Mit dem Wikingerboot bis an die Nordsee

Integrationsprojekt für junge Geflüchtete auf der Aller

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Völlig durchnässt, aber zufrieden trafen die „Wikinger“ des Herforder Integrationsprojektes in Verden ein.

Verden - Bei Blitz und Donner und strömendem Regen legte ein „echtes“ Wikingerboot beim Wassersportverein (WSV) in Verden an. An Bord des originalgetreuen Nachbaus eines Drachenboots , der „Skua“, und drei Begleitbooten befanden sich 25 Teilnehmer aus zehn Nationen. Auf ihrer Reise von Vlotho bis Bremerhaven machten sie auf der Aller Station. Die abenteuerliche Unternehmung ist ein Integrationsprojekt der Nordstadtdrachen, des Seesportclubs Marine-Jugend Herford, des Boxsportvereins 1929 Herford sowie der Integrationsagentur des Diakonischen Werkes im dortigen Kirchenkreis.

Unter dem Motto „Wir sitzen alle im selben Boot“ wollen Minderjährige und junge Erwachsene sowie Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte die Herausforderungen der anstrengenden Reise gemeinsam bewältigen. „Wir wären auch lieber bei Sonnenschein angekommen“, sagt Martin Joseph, erster Vorsitzender des Vereins Nordstadtdrachen, nachdem die „Skua“ endlich sicher vertäut war.

Wegen des Gewittersturms am Mittwochabend konnten die Ruderer nicht aus eigener Kraft beim Wassersportverein in Verden einlaufen, sondern mussten von einem Begleitboot geschleppt werden. Die Teilnehmer waren komplett durchnässt, aber zufrieden, eine weitere Etappe bewältigt zu haben.

Martin Joseph erklärt, wie es überhaupt zu der Idee des Projekts kam. „Die Vision entstand in Herford im Kindergarten Bornbrede, einem Stadtteil, in dem 6 000 Menschen aus über 30 Nationen friedlich zusammenleben.“ Als Symbol für die außergewöhnliche Familien- und Integrationsarbeit der Kita hätten Kinder und Eltern den Drachen „Flocke“ entwickelt, und gestalteten um das Fabelwesen ein Märchen.

„Darin kommt ein Wikingerboot vor, und weil wir Ostwestfalen sind, wollen wir was Echtes haben und haben so ein Boot nachgebaut“, schmunzelt Joseph. Gemeinsam mit vielen Förderern habe man sich schließlich Gedanken gemacht, was man mit dem Boot anfangen könnte. So habe sich das Integrationsprojekt entwickelt.

„Wir haben dann festgestellt, dass beispielsweise im Boxsportverein tolle Integrationsarbeit geleistet wird. Hier werden Wertschätzung und Disziplin vermittelt. Gerade in diesem Verein werden viele Jugendliche mit Migrationshintergrund erreicht.“ Auch im Seesportclub gebe es Integration durch Sport, in der Diakonie sei das natürlich ebenfalls ein großes Thema.

„So hat sich ein Puzzleteil zum anderen gefügt und wir hatten schließlich den Mut, gemeinsam in ein Boot zu steigen.“ Aus vielen Bewerbern, die alle im Training ihr Durchhaltevermögen beweisen mussten, sei schließlich eine bunte Mannschaft aus zehn Nationen für das Abenteuer zusammengewürfelt worden. Die jüngste Teilnehmerin ist erst elf Jahre alt.

Das Zusammenspiel der Mannschaft klappe gut, versichert Joseph. „In unserem kleinen Bötchen herrscht Frieden. Ich habe festgestellt , dass gerade die minderjährigen Neuankömmlinge Haltung besitzen. Alle haben Blasen an den Händen, aber aufgegeben habe keiner. Sie sind weiter gerudert und haben gesungen. Das kenne ich sonst so nicht“.

Diana Kamo (15 Jahre) und Adrian Yumusak (12 Jahre) sind ebenfalls begeistert von der Reise. „Wir haben sehr viel Spaß und motivieren uns immer wieder selbst, so wird man gar nicht müde“, sagt Diana. Adrian zeigt die Blasen an den Händen: Das mache ihm nichts aus. Die Fahrt mache sehr viel Spaß, nur das Schleusen sei stressig gewesen, berichtet er.

Neugierig sind alle natürlich auch auf die menschlichen Begegnungen auf ihrer Reise. „Bislang waren die sehr positiv. Wir haben schon viele Glücksmomente erlebt“, so Joseph. Der Aufenthalt in Verden wird vom Verein Verden hilft mitgestaltet. Auf dem Programm stehen eine Stadtbesichtigung, ein Sportprogramm und Information über die Flüchtlingsarbeit in Verden. Am Sonnabend startet die „Skua“ dann Richtung Bremen. Die Ankunft in Bremerhaven haben die „Wikinger“ für den 26. Juli geplant. - ahk

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