Wie die Spinne in der Yucca-Palme

Modernes Märchen von Corona-Kranken im Einkaufszentrum

Blick in eine weihnachtlich geschmückte Einkaufsstraße mit vielen Besuchern.
+
Corona haben, shoppen gehen, erwischt werden und sich dann stellen: Das ist die Kurzform der Legende vom kranken Kunden im Einkaufszentrum.

Jahrzehnte ist es her, da machte die Geschichte von der angeblichen Spinne in der Yucca-Palme die Runde. Viele moderne Märchen folgten ihr, eines der neuesten rankt sich um Menschen mit Corona, die beim Einkaufen im Shoppingcenter erwischt wurden.

Landkreis – Da geht man einkaufen und hört dann diese Durchsage: „Wir wissen, dass sich unter unseren Kunden ein Corona-Patient befindet. Name und Adresse sind bekannt. Bitte melden Sie sich an der Informationen.“ Und dann steht da am Tresen nicht nur ein Mensch. Es sind gleich 7 oder 20, manchmal sogar 35 oder 40 Frauen und Männer, die sich alle ertappt fühlen, weil sie trotz Positiv-Testung shoppen gehen.

„Quatsch“, sagt Berit Härthe und lacht herzlich. Auch sie hat diese Geschichte schon gehört und weiß: Es handelt sich dabei um eine moderne Sage. Frei erfunden und munter weitergetragen. Genauso wie die Erzählung von der Spinne in der Yucca-Palme, die bereits vor Jahren die Runde machte und es sogar aufs Buchcover brachte.

Als Leiterin des Verwaltungsdienstes Corona beim Landkreis Verden schließt Berit Härthe nicht aus, dass es Menschen gibt, die trotz auferlegter Quarantäne nicht daheim bleiben. Deswegen mache die Behörden ja auch stichprobenartig Kontrollen, berichtet sie. Wer nicht zu Hause angetroffen wird, obwohl er dort sein muss, den erwartet ein Bußgeld. Beim ersten Mal sind es in der Regel 150 Euro. Das Infektionsschutzgesetz erlaube aber auch, wiederholte Verstöße mit bis zu 75 000 Euro zu ahnden.

Niemand würde sich zu erkennen geben

Aber: Die bösen Corona-Ignoranten, die dann ein schlechtes Gewissen bekommen und sich gleich in Massen brav zu erkennen geben – die gehören ins Reich der modernen Mythen. Und das, so findet Monika Mehrtens, Center-Managerin des Weserparks, sei mit gesundem Menschenverstand auch leicht zu erkennen. Denn wer immer gegen Quarantäne-Auflagen verstoße, würde sich nach entsprechender Durchsage sicher nicht noch freiwillig melden.

„Es handelt sich um nichts anderes als eine Fake-Geschichte“, betont auch Michaela Strube, Dodenhof-Pressesprecherin. „Geschäftsschädigend“, urteilt Monika Mehrtens, Center-Managerin des Weserparks. Die beiden Einkaufszentren tauchen immer wieder als angebliche Orte der Handlung auf.

Mal ist es dann die Nachbarin, mal die Patientin, die jemand aus der Arztpraxis kennt, die da erwischt worden sein soll. Mal ist es im Einkaufszentrum passiert, mal im Baumark oder beim Feinkosthändler. Aber immer wird es so erzählt, als sei jemand live dabei gewesen oder kenne einen Augen- und Ohrenzeugen zumindest ganz genau. Wer aber direkt bei den Betreffenden nachfragt, der wird quasi weitergereicht – zum Nachbarn, zur Kollegin, zum Cousin und so weiter.

Angebliche Quellen sind nicht auszumachen

„Wir haben uns die Mühe gemacht, die Wege der ,Quellen’ nachzuvollziehen – es hat sich alles als haltlos erwiesen“, berichtet Michaela Strube. In Posthausen sei die Geschichte vor drei, vier Wochen das erste Mal aufgetaucht – und halte sich seitdem hartnäckig.

Um die Behauptungen zu entkräften, stellen sowohl Monika Mehrtens als auch Michaele Strube klar: Niemand würde solche Durchsagen in seinem Geschäft machen. Zudem habe kein Einzelhändler die Befugnis, die Dokumente seiner Kunden zu kontrollieren. Das wäre Sache der Polizei. Und genau die würden Dodenhof und Weserpark einschalten, sollte dem Unternehmen tatsächlich ein solcher Verstoß gemeldet werden. Diesen Rat gibt übrigens auch Berit Härthe.

Bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz nimmt man die Verbreitung dieser Geschichte durchaus ernst. Nicht, weil man sie glaubt. „Ich konnte das nicht verifizieren“, stellt Imke Burhop klar, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass sich derartiges tatsächlich zugetragen hat. Was die Polizeisprecherin besorgt, ist vielmehr, dass damit suggeriert werde, es würden viele Menschen gegen die Corona-Verordnungen verstoßen.

Von Katrin Preuß

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Verdacht auf Wilderei im Stadtwald

Verdacht auf Wilderei im Stadtwald

Verdacht auf Wilderei im Stadtwald
Verdächtiger gibt tödliche Schüsse in Fischerhude zu

Verdächtiger gibt tödliche Schüsse in Fischerhude zu

Verdächtiger gibt tödliche Schüsse in Fischerhude zu
Pferden droht Zwangsversteigerung

Pferden droht Zwangsversteigerung

Pferden droht Zwangsversteigerung
Heinen setzt auf die Zukunft der Innenstädte

Heinen setzt auf die Zukunft der Innenstädte

Heinen setzt auf die Zukunft der Innenstädte

Kommentare