Veranstaltung der Steuergewerkschaft in Verden

„Weiße Weihnachten für alle“

Verden - Der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen der Deutschen Steuergewerkschaft, Thorsten Balster, gab bei einer öffentlichen Veranstaltung Montagnachmittag die Richtung vor („es wird besser und nicht billiger“), Staatssekretär Frank Doods nahm den Faden gerne auf und stimmte zu.

Dabei hatte Balster zuvor dem Ministerium, aber auch dem Landtag diverse schwarze Peter zugeschoben. Doch Doods, der für den in Berlin tätigen Finanzminister Peter-Jürgen Schneider kurzfristig eingesprungen war, versuchte die Wogen zu glätten. Sein Ministerium habe bei der Personalausstattung der niedersächsischen Finanzämter kräftig nachgebessert, sagte der Staatssekretär. Auch baulich seien die Kapazitäten ausgeweitet worden. Daher werde die Finanzverwaltung nunmehr als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.

Bei Gehaltssteigerungen habe indes der Landtag das letzte Wort, sagte Doods. Das Ministerium untersuche ferner die Altersstruktur jedes einzelnen Amtes. „Wir wollen aber keine Entscheidungen übers Knie brechen“, so der Gast aus Hannover, um dann hinzuzufügen: „Auch wir arbeiten besser und nicht billiger.“ Die Digitalisierung bezeichnete Doods als größte Herausforderung für die Mitarbeiter der Finanzverwaltung. Die Abhängigkeit von der Technik sei jederzeit spürbar. Die „Flucht nach vorn“ sei indes ohne Alternative, betonte der Redner.

Darauf schienen die rund 200 Zuhörer nur gewartet zu haben. Mit markigen Worten forderte der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, den Beifall geradezu heraus. Das parteipolitische Geschacher bei der Diskussion um die Erbschaftssteuer, an der auch Minister Schneider in Berlin teilnehme, kritisierte der Gewerkschaftsvorsitzende vehement, um dann in einem „Rundumschlag“ alle finanzpolitischen Felder zu streifen. So fragte er Bürgermeister Lutz Brockmann unter den Ehrengästen, ob es in Verden schon einen Ableger der Kaffeehaus-Kette Startbucks gebe? „Nein? Sie müssen nur die Gewerbesteuer senken.“

Bei sprudelnden Steuereinnahmen wolle auch der öffentliche Dienst etwas abhaben, betonte Eigenthaler. Eine gute Steuerverwaltung sei ein Standortfaktor in Deutschland. „Wir sind Steuergerechtigkeit, uns muss man stärken“, forderte der Gewerkschaftsboss, der zugleich allen „Privatisierungsfanatikern“ eine Abfuhr erteilte. Junge Leute dürften keinen großen Bogen um die Finanzämter machen.

Eigenthaler blickte dann über die Landesgrenzen hinaus: „In Europa weht der Geist des Populismus. auch bei uns.“ Er werde ebenfalls eine neue Partei aufmachen, versprach der Bundesvorsitzende. „Ich fordere dann Steuerfreiheit und weiße Weihnachten für alle, dann bekomme ich sofort 30 Prozent bei den nächsten Wahlen.“ Die Lacher und den meisten Applaus hatte Eigenthaler in jedem Fall auf seiner Seite. Um dann ernsthaft fortzufahren. Die Deutsche Steuergewerkschaft habe einen Preis für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit gestiftet. „Die haben es wirklich verdient“, sagte Eigenthaler zum Abschluss. 

koy

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Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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