, denn alle zwei Stunden wird anfangs gefüttert. „Es kann bis zu eineinhalb Wochen dauern, bis sie verstanden haben zu trinken“, berichtet sie. Außerdem muss spezielle Aufzuchtmilch verwendet werden, die für die ganz kleinen Häschen noch mal anders als auf der Packung empfohlen zubereitet werden muss.

Während sie vier ihrer Schützlinge versorgt, liegt ein fünftes Häschen stark geschwächt in einem Inkubator. Die Finder hätten es zunächst einen Tag selbst versucht, erzählt Julia Linz. Als sie mit der Fütterung fertig ist, ist das Häschen im Inkubator tot. „Und die anderen sind noch nicht über den Berg“, merkt sie besorgt an. Ein weiteres Tier ist später gestorben. Drei Neue sind dazugekommen. Es werden vermutlich nicht die letzten in diesem Frühjahr sein.

Das Ansinnen, ein so kleines Wildtier ohne Fachkenntnisse aufziehen zu können, nehme deutlich zu. „Scheinbar ist es Mode geworden“, ärgert sich die Verdenerin. Vielleicht auch Folge der in Corona-Zeiten gestiegenen Zahl an Spaziergängern.

Das Grundproblem sei die Unwissenheit der Menschen. „Sie denken, das Häschen sitzt da alleine und hat keine Mutter“, weiß sie aus den Schilderungen der Finder. Doch dem sei nicht so. „Hasen sind Nestflüchter. Sie haben keinen Bau wie Kaninchen, sondern liegen in Mulden. Einzeln, um sie vor Fressfeinden zu schützen.“ Anders als Kaninchen, die blind, taub und nackt geboren werden, seien beim Feldhasen Zähne, Fell und offene Augen von Geburt an vorhanden. „Die Feldhasen-Mama kommt zweimal täglich zum Säugen.“ Und dass die Häschen jetzt schon geboren werden, sei nicht außergewöhnlich.

Bevor ein Häschen der Natur und seiner Mutter entzogen wird, sollten sich die Finder Rat holen. Oft reicht Julia Linz eine Beschreibung am Telefon, um die Situation einschätzen zu können. Eine Gefahr bedeuten Hunde. Erst recht, wenn sie die sehr empfindlichen Häschen ins Maul genommen hatten, erklärt sie. Erreichbar ist die Wildtierpflegestelle unter Telefon 0152/54282312.

„Wer einen Feldhasen einfach mit nach Hause nimmt, macht sich strafbar, weil diese zum jagdbaren Wild gehören“, verdeutlicht sie. Ihr gehe es aber nicht um Vorwürfe. Sie will den Tieren einfach nur helfen.

Julia Linz beim Füttern eines Jungtiers mit einer Spritze.
Dieses Häschen hat schon begriffen, wie es die Milch aus der Flasche bekommt.

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