Frauenberatung veranstaltet eine Fachfortbildung zum Thema Esstörungen

Wenn Essen oder Nichtessen zu einem Problem wird

Claudia Kapahnke-Blaase berichtete über die verschiedenen Arten von Essstörungen. - Foto: Sagova

Verden - Das Thema Essstörung wird oftmals unterdrückt. Viele Betroffene trauen sich nicht, Hilfe zu holen, oder wissen nicht, wo sie Hilfe finden. Das gilt für Magersucht ebenso wie für Übergewicht. „Wenn (Nicht)-Essen zum Problem wird – Essstörungen bei Mädchen und jungen Frauen“ war das Thema, das Claudia Kapahnke-Blaase vom Verein Esslust sich für eine Fachfortbildung vorgenommen hatte. Elf Frauen, die auf verschiedenste Weise mit der Problematik tun haben, nahmen in der Frauenberatung Verden teil.

Jedes Jahr am Gesundheitstag veranstaltet die Frauenberatungsstelle in den Berufsbildenden Schulen Verden den Workshop „Wer bestimmt hier eigentlich, was schön ist?“. Das Beraterinnenteam weiß, dass viele Betroffene nicht erkennen, dass sie eine Essstörung haben oder sich schämen, jemanden zu kontaktieren. Daher sei es wichtig, dass Lehrer, Familienangehörige und Freunde einschreiten und den Betroffenen helfen, weiß das Team. Nicht zuletzt diese Erfahrungen, gaben auch den Ausschlag, sich für die Veranstaltung mit Claudia Kapahnke-Blaase zu entscheiden.

Und das Konzept Fachfortbildung ging auf. Neben Beratungslehrerinnen, waren auch eine Angestellte des Landkreises, aus dem psychosozialen Bereich, eine Ökotrophologin, die als professionelle Beraterin für Übergewichtige tätig ist, eine Betroffenenangehörige und mehrere Frauen mit einer Essstörung, gekommen.

In gemütlicher Atmosphäre mit Getränken und Snacks berichtete die Referentin von den verschiedenen Arten von Essstörungen, ihren Konsequenzen und den diversen helfenden Einrichtungen. Es sei der Trend zur Fitness, die Orientierung an Idolen aus dem Internet oder Fernsehen und der immer beliebter werdende vegane Lifestyle, der zu Essstörungen führen könne, berichtete Claudia Kapahnke-Blaase. Produkte, die als vegan angepriesen werden, könnten auch schädlich sein. Außerdem sei es nicht gesund, dem Körper Nährstoffe wie Eisen und Eiweiß zu entziehen.

Aktuell sei auch Biggerexie ein großes Problem, berichtete Kapahnke-Blaase. Hier seien meist junge Männer ab 14 Jahren betroffen, die für einen schnellen Muskelaufbau vieles in Kauf nehmen. „Man nennt es auch den Adoniskomplex.“ Die Fachfortbildung beschäftigte sich zwar mit Frauen, jedoch auch Männer und Heranwachsende litten unter Essstörungen, erklärte die Referentin.

Die Teilnehmerinnen nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig zu helfen. Denn Erfahrungen hatten alle bereits mit Essstörungen gemacht. Claudia Kapahnke-Blaase: „Betroffene von einer Essstörung gibt es in jedem Alter. Es sind ganz oft auch Erwachsene und nicht nur Jugendliche, die an Krankheiten wie Orthorexie, Anorexie, Bulemie und Esssucht, leiden.“

Die Referentin, die selbst in ihrer Jugend unter Essstörungen gelitten hat, ist Mitgründerin des Vereins Esslust in Walsrode. Der Verein hilft Menschen mit verschiedenen Esstörungen und begleitet sie auf ihrem jahrelangen Weg der Regenerierung. - as

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