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Lastkahn stellt sich quer: Havarie auf der Weser

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Von: Markus Wienken

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Sand und aufgewühltes Wasser: Nachdem die Weser aufgestaut wurde, konnte sich die „Pollux“ in den Mittagsstunden aus eigener Kraft befreien.
Sand und aufgewühltes Wasser: Nachdem die Weser aufgestaut wurde, konnte sich die „Pollux“ in den Mittagsstunden aus eigener Kraft befreien. © WSA Verden

Das war knapp: Ein Lastkahn fuhr auf eine Sandbank, stellt sich quer und blockierte stundenlang die Weser bei Verden-Hutbergen. Was tun, um wieder ordentlich Wasser unter den Bauch des Schiffes zu bekommen? Auf jeden Fall war das Schiff am Mittag wieder frei...

Verden – Ein bisschen schütteln, es knirschte im sandigen Untergrund der Weser, noch schien sich die „Pollux“ ein wenig zu sträuben. Der Schiffsführer spielte ein wenig mit dem Gashebel, ein Geduldsspiel, doch dann gab das mehrere Tausend Tonnen schwere Europaschiff, beladen mit Sand, langsam nach und die Fahrrinne frei. „Alles gut gegangen“, atmete Reinhold Tegtmeier, Außenbezirksleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Verden, am Ufer durch. Glimpfliches Ende einer Havarie.

Havarie auf der Weser: Nichts ging mehr am Ruder des Schiffs.

Noch gegen 9 Uhr herrschte am Sonntagmorgen Ruhe auf der Weser zwischen Dörverden und Verden. Der Schiffsführer der „Pollux“ brachte seinen Lastkahn problemlos durch die Schleuse in Dörverden. Tägliche Routine. Weiter ging’s, die Weser abwärts in Richtung Verden, strahlend blauer Himmel, beste Sicht. Dann, kurz vor der Brücke, wo der Fluss bei Hutbergen einen Bogen macht, passierte während der Talfahrt das, was für einen Kapitän der „Worst Case“ ist. „Im Uferbereich lief das Schiff auf Grund, die Strömung drückte das Heck noch weiter in den Sand, die Schraube fuhr sich fest“, erklärt Tegtmeier. „Ursache waren vermutlich Ablagerungen, die nach dem Hochwasser dort zurückgeblieben sind“, erklärt Tegtmeier. Nichts ging auf jeden Fall mehr am Ruder des Schiffs. Die „Pollux“ war manövrierunfähig, drehte sich im Wasser der Weser und stellte sich quer zur Fahrrinne.

Havarie in Verden: Den Motor zu starten birgt die Gefahr, dass sich die Schraube immer weiter in den Sand frisst

Der Schiffsführer handelte unverzüglich, telefonierte mit der für solche Fälle zuständigen Betriebsstelle in Minden, die daraufhin Alarm auslöste. Die Wasserstraße war blockiert, weitere Schiffe konnten nicht durch, soviel stand fest. Verdener Feuerwehr, Polizei und die Untere Wasserbehörde rückten an. Außerdem das Wasserschifffahrtsamt (WSV). „Zwar war relativ schnell klar, dass Betriebsstoffe nicht frei gesetzt wurden, die Feuerwehr also nicht einzugreifen brauchte“, erklärt Tegtmeier. Klar war aber auch, dass die „Pollux“ sich nicht allein aus der misslichen Situation würde befreien können. „Den Motor zu starten birgt die Gefahr, dass sich die Schraube immer weiter in den Sand frisst, endgültig fest fährt und im schlimmsten Falle die Ruder abreißen“, so Tegtmeier.

Geduldsspiel nach Havarie auf der Weser in Verden

Ein Geduldsspiel sollte folgen. Die Weser derzeit bei Mittelhochwasser, brauchte die „Pollux“ “ im Uferbereich deutlich mehr Wasser unter dem Kiel. Also der Anruf beim Weserwehr in Langwedel und die Anweisung: „Den Fluss aufstauen. 30 Zentimeter mehr an Tiefe werden im Weserbogen in Hutbergen gebraucht.“ Zeitgleich setzte sich aus Richtung Nienburg ein PS-starkes Boot namens „Büffel“ auf der Weser in Richtung Hutbergen in Marsch. „Der Schuber könnte achtern an das Europaschiff andocken und es vorsichtig von der Sandbank schieben“, so Tegtmeier.

Vertreter von Wasserschifffahrtsamt, Polizei und Unterer Wassserbehörde am Weserbogen in Hutbergen.
Erleichterung am Ufer: Vertreter von Wasserschifffahrtsamt, Polizei und Unterer Wassserbehörde koordinierten den Einsatz am Weserbogen in Hutbergen. © Markus Wienken

Stunden nach der Havarie: Die „Pollux“ ist wieder frei

Derweil stieg der Pegel der Weser in Hutbergen langsam an und die Spannung am Ufer und auch an Bord nahm zu. Sollte der Plan aufgehen? „Schon ab zehn Zentimeter mehr Wassertiefe merkten wir, dass der Lastkahn offensichtlich leicht in Bewegung kam“, so Tegtmeier. Aber ließ er sich auch steuern? Dann der Versuch und die Hoffnung, dass der Motor läuft und nicht abstirbt. Sand, Kies und knirschen, dazu röhrende Motoren und ein Schiffsführer, der vorsichtig mal mehr, mal weniger Gas gab – und die „Pollux“ war frei.

Während sich am Ufer, am Sonntagmittag, gegen 12 Uhr, Erleichterung breit machte, klingelte das Handy. „Der Kapitän meldet, alles in Ordnung. Ruder und Schiffsschraube scheinen einwandfrei zu laufen“, sagt Tegtmeier. Wenn nicht, Hilfe war da. Das Schubboot „Büffel“ fuhr als Begleitung dem Kahn hinterher.

Von Verden über Langwedel in den Hafen nach Hemelingen in Bremen

Nächste Station der „Pollux“ war Langwedel. „Taucher werden Montag prüfen, ob Außenwand und Schraube unbeschädigt geblieben sind, erst dann kann das Europaschiff seine Fahrt nach Bremen in den Hemelinger Hafen fortsetzen“, so Tegtmeier.

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