„Maiklänge“-Festival

Weltklasseabend am Domgymnasium

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Internationale Klasse auf der Bühne des Domgymnasiums: Die ersten „Maiklänge“ begeisterten ihr Pubklikum.

Verden - Von Ilse Walther. Zu einem überwältigenden Erfolg wurde das erstmalig in Verden veranstaltete Kammermusik-Wochenende „Maiklänge“ am Sonntagabend in der wieder voll besetzten Aula des Domgymnasiums. Unter dem Motto „Moment Musical“ waren Werke von Ludwig van Beethoven, Bernhard Romberg, Jean-Baptiste Barrière und Robert Schumann zu hören. Wieder musizierten die bereits am Vortag aufgetretenen Musiker in verschiedenen Besetzungen. Es wurde ein Weltklasseabend.

Ein dichtes und schwermütiges Werk boten der Geiger Daishin Kashimoto, Bratschist Jan Grüning und Claudio Bohórquez, Violoncello, zu Beginn. Beethovens Streichtrio c-moll op. 9 Nr. 3 fesselte dennoch von Beginn an. Schon die unheimliche Stimmung am intensiven Anfang bewegte, der Satz fächerte sich dann lebhaft auf, trieb fugiert voran mit makellose Läufe der Violine, abrupten Trugschlüssen, blühenden Violapassagen und immer wieder dieses intensive Cello. Das Trio steigerte den in sich unruhigen Satz voller Spannung, mit ziselierenden Passagen und wandernden Motiven.

Den zweiten Satz boten sie verinnerlicht und dicht, behutsam wehmütig akzentuiert und reflektierend im Pianissimo endend. Das Allegro molto vivace war ein vorantreibender Satz mit federnd leichten tänzerischen Passagen. Das Finale wies wieder die innere Unruhe auf. Nach edlen Passagen in der Viola, makellosen Läufen der Violine und gemeinsamen Motiven der Stimmen folgte ein Ende voller Spannung. Meisterlich.

Bernhard Romberg, 1841 gestorben, schrieb mit dem Concertino op. 38 für Viola, Violoncello und Kontrabass ein bezauberndes Werk in nicht alltäglicher Besetzung. Das Cello als Soloinstrument, von Bohórquez hinreißend und liebevoll musiziert. Er genoss seine gesanglichen Passagen mit Leichtigkeit.

Erstaunliche Klangvielfalt

Jan Grüning gestaltete ebenso liebevoll den Violapart, der sich oft um das Cello rankte, ebenso wie Nabil Shehata die Kontrabass-Stimme, fein empfunden. Erstaunlich, mit welcher Klangvielfalt er sein Instrument beherrscht, würdig gemessen, transparent und mit tänzerischer Leichtigkeit. Alle drei genossen hörbar die wunderbare Musik, in die sie sich versenkten.

Auch Jean-Baptiste Barrières Sonate Nr. 10 für Violoncello und Kontrabass ist ungewöhnlich besetzt. In die barocke Musik versenkte sich der Cellist Jim Park mit großem Einfühlungsvermögen, edlem Ton und feinem Ausdruck. Auf gleichem Atem mit ihm war Nabil Shehata. Sein Part rankte sich mühelos um das Cello. Wie er unterstützte oder kommentierte war wunderbar.

Zum Schluss hatten sich die Geiger Daishin Kashimoto und Alexandra Conunova, Bratschist Jan Grüning, Cellist Claudio Bohórquez, Nabil Shehata und der Pianist Eric Le Sage zu Robert Schumanns leidenschaftlichen Klavierquintett Es-Dur op. 44 zusammengetan, eine ideale Besetzung für dieses mitreißende Werk, ein ständig wachsender Rausch in Musik.

Wie die sieben Interpreten sich in wenigen Proben zu einer beachtlichen Einheit gefunden hatten, war bemerkenswert. Sie agierten klangschön, technisch makellos und in perfekter Dynamik. Sie sprangen förmlich in den ersten Satz und bannten ihre Zuhörer. Der zweite Satz war dann ein melancholischer Trauermarsch, schmerzlich schöne Musik, die sich dann pulsierend und zupackend weiter entwickelte.

Das Scherzo lief rasant, temperamentvoll, fast atemlos in rasanten gemeinsamen Läufen, lieblich war das Trio, ein Bauerntanz. Mit dem farbigen, oft übermütig gesteigerten Schlusssatz, in Stimmungswechseln prachtvoll vorangetrieben, endete er, und dann brach ein frenetischer Applaus los, minutenlang wurde da rhythmisch geklatscht und die Interpreten der Maiklänge gefeiert. Hat Verden schon einmal solch ein Musikwochenende erlebt?

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