Kommunalkino Verden zeigt Eike Besudens Inklusionskomödie „All inclusive“

„Wenn man lachen kann, ist es viel leichter, sich für etwas zu begeistern“

Koki-Vorsitzender Jürgen Menzel mit Melanie Socher, Kevin Alamsyah, Hannelore Sporleder und Produktionsmanagerin Petra Janzen. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - „Ein freundlicher Film zu Nachdenken und ein bisschen verrückt“, heißt es im Flyer zur Komödie „All inclusive“ des Bremer Regisseurs Eike Besuden. Am Mittwoch wurde dieser Film, bei dem behinderte und nicht behinderte Schauspieler gemeinsam vor und hinter der Kamera zusammenarbeiten, im Kommunalkino gezeigt. Bei der Aufführung waren die Schauspieler Kevin Alamsyah, Melanie Socher und Hannelore Sporleder anwesend und sprachen mit dem Publikum über ihre Arbeit.

Im Mittelpunkt der Komödie steht Ricky, Mitte 30. Er ist behindert, führt aber ein recht selbstständiges Leben. Als seine Mutter Rosa unerwartet stirbt, ist er plötzlich Erbe des Hotels Weserlust. Wie geht es jetzt weiter? Kann Ricky das Hotel führen und will er das überhaupt? Oder ist es nicht besser, einfach zu verkaufen?

Viele Personen wollen Ricky bei seiner Entscheidung beeinflussen, sind dabei aber leider auch auf ihre eigenen Vorteile bedacht. Ricky ist verunsichert und macht zunächst viel falsch. Doch dann führen besondere Ideen zu ganz neuen Wegen und Ricky beschließt, sich der Herausforderung zu stellen.

Hauptdarsteller Kevin Alamsyah ist Schauspieler im Nebenberuf und hat bereits in vielen Produktionen des Blaumeier-Ateliers, einem Bremer Projekt zur künstlerischen Arbeit mit behinderten Menschen, mitgespielt. Die Verkörperung des Hotelerben Ricky Rogalsky ist seine erste Hauptrolle. „Die Geschichte hat mich berührt. Als der Anruf von Eike kam, habe ich sofort ja gesagt“, erzählt er. Auf die Frage, wie ihm die Dreharbeiten zu „All inclusive“ gefallen haben, antwortet er: „100 Punkte.“ Das Klima zwischen den Darstellern sei sehr gut gewesen.

Auch für Melanie Socher, die im Film die Köchin Pippa spielt, war „All inclusive“ der erste große Film. Eike Besuden kennt sie schon von „Verrückt nach Paris“, hier hatte Melanie Socher eine Statistenrolle. „Ich fand das Projekt sehr interessant und habe sofort zugesagt.“ Von der Atmosphäre am Set ist auch sie begeistert. „Das war von Anfang an locker. Wir sind mit einem Aufwärmfilm angefangen, damit wir sehen, wie es läuft, uns kennenlernen und merken, wie viel Zeit wir brauchen.“

Mittlerweile haben über 2 000 Menschen den Inklusionsfilm gesehen und sind begeistert. Auch beim Verdener Publikum kam „All inclusive“ bestens an. „Es ist schwierig, die Leute in so einen Film zu locken, aber nicht schwierig, sie dann zu begeistern“, sagt Eike Besuden im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er hält Filme wie „All inclusive“ für ein gutes Mittel, um das Thema Inklusion der Gesellschaft näher zu bringen. „Die Menschen, die mit diesem Thema nicht vertraut sind, bekommen auf jeden Fall einen anderen Bezug.“ Gerade das Genre Komödie hält er für besonders geeignet. „Wenn man lachen kann, ist es viel leichter, sich für etwas zu begeistern.“

Natürlich sei die Arbeit mit behinderten Menschen eine andere. „Wir brauchen für alles mehr Zeit und für einige auch mehr Betreuung“, erklärt der Filmemacher. Auch die Arbeit am Drehbuch sei anders. „Ich muss wissen, was die Schauspieler können und was nicht. So lege ich auch die Rollen an. Erst habe ich eine Idee, dann sehe ich mir die Leute an und schreibe ihnen dann die Figur auf den Leib“, erzählt Besuden.

Eigentlich sei der Kinofilm nur der Pilotfilm zu einer geplanten Serie. Die Fernsehsender hätten aber große Vorbehalte gegenüber Schauspielern mit Behinderungen. „Ein filmisches Argument ist bei den Verhandlungen erfolgversprechender als ein Konzept auf einem Blatt Papier.“ Besuden hofft, dass sich ein Sender findet, der den Mut hat, sich auf eine inklusive Serie einzulassen. Kevins Wirken im Hotel biete jedenfalls genügend Stoff für viele Folgen.  J ahk

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