Probleme eines Handwerksbetriebs

Wenn es mit der Bank nicht klappt

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Susanne Jürgensen berichtet von ihren Problemen mit der Bank.

Das Vertrauen in ihre Hausbank, die Sparkasse, hat Susanne Jürgensen komplett verloren. Viel fehlt nicht mehr, und die Handwerkersfrau aus Morsum verliert Haus und Hof. Dass es soweit kommen konnte, hat viel damit zu tun, wie in der Filiale vor Ort mit ihr umgegangen wurde, sagt sie.

Verden/Morsum – Die Hilfe bei der Regelung ihrer Finanzen sei ihr verweigert worden. „Was hätte ich tun sollen?“, fragt sie sich. Als Antwort verweist die Sprecherin der KSK, Dr. Beate Patolla, auf das Beschwerdemanagement der Bank. Das hätte sie anrufen können.

Handwerk hat goldenen Boden, sagt das Sprichwort. Aber auch der kann mal ins Wanken geraten. Susanne Jürgensen hat das mit dem Elektriker-Betrieb erlebt, den sie in Morsum mit ihrem Mann betreibt. Eine große Erschütterung war es eigentlich am Anfang nicht, das Konto war im Minus. Aber dann kam die Zinsfalle und bei Überziehungszinsen von damals 17,5 Prozent auf dem Firmenkonto schrumpfte der Spielraum des Elektrikerbetriebes langsam vor sich hin.

Der goldene Boden des Handwerks besteht zuweilen aus nicht viel mehr als dem Geschick des Handwerkers. Das Kapital für die Firmengründung und später für Investitionen kommt meist aus der Kreditwirtschaft, von der Hausbank. Häufig erfordern dann auch größere Aufträge, für die Materialien eingekauft werden müssen, eine Zwischenfinanzierung. Das Minus auf dem Firmenkonto, bis der Kunde dann bezahlt hat, ist ein gewohntes Bild.

Einen Kredit zur Zwischenfinanzierung bekam sie nicht bewilligt. „Zu verstehen war das nicht. Dem Betrieb geht es eigentlich gut“, sagt Susanne Jürgensen. Aber die Anfrage sei mit Grobheiten abgelehnt worden. „Ein Tobsuchtsanfall“, erinnert sich Jürgensen. Dabei schreibt das Gesetz vor, dass die Bank eine Beratung anbieten und dokumentieren muss. (Paragraf 504a Beratungspflicht bei Inanspruchnahme der Überziehungsmöglichkeit im BGB.)

Als sich dann auf Dauer nichts änderte und der Schuldenberg langsam aber sicher anwuchs, musste sie zuerst eine Lebensversicherung auflösen und später das Haus als Sicherheit belasten. Eine ordentliche Finanzierung bekam sie in ihrer Filiale nicht.

„Seltsames, übles Geschäftsgebaren“ ist das für die Geschäftsfrau. „Der leitende Angestellte hat uns ins offene Messer laufen lassen.“ Sie fühlte sich machtlos der Bank ausgeliefert. Und jetzt droht dem Paar die Zwangsversteigerung.

Schlechte Beratung und mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit sind nicht nur die einzigen Vorwürfe gegen die Hausbank der Jürgensens. Mit dem anwachsenden Zorn und der Frustration über ihre Machtlosigkeit hat sich die Morsumerin an Regierungsstellen, Bankenaufsicht und andere Stellen gewandt. Auch den Aufsichtsrat der KSK hat sie angerufen, und ein Kreditsachverständiger soll nachsehen, ob die hohen Zinssätze überhaupt rechtens waren und richtig abgerechnet wurden. Sie erinnerte sich an den Fall des Landwirts Johann Grothenn aus Dibbersen, dem Zehntausende von Euros zuviel Zinsen eingezogen worden waren. Das hatte das Oberlandesgericht Celle bestätigt. Auch er berichtet übrigens von einem eher unangemessenen Verhalten des Bankvertreters.

„Eigentlich müsste ein Gesetz die Kunden schützen“, findet Susanne Jürgensen. Und ein Stück weit hat der Gesetzgeber das tatsächlich getan. „Alle Kreditinstitute sind verpflichtet, einen Beschwerdeweg zu beschreiben“, teilte Beate Patolla mit. Auch die Kreissparkasse Verden habe ihr Beschwerdemanagement beschrieben und im Internet veröffentlicht. Die Grundsätze und das Verfahren sei auf der Internetseite der Kreissparkasse zu finden, einfach „Beschwerde“ ins Suchfeld eingeben. „Damit ist für Kunden von Kreditinstituten transparent, was im Fall einer Beschwerde passiert“, sagt Patolla.

„Alle (potenziellen) Kundinnen und Kunden – zum Beispiel Einzelpersonen, Organisationen oder Unternehmen – die von einer Dienstleistung beziehungsweise Geschäftsaktivität der Kreissparkasse Verden berührt werden, können Beschwerde einlegen. Für die Bearbeitung von Beschwerden verantwortlich ist die Beschwerdestelle der Kreissparkasse Verden. Beschwerden können Sie sowohl elektronisch als auch schriftlich oder mündlich an die Kreissparkasse Verden richten“, heißt es in den Grundsätzen. Und das nutzen laut Beate Patolla die Kunden auch.

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