Auch Chancen und erste Mutmacher

Wie Corona das Fest im Kreis Verden beeinflusst

Geschmückter Weihnachtsbaum vor Kirchenfenster
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Weihnachtsbäume erstrahlen, Kirchenfenster leuchten wie hier in St. Johannis in Verden, dennoch wird auch dieses Jahr wieder vieles anders sein.

Corona ist das beherrschende Thema, aber pünktlich zu Weihnachten stellen sich im Kreis Verden auch erste Mutmacher ein.

Verden/Achim – Hell erleuchtet jedes Haus und eine Friedensbotschaft, die über die Gottesdienste in die Welt geht, das wird auch in diesem Jahr so sein. So viel steht fest. Aber erneut fällt Weihnachten anders aus. Das zweite Mal bereits unter Corona-Bedingungen. Und das bedeutet, es werden nicht so viele Menschen wie üblich in die Kirchen strömen, es werden die Familientreffen nicht so üppig ausfallen, es warten neue Herausforderungen, aber es wird nicht geklagt.

„Nein“, sagt etwa Superintendent Fulko Steinhausen, in seiner Predigt am Heiligabend um 18 Uhr im Dom, „nein“, sagt er, „Corona wird darin keine große Rolle spielen.“ Die Menschen bräuchten andere Botschaften als immer nur den Hinweis, wie schlimm alles ist. Gewiss, er habe eine Meinung zur Impfproblematik, eine klare Meinung, aber sprechen werde er nicht darüber, auf der Kanzel jedenfalls nicht, vielmehr werde die Kraft des Glaubens, die Hoffnung, das werde seine Botschaft zu Weihnachten sein.

Andernorts ergeben sich ganz andere Probleme. Die Menschen werden zusammensitzen, es werden hohe Erwartungen mit diesem Fest verknüpft, und das sei der Stoff, aus dem zuweilen Dramen resultieren. „Es kommt oft zu Spannungen, vermehrt zu Gewalt“, sagt jemand, der es wissen muss, sagt Ulla Schobert vom Verdener Frauenhaus. Häufig sei sie gerade zum Fest mit dieser Problematik befasst, im Corona-Jahr sogar noch häufiger als sonst. „Frauen versuchen in dieser Situation die Weihnachtstage erstmal rumzubringen, sie melden sich oft erst später, manchmal erst nach Neujahr.“ Aber das sei der falsche Weg. Der Bereitschaftsdienst sei unter Telefon 04231/961970 erreichbar, Ehrenamtliche würden auch über die Festtage zur Verfügung stehen, Kapazitäten im Frauenhaus wären frei. Noch besser sei allerdings der Anruf bei der Polizei, die Ordnungshüter leiteten im Fall des Falles alles Notwendige in die Wege. Die Verdener Dienststelle ist unter 04231/8060 zu erreichen.

Das bestätigt Helge Cassens von der Polizei Verden. „Häusliche Gewalt geht nie weg wie ein Schnupfen“, sagt er. In akuten Situationen sei es immer wichtig, dass die Polizei umgehend informiert werde. Nur so könne häufig Schlimmeres verhindert werden. Alkohol sei oft im Spiel, Familienfrust komme hinzu, häufig zu hohe Erwartungen – alles eine brisante Mischung. Und in Corona-Zeiten noch zusätzlich explosiv. Das belegt die Statistik aus dem zurückliegenden Frühjahr. Zwar sei die Dunkelzimmer immer noch sehr hoch, aber die Zahl der angezeigten Fälle lag im ersten Jahr der Pandemie um satte 40 Prozent über denen des Jahres 2019.

Zusätzliches Personal halte die Polizei für solche Einsätze nicht vor. „Es ist einfach zu schwer abzuschätzen, wann wir wie stark gefordert werden.“ In einem zweiten Sonderfall rund um Festtage und Pandemie könne man die Kräfte besser koordinieren, bei den Kontrollen der Corona-Regeln. Halten sich die Menschen an die Maskenpflicht, tragen sie die richtige Maske im Gesicht, und wenn nicht, dann werden sie angesprochen. In dieser „niederschwelligen“ Mission waren an den vergangenen Tagen Verdener Polizisten, unterstützt von 20 Kräften der Bereitschaftspolizei Oldenburg, im gesamten Kreisgebiet unterwegs. Hauptziel sei es nicht, Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige zu bringen, was allerdings auch geschah, Hauptsache sei es, die Menschen zu sensibilisieren. Auch an den Festtagen werde man diesbezüglich ein waches Auge haben, sagt Cassens, stellt aber klar: „Wir klingeln nicht an den Haustüren, wir werden nicht nachzählen, wie viele Menschen sich gerade im Raum befinden, aber wir werden Hinweisen nachgehen.“

Aber der Ausblick auf die Festtage liefert nicht nur bedrückte Gesichter. In einigen Branchen hellten sich die Mienen sogar ein wenig auf, bei den Gastronomen zum Beispiel. Nachdem erste Firmeninhaber die Adventszeit schon als Lockdown ohne Schließung abgehakt hatten, zeichnet sich für die Weihnachtstage jetzt so etwas wie Entspannung ab. „Wir haben den aktuellen Regeln folgend auf eine 70-prozentige Auslastung beim Weihnachtsessen umgestellt, gleichzeitig gilt 2G“, sagt etwa Hermann Heitmann vom gleichnamigen Gasthof in Kreepen, „wir sind ausgebucht.“ Er jedenfalls sei erstmal zufrieden.

Nicht der einzige Mutmacher zum Fest. „Es ist ja schon das zweite Pandemie-Jahr, das wir durchleben“, sagt etwa Superintendent Steinhausen, „schon im vergangenen Jahr sind einige schöne Ideen geboren, die jetzt eine Wiederholung erfahren.“ Er denke beispielsweise an den Holy Night Express, der an Heiligabend durch Achim tourt und in Uesen sowie bei Meyer-Bierden Station einlegt. „Diese Initiativen sind durch Weihnachten in Corona-Zeiten neu entstanden, sie haben schon eine gewisse Bekanntheit erreicht, wer weiß, vielleicht entsteht daraus eine ganz neue Tradition.“ Ihn würde es freuen, sagt Steinhausen.

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