Bundesverband der Viehhalter sucht in Verden nach Lösungen: Berlin ist gefordert

Wege aus der Milchkrise

Kämpfen für faire Milchpreise (v.l.): Hans Foldenauer, Johanna Böse-Hartje, Lore Meyer (BDM LK Verden) und Kreislandwirt Jörn Ehlers. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Die Landwirtschaft steckt in der Krise. Seit mehr als 27 Monaten befinden sich die Preise für Milchprodukte auf Talfahrt. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. In der Schweinezucht sieht es nicht viel besser aus. Angesichts der existenzbedrohenden Situation hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu einer verbands- und branchenübergreifenden Strategie- und Solidaritätsveranstaltung in den Niedersachsenhof eingeladen.

„Die Krise hat ihren Ursprung im Herbst 2013. Seitdem sind die Preise für Milchprodukte rückläufig“, erklärte BDM-Sprecher Hans Foldenauer. Die Ursachen lägen in der „Übermengenproblematik“ der EU. Trotz gestiegener Nachfrage dränge zu viel Milch, insbesondere aus Europa, auf den globalen Markt.

Foldenauer sieht das Handelsembargo gegen Russland nicht als Ursache der Krise. „Schon zu Beginn des Embargos waren die Preise um die Hälfte gefallen.“ Zudem habe der BDM immer gewarnt, allzu blauäugig nach China zu schielen, nach dem Motto: „Wenn Aldi zickt, geht die Milch nach China.“

Um Krisen vorzubeugen, sei es wichtig, den Markt zu beobachten. Zeichne sich eine zu hohe Produktion ab, müssten Anreize geschaffen werden, freiwillig weniger Milch zu produzieren. Unterstützt werden soll dies mit staatlichen Beihilfen. Sollte das nicht zum gewünschten Erfolg führen, müsste eine zeitlich befristete Rücknahme der Milchproduktion verbindlich vorgegeben werden.

Der BDM sieht die Schlüsselrolle nun bei Bundesagrarminