Auf dem Rathausplatz

Verdener Weihnachtsmarkt öffnet trotz Kritik

Eröffnung des Weihnachtsmarktes in Verden auf dem Rathausplatz.
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Die Menge zur Eröffnung des Marktes war überschaubar. Die Besucher blieben auf Abstand.

Weihnachtsmarkt? Da gehen die Meinungen auseinander. In Verden wurde nun eröffnet. Mit Glühwein, Pommes, ohne Stollen und mit Abstand.

Verden – Kein Stollenverkauf, aber Glühwein, Pommes, Menschen und gute Laune, so sah es Montagabend auf dem Rathausplatz in Verden aus. Aber geht das überhaupt? „Der Weihnachtsmarkt findet statt. Wir haben alles Mögliche und noch mehr getan, damit Besucher auf den Rathausplatz kommen und sich dort treffen können“, sagt Hüseyin Tavan, erster Vorsitzender des Vereins Veranstaltungen für Verden. In den sozialen Netzwerken schlagen derweil die Wellen hoch. Von „geht gar nicht“, „alles wird abgesagt, nur Verden nicht“, bis zu „einfach auch mal Positives zulassen...ist das  so schwer...“, lauten die Kommentare.

Bürgermeister Lutz Brockmann hieß die Besucher auf dem Festplatz willkommen

Von „geht gar nicht“ war auf dem Rathausplatz auf jeden Fall nichts zu spüren. Bürgermeister Lutz Brockmann hieß die Besucher, einige waren mit Kindern erschienen, auf dem Festplatz willkommen. „Alleine leben ist kein gutes Leben. Zwei Drittel der Verdener sind geimpft, die anderen fordern wir auf, einen kleinen Piks in Kauf zu nehmen und sich impfen zu lassen“, so der Bürgermeister. Dafür gab’s viel Beifall aus der überschaubaren Menge.

Damit war der Arbeitstag des Bürgermeisters beendet. Den Weihnachtsstollen brauchte er, wie sonst üblich, nicht zu verkaufen. „Das Risiko von größerem Menschenandrang vor nur einer Bude ist zu groß“, hatte Pastor Dieter Sogorski zuvor verkündet. Die Aktion wurde abgeblasen. Bäcker Horst Rotermundt hatte die Backware vor seinem Geschäft in der Großen Straße statt auf dem Rathausplatz abladen lassen. Wer möchte, kann sich dort mit Abstand und für einen guten Zweck mit Stollen versorgen. Der Erlös kommt der Kita Domstraße zugute.

Stollenverkauf für den guten Zweck und mit Abstand: Horst Rotermundt gibt das Backwerk weiter an Anne Wolters. „Schmeckt super“, sagt die junge Frau.

Kein Verkauf des Stollens auf dem Markt. Andrang wäre zu groß

Hüseyin Tavan machte auf Anfrage noch einmal deutlich, dass sich der Verein im Vorfeld mächtig ins Zeug gelegt habe. „Die Messlatte für uns lag hoch, wir haben sie sogar noch höher gelegt.“ Anders als sonst gibt es, um den Abstand einzuhalten, nur einen Glühweinstand auf dem Markt. Die Bude ist eingezäunt, davor wird kontrolliert und wer ein Getränk möchte, der muss nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist. „Am Stand selbst muss beim Kauf Maske getragen werden“, so Tavan. Die Sitzgruppen davor, da gebe es viel Platz. „Mit Abstand ist das machbar“, sagt Tavan. Eine Kontrolle auf dem Markt, wer sich, ob geimpft, genesen oder getestet, dort bewegt, schließt Tavan derzeit aus. „Der Platz ist öffentlich. Das können wir nicht leisten. Schafft der Wochenmarkt auch nicht.“

