Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas erschienen

Ein wertvolles Zeugnis

Buchvorstellung an historischer Stätte in der St. Andreaskirche (v. l.): Dr. Hans-Eckhard Dannenberg, Prof. Dr. Thomas Vogtherr, Dr. Walter Jarecki, Matthias Langemeier (Kirchenvorstand St. Andreas), Jutta Sodys, Dr. Bernd Kappelhoff. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Mit dem jetzt erschienen „Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas zu Verden“, bearbeitet von Dr. Walter Jarecki, wird die Reihe der niedersächsisch-bremischen Urkundenbücher um ein weiteres bedeutendes Werk ergänzt. Das Buch enthält Texte von 343 Urkunden und Quellen aus der Geschichte des St. Andreasstiftes zu Verden von seiner Gründung 1220 durch den Verdener Bischof Iso von Wölpe bis zum Tod von Bischof Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1158 – also über einen Zeitraum von mehr als 330 Jahren.

Am Freitagabend stellte Dr. Jarecki das Buch an historischer Stätte in der St. Andeaskirche vor. Die überregionale Bedeutung des Bandes wurde auch durch die Anwesenheit von Dr. Hans-Eckhard Dannenberg und Dr. Bernd Kappelhoff vom Landschaftsverband Stade sowie Prof. Dr. Thomas Vogtherr von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen unterstrichen.

„Dieser Band ist ein wertvolles Zeugnis für vier Jahrhunderte Verdener Geschichte“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Jutta Sodys in ihrem Grußwort. Bischoff Iso von Wölpe habe deutliche Spuren im Verdener Stadtbild hinterlassen. So seien Teile der von ihm erbauten ersten Verdener Stadtmauer bis heute erhalten. Ferner sei in der Andreaskirche die prachtvoll gestaltete Grabplatte aus Messing zu bewundern. So zeige das Bild den Bischof mit der Kirche in der einen und der befestigten Stadt in der anderen Hand.

Dr. Jarecki gab einen kurzen Einblick in die geschichtlichen Ereignisse, die im Urkundenbuch dokumentiert sind. Die erste Handlung Bischof Iso nach der Gründung des Siftes war die Erweiterung der St. Andreaskirche, die Pfarrkirche erhielt einen neuen Chor mit mehr Platz für das hölzerne Chorgestühl. „Der Chorraum ist älter als das heutige Kirchenschiff, früher gab es eine deutliche Trennung zwischen Chor und Kirchenschiff“, erklärte Jarecki. Den Chorraum habe Iso bewusst als Grabkapelle für sich angelegt. Die im Buch enthaltenen Dokumente lassen auch weitere Rückschlüsse auf die Ausstattung der Kirche zu. So belegt eine Urkunde aus dem Jahr 1285 den Kauf eines Radleuchters. Ebenfalls erschließt sich, dass es neben dem Hochaltar mehrere weitere Altäre gegeben hat. Der Fußboden der Grabkapelle bestand aus Grabplatten in unterschiedlichen Schmuckformen.

Das Verdener St. Andreasstift war zwar keine reiche Stiftung, sei aber dennoch von großer Bedeutung für die kirchliche und weltliche Herrschaft der Verdener Bischöfe gewesen, erläuterte Jarecki. Sie besetzten die zwölf Kanonikerstellen dieses Stiftes mit Angehörigen des ländlichen Adels, aber auch mit Verdener Stadtbürgern und konnten so sehr viel leichter Personal- und Territorialpolitik gemäß ihren Interessen betreiben. Dem St. Andreasstift unterstanden die vier Pfarrkirchen im Alten Land (Borstel, Estebrügge, Jork, Mittelnkirchen), im 16. Jahrhundert auch die Pfarre in Sittensen. Der Stiftspropst war zugleich Archidiakon in Hollenstedt, auch bezog das Stift Einkünfte aus der Lüneburger Saline. Seine Wirkung reichte daher weit über Verden hinaus. „Auch in der Reformationsepoche des 16. Jahrhunderts war das St. Andreasstift eine Stütze für den Bischof“, so Jarecki. Zunächst in Abwehr der lutherischen Lehre unter Bischof Christof, später aber in der Einführung und im Vollzug der Reformation durch Bischof Eberhard von Holle ab 1567. Aufgehoben wurde das St. Andreasstift durch die schwedische Landesherrschaft 1651. - ahk

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