Initiator Heinrich Kersten stellt Ergänzungsprojekt vor 

Weltbekannte Imkermischung

Imker Heinrich Kersten setzt sich für das Wohl der Bienen ein. - Foto: Haubrock-Kriedel

Landkreis - Die „Imkermischung Landkreis Verden“, die Landwirte an den Feldrändern aussäen, damit Bienen bis in den Herbst hinein über ein ausreichendes Angebot an Nektar und Pollen verfügen (wir berichteten), hat mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung gefunden.

So wurde Initiator Heinrich Kersten im September auf Empfehlung von Dr. Jürgen Wilhelm, Referatsleiters des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, zu einer Fachtagung des Bundesamtes für Naturschutz zum Thema „Naturschutzfachliche Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen“ auf die Insel Vilm eingeladen. Hochkarätige Referenten, zum Beispiel von den Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ausgewiesene Experten diverser Institute, zum Beispiel Ifab (Institut für Agrarökonomie und Biodiversität), ifls (Institut für Ländliche Strukturforschung), des Thünen-Institutes und DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege) nahmen teil.

Dr. Jürgen Wilhelm belegte in seinem Referat „Umsetzung von ÖVF (Ökologische Vorrangflächen) aus Verwaltungssicht – Erfahrungen aus Niedersachsen“ die positiven Aspekte und Erfolge der „Imkermischung Landkreis Verden“. Der Zielansatz, ein möglichst durchgängiges Trachtfließband zu erzielen, wurde in der Veranstaltung gewürdigt und mit diversen Bildern belegt.

Während einer anschließenden Diskussionsrunde hatte Kersten dann die Gelegenheit, sein Nachfolgeprojekt, eine Ergänzung zur „Imkermischung Landkreis Verden“, vorzustellen. Die Saatmischung mit dem Projekttitel „Summer-Blooming“ hat er auf einer Versuchsfläche in Eissel ausgesät.

„Wie in der landwirtschaftlichen Praxis bekannt, sind neben Ernten auch „Blühergebnisse“ standort- und bodenorientiert unterschiedlich ausgeprägt“, weiß der Imker. So blühte zum Herbstbeginn von der vor dem 15. April ausgesäten „Imkermischung Landkreis Verden“ nur die auf der Fläche von Dr. Lüdemann zwischen Daverden und Intschede immer noch üppig und wurde von Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen ausgiebig angeflogen. Dagegen hat Kersten aber auch beobachtet, dass andere Flächen standortbedingt fast verblüht oder aufgrund des längerfristig fehlenden Regens selbst Sonnenblumen vertrocknet sind.

Ist das Nahrungangebot vorhanden, werden Blüten auch Ende September noch angeflogen. - Foto: Kersten

Als zweite Schiene propagiert er daher das sogenannte „Summer-Blooming“. Auf einer ein Hektar großen Versuchsfläche in Eissel hat er die Mischung direkt nach der Wintergerstenernte Mitte Juli ausgesät. Die „Blooming-Mischungen“ mit zwölf oder mehr Saatanteilen gedeihen dort sehr vielfältig“, berichtet Kersten. Gerade diese späte Blüte sei für die Entwicklung vitaler und starker Winterbienen enorm wichtig. „Die ausreichende Versorgung mit Nektar und Pollen im August, September und später ist ein wichtiger Baustein – neben der unerlässlichen Einfütterung der Bienen. Daher halte ich eine bewusste Projektierung dieser „Summer-Blooming“-Aktionen aus Imker- und Naturschutzsicht für sehr wichtig“, betont der Landwirtssohn.

Beim Dialog mit den Landwirten sei unter anderem die räumliche Lage der Flächen zu beachten. Diese sollten möglichst nah an den Bienenständen oder im Flugradius der Bienen von drei Kilometern liegen.

„Aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen sind derart mit Nektar und Pollen vital versorgte Bienenvölker weniger anfällig für Ausfälle durch die Varroamilbe über den Winter und stehen somit im zeitigen Frühjahr zur Bestäubung der Kulturen in ausreichendem Maße zur Verfügung.“

Die reinen Phacelia-Sommerfelder, die im Landkreis Verden aktuell auch zu sehen sind, sieht der Imker kritisch. „Sie bieten den Insekten zwar auch Pollen, aber bei der einseitigen Saat fehlt mir die notwendige Bio-Diversität, die Vielfalt durch ein durchgängigeres Trachtenband.“

Die „Imkermischung Landkreis Verden“ hat sogar im Fernen Osten Aufmerksamkeit erregt. Im Juni erhielt Kersten eine offizielle Einladung der Sichuan Agricultural University in China. Vom vom 17. bis zum 22. Oktober möchte der Imker an drei Orten im Großraum Chengd vermitteln, dass sich erfolgreiche, nachhaltige Imkerei und Landwirtschaft nicht ausschließen. Auch eine dreistündige Vorlesung an Sichuan Agricultural University gehört dazu.

ahk

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