Die wichtigen Dinge im Leben

Wolf Küper liest aus seinem Buch „Eine Million Minuten“

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Nach der Lesung signierte Wolf Küper Bücher.

Verden - Alles hinter sich lassen, den Job kündigen, die Zelte in Deutschland abbrechen und einfach frei sein – Gedanken, die wohl jedem in der Tretmühle des Alltags schon gekommen sind. Wolf Küper hat es wahr gemacht.

Er erfüllte seiner behinderten Tochter Nina ihren größten Wunsch und schenkte ihr Zeit. Der Karrieremann machte sich von allen Verpflichtungen frei und reiste mit seiner Familie um die Welt. Die Erlebnisse schildert er in seinem bewegenden Buch „Eine Million Minuten“. Auf Einladung der Buchhandlung Vielseitig las Küper im Alten Schulhaus in Dauelsen.

Hervorragend bezahlter Job - aber keine Zeit für die Tochter

Wolf Küper ist ein Karrieretyp. Er promovierte im Bereich der internationalen Umweltpolitik, arbeitete anschließend mehrere Jahre als Tropenforscher in den Regenwäldern Südamerikas und bekam schließlich einen hervorragend bezahlten Job als Gutachter für die Vereinten Nationen. Nur eines hatte er nie, Zeit.

Sein Leben ändert sich schlagartig, als seine Tochter Nina geboren wird, ein schwerbehindertes Kind. „Ich habe gedacht, alle Träume sind im Eimer. Damals wusste ich noch nicht, dass es der Anfang von etwas ganz Grandiosem war“, erzählt Küper.

Doch vor der großen Wende im Leben der Küpers steht ein Assoziationstest, den die vierjährige Nina zu bewältigen hat. Auf die Frage des Psychologen, was nass sei und vom Himmel falle, antwortet Nina nach langem Überlegen nicht – wie erhofft – „Regen“, sondern „Ein nasser Hund, zottelig und schwarz.“

Er hatte zehn Minuten, sie wollte aber eine Million

Mit dieser kindlichen Fantasie ist der Psychologe überfordert. Dementsprechend niederschmetternd ist dann auch das Testergebnis. „Für einen nassen Hund gibt es null Punkte“, weiß Küper. Als er dann seiner Tochter eine Geschichte vorlesen will und zu ihr sagt, er habe nur zehn Minuten Zeit dafür, wünscht sich Nina „Eine Million Minuten Zeit, nur für die ganz schönen Sachen“ von ihrem Vater. „Das war der Moment, in dem es mich erwischte und ein Riss durch mein Selbstverständnis ging. Ich hatte statt Zeit To-do-Listen, aber keine To-do-Liste für die Zeit mit Nina“, sagt Küper. Seine Tochter habe ihn darauf gebracht, dass die Zeit einem selbst gehört.

Eine Million Minuten, das sind 694 Tage. Wolf und Vera Küper machen wirklich ernst, verkaufen ihr Haus, nehmen einen Kredit auf und begeben sich mit Nina und Baby Simon auf die Reise. „Mein Buch ist kein normales Reisebuch. Es geht um stille Ereignisse, um das, was passiert, wenn man sich Zeit nimmt für die Dinge, die wichtig sind“, erklärt Küper.

„Zuhause ist, wo meine Familie ist“

Untermalt von beeindruckenden Bildern berichtet der Familienvater von Expeditionen in den australischen Regenwald, wunderschönen Korallenriffen und einem „magischen Whirlpool“ mitten im Regenwald. Auf einem Festival in Australien schließt Nina Freundschaft mit dem Alt-Hippie Rocky. „Ein schönes Kleid hast du an“, sagt sie und berührt sein bodenlanges weißes Gewand.

Gegen Ende der Reise, in der „990234. Minute“, ist die kleine Familie in Neuseeland, schwelgt in schönen Landschaften und erlebt dort den kältesten Winter seit 35 Jahren. Als das Wohnmobil in einer einsamen Gegend in einer Schneewehe stecken bleibt, umgibt die Küpers eine unvorstellbare Stille. „Ich habe den Lärm weiter hinter mir gelassen, als ich je gedacht habe. Weit von der Selbstverständlichkeit von Zuhause entfernt konnte ich besser sehen, hören, schmecken und denken“, schildert Küper. „Es ist so schön zuhause“, sagt Nina in dieser besonderen Nacht. „Zuhause ist, wo meine Familie ist“, weiß Wolf Küper heute.

Bereut haben er und seine Frau ihre mutige Entscheidung, die nicht nur Nina glücklich gemacht hat, nie. Wenn man darauf warte, dass man den „richtigen“ Tag erwische, sei es praktisch unmöglich, seine Träume zu verwirklichen, dazu brauche man 3 333 Leben, sagt Küper.

Auch wenn die „Eine Million Minuten“ längst aufgebraucht sind, in das alte Leben zurückzukehren, kann sich von den Küpers keiner mehr vorstellen.

ahk

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