Weitere Zeugen: Anträge in Mord-Prozess

Ein anderes Bild vom Angeklagten

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Das Landgericht Verden

Verden - Weitere Zeugenbefragungen könnten für erneute Verzögerungen im Landgerichtsprozess um den Mord in einem Rethemer Getränkemarkt am 18. September 2013 sorgen. Gestern stellte Verteidiger Kay Müffelmann weitere Beweisanträge. Er will den Vater und die Stiefmutter seines 18 Jahre alten Mandanten und frühere Klassenkameraden vom Gymnasium Walsrode laden lassen.

Es geht dabei noch immer um die von Müffelmann mehrfach kritisierte Begutachtung des Angeklagten durch den Sachverständigen Professor Dr. Norbert Leygraf. Der erfahrene Strafverteidiger sieht grobe Fehler bei der Anwendung eines anerkannten Verfahrens zur Beurteilung von Psychopathen. Der Angeklagte wurde dabei nach einem Punkteverfahren beurteilt, und dies habe Leygraf unrichtig angewendet. Der Sachverständige war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte sadistische und psychopatische Züge habe.

Von den Aussagen von drei früheren Klassenkameradinnen, eines sehr guten Freundes sowie Vater und Stiefmutter des Angeklagten, verspricht sich Müffelmann, dass diese ein anderes Bild des Angeklagten zeichnen. Zwei Ex-Freundinnen hatten in dem Prozess von Mordgedanken des 18-Jährigen im Vorfeld des Mordes an der 23-Jährigen Sabrina J. berichtet. Ansonsten gab es kaum Zeugen aus dem privaten Umfeld des Angeklagten. Bei den beantragten Zeugenbefragungen geht es auch um Fakten, wie die Bewerbung des Angeklagten beim Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr und Umstände des Umzugs aus dem Haushalt der Mutter zu dem in Woh-lendorf lebenden Vater.

Staatsanwaltschaft und die Nebenklagevertreter bekamen Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum nächsten Verhandlungstag am 9. September. Sollte das Gericht den Anträgen folgen, dann würde der Sachverständige Leygraf noch einmal benötigt. Er müsste bei den Zeugenaussagen anwesend sein und diese in seinem Gutachten berücksichtigen. Weil Leygraf jedoch erst ab Mitte Oktober wieder für Termine zur Verfügung steht, wurden Verhandlungstermine am 9., 11., 19., 22. und 23. September sowie am 14. Oktober anberaumt. „Das ist alles nur vorläufig. Zunächst müssen wir über die Anträge entscheiden“, betonte jedoch der Vorsitzende Richter Joachim Grebe.

wb

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