Kleiner Blick in die Geschichte im Historischen Museum in Verden

Weihnachten weltweit ein Fest des Lichtes

Blick auf die Krippe im Verdener Dom: Licht strömt durch die hohen Kirchenfenster, der Weihnachtsstern wacht über der biblischen Szene.
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Blick auf die Krippe im Verdener Dom: Licht strömt durch die hohen Kirchenfenster, der Weihnachtsstern wacht über der biblischen Szene.

Weihnachten, das ist für viele die Feier der Geburt Jesu. Und ein Fest mit Traditionen, Tannenbaum und viel Lichterglanz. „Schon immer haben Menschen in dieser Jahreszeit versucht, die Dunkelheit mit Leben und Licht zu erfüllen“, so Dr. Björn Emigholz. Der Leiter der Historischen Museums in Verden hat ein wenig in der Geschichte geblättert.

Verden – Die Frage nach dem Weihnachtsfest und seinem Ursprung lässt sich auf vielfältigste Weise – nicht immer wissenschaftlich – beantworten und führt unverweigerlich auch zurück zur Geburt Jesu: „Wann Jesus geboren wurde, den genauen Tag, den kennen wir gar nicht“, so Museumsleiter Björn Emigholz. Zwei der vier Evangelien würden sogar ganz auf die Schilderung der Geburt verzichten. Geburts- und Kindheitsgeschichten Jesu fehlen im älteren Markusevangelium und jüngeren Johannesevangelium. „Eine wirklich echte Quelle gibt es nicht“, so Emigholz.

Jesu Geburt in zwei Evangelien kein Thema

Die Geburtsgeschichte Jesu beginnt damit, dass Kaiser Augustus eine „erste“ Volkszählung durchführen lässt und sich deswegen jede Familie in den Heimatort des Familienvaters begeben soll. Aus diesem Grund reist Josef mit seiner hochschwangeren Verlobten Maria nach Bethlehem. „Wir können nur vermuten, aber im Normalfall würde ein Kaiser eine Volkszählung nicht in den Winter legen. Vernünftige Straßen gab es kaum, es war kalt und das sich da jemand auf den Weg macht, nur um sich zählen zu lassen, ist eher unwahrscheinlich“, so Emigholz.

Aber warum Weihnachten in der dunklen Jahreszeit?. Emigholz lacht, und gibt zu: „Auch da können wir nur drumherum spekulieren.“ Belegt ist, das lange vor der Geburt Jesu vor allem die Wintersonnenwende in zahlreichen Kulturen feierlich begangen wurde. „Die Römer hielten am 25. Dezember ein Fest zu Ehren ihres Sonnengottes Mithras ab“, so Emigholz. Da nach christlichem Glauben Jesus Licht in die Welt gebracht hat, griff die Kirche die Lichtsymbolik auf und setzte im 4. Jahrhundert den 25. Dezember als kirchlichen Feiertag ein. „Der Geburtstag Jesu sollte im kirchlichen Jahresverlauf stärker hervorgehoben werden“, erklärt Emigholz.

Sonnengott Mithras und die Wintersonnenwende

Dokumentiert ist das Wort „Weihnachten“ erstmals im 12. Jahrhundert. Es leitet sich ab aus der mittelhochdeutschen Formulierung „ze wihen nath“. Dies bedeutet übersetzt „zu der geweihten Nacht“. Womit wir bei unseren Vorfahren wären: Auch die Germanen pflegten zur Wintersonnenwende ihre heidnischen Bräuche, darunter das Julfest und das Mittwinterfest.

In der germanischen Welt waren die geweihten Nächte identisch mit der Opferzeit der Mittwinternächte. „Die Völker sprachen von sogenannten Rau- oder Rauchnächten“, so Emigholz. Sie umfassten einen Zeitraum von zwölf Nächten vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Die Germanen führten sich nicht ohne Grund so auf: ,Sie waren davon überzeugt, in dieser Zeit Dämonen und Hexen sehen zu können, die sie mit Ausräucherungen und lärmenden Umzügen bekämpften.“

In Russland wird am 7. Januar gefeiert

Länderübergreifend wird Weihnachten bis heute an unterschiedlichen Tagen gefeiert: „ In Russland feiern die Menschen beispielsweise erst am 7. Januar das Fest. Die orthodoxen Christen richten sich nach dem sogenannten julianischen Kalender“, so Emigholz. Die Differenz zwischen dem alten julianischen und den neuen Kalendern (dem neo-julianischen und dem gregorianischen) beträgt derzeit 13 Tage.

Es gibt aber auch einfache Erklärungen, Weihnachten zu feiern. „Wenn wir das religiöse und sonstige Drumherum weglassen, ist es, mitten in einer dunklen und kalten Jahreszeit, ein Fest zur Erhaltung der psychischen Reinheit“, so eine Formulierung des Museumsleiter. Was sich zunächst nach einem medizinischen Problem anhört, lässt sich relativ einfach erklären. „Kälte, Hunger, Tod, die Menschen brauchten – früher noch mehr als heute – etwas, worauf und worüber sie sich freuen konnten“, erklärt der Museumsleiter. Ein Fest mitten im härtesten Winter war ein Lichtblick. Insbesondere auf dem Land,

Doppelte Konjunktion und der Stern von Bethlehem

wo der Bauer ab Oktober und nach dem Erntedankfest witterungsbedingt zur Untätigkeit gezwungen war. „Hinzukam, dass vom 25. November bis Weihnachten die Zeit des Fastens war“, sagt Emigholz. Fastengebäck wie Lebkuchen und Spekulatius standen auf dem Tisch. Am 23. und 24. Dezember herrschten die strengsten Fastenvorschriften. Suppe und getrocknetes Brot, mehr gab’s nicht. Mit dem Ende der Fastenzeit am 25. Dezember wurde jedoch traditionell ein ausgiebiges Festmahl aufgetischt.

Die Wintersonnenwende, das war für den Bauern ein Zeitpunkt, in seine Kornspeicher zu gucken: „Waren die voll, dann gab es einen weiteren Grund zu feiern und zugleich das Signal zu senden, ich krieg die Familie durch bis zum Frühjahr“, erzählt Emigholz. Und wenn nicht, wenn die Kammern leer waren? „Dann wurde trotzdem gefeiert, damit sich die Familie keine Sorgen macht.“

Ein bisschen Weihnachten, wann und wie es um Christi Geburt ausgesehen haben könnte, war in diesem Jahr am Firmament zu verfolgen. Alle 20 Jahre kommt es am Himmel zu einem Wiedersehen der Planeten Jupiter und Saturn. Das Treffen in diesem Jahr war besonders spektakulär, da Jupiter und Saturn im Sternbild Wassermann sehr nah – am 21. Dezember – beieinander standen. Eine solch enge Begegnung wird es erst wieder am 15. Mai 2080 geben. Die sogenannte Große Konjunktion war nur für kurze Zeit in der fortgeschrittenen Abenddämmerung am Südwesthimmel zu bestaunen. Sich gegenüberliegend erschienen beide Planeten als ein heller Punkt am frühen Abendhimmel.

Zu Weihnachten passt die Vermutung, die einige Wissenschaftler haben. Eine Große Konjunktion fand sechs Jahre vor Christi Geburt statt und soll als Stern von Bethlehem die Heiligen drei Könige zum Jesus-Kind geführt haben. Weshalb man davon ausgeht, dass 6 vor Christus das eigentliche Geburtsjahr von Jesus von Nazareth war.

In der Historie geblättert: Museumsleiter Dr. Björn Emigholz im Domeherrenhaus.

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