Verdener Weihnachtsmarkt: Kontrollen vor dem Glühweinstand

Im Rathaus nebenan sind die Verantwortlichen mit dem Veranstalter im ständigen Austausch, heißt es. „Es gibt eine Verordnung. Danach darf der Markt in der jetzigen Form stattfinden. Das ist auch mit dem Gesundheitsamt abgestimmt“, sagt Marktmeister Patrick Düsselbach. Das Dreieck Veranstalter, Stadt Verden und Gesundheitsamt werde in den kommenden Wochen die Inzidenzzahlen beobachten und entsprechend handeln. Berit Härthe, Leiterin des Verwaltungsdienstes Corona beim Landkreis Verden, rechnet zwar in der laufenden Woche noch mit weiteren Verschärfungen. „Ich glaube aber nicht, dass es für die Märkte maßgebliche Veränderungen geben wird. Wenn doch, werden wir uns wieder zusammensetzen und sehen müssen, was weiter und was nicht mehr machbar ist“, erklärt Härthe.

Rathaus Verden: Sind mit Veranstaltern im Austausch

Der Veranstalter selbst sieht sich ebenfalls in der Pflicht. Dass es Kritik angesichts der Inzidenzzahlen gebe? „Viele Leute sagen, es geht, andere Leute sagen, es geht nicht“, so Tavan. „Jeder hat dazu seine eigene Meinung. Wer glaubt, dass es geht, der wird sich hoffentlich auch im eigenen Interesse vernünftig verhalten, wer nicht kommen mag, der bleibt eben weg. Ich bin der Meinung, mit unserem Konzept ist es machbar.“

Kritik in den sozialen Netzwerken

Und im sozialen Netzwerk, bei Facebook. Das sieht es mit der Gemengelage an Meinungen ähnlich aus, mal pro, mal contra. Zwar zeigt die gefühlte Mehrheit per Emoji mit dem Daumen nach unten. Die Textbeiträge halten sich beim Für und Wider allerdings vielfach die Waage:

„,Vernünftig bleiben’ funktioniert in Deutschland nicht. Wem will man was vormachen?!“, so eine klare Ansage für eine Absage. „Wow, endlich auch hier mal ein Hauch von Normalität. Das wird schön??“, heißt es aus anderen Richtungen. „Ohne Worte bei den Zahlen“, lautet eine deutliche Kritik. Dazu der Verweis, was in den Nachbarstädten läuft oder auch nicht, mit den möglichen Folgen für Verden: „Rotenburg abgesagt, Scheeßel abgesagt, Zeven abgesagt, Bremervörde abgesagt....Ich vermute mal, dass Verden viele Besucher aus dem Nachbarlandkreis bekommen wird.“

„Vernünftig bleiben funktioniert in Deutschland nicht“

Auch Behörden und Veranstalter bekommen ihr Fett weg: „Unverantwortlich“, heißt es da in einem Kommentar. Und dann aber wiederum der Hinweis, dass Corona zur Normalität werden dürfte: „Warum nicht? Die Zahlen wirst du die nächsten 30 Jahre haben. Das Virus wird nicht mehr verschwinden und bis sich unser Immunsystem angepasst hat, werden die Zahlen vom November bis Mai immer steigen“, schreibt ein User. Und: „Schließlich wird niemand gezwungen, dorthin zu gehen.“ Eine Portion Eigenverantwortung wird eingefordert: „Also ich freue mich drauf! Jeder hatte nun genug Gelegenheit, sich impfen zu lassen. Wer nicht möchte, kann sich testen lassen...Aber sollen wir nun ewig ohne jegliches Glücksgefühl den Winter durchstehen?“

Verdener Weihnachtsmarkt: Warum nicht 2G oder besser noch 2G+

In der Pflicht sehen viele auch die Veranstalter und würden sich noch mehr und schärfere Kontrollen wünschen: „Warum nicht 2G oder besser noch 2G+?“ Andere wiederum setzen auf das Konzept der Marktbeschicker: „Es gibt diverse Studien über die Übertragung unter freiem Himmel. Man steckt sich deutlich schwieriger an, als im geschlossenen Raum. ,Vernünftig bleiben’ ist das Stichwort. Und es wird auch nicht mehr besser werden. Wenn die Leute sich nicht impfen lassen wollen, sollen sie es eben lassen. Es war genug Zeit.“

Weitere Infos zum Programm unter www.weihnachtsmarkt-verden.de zu finden.

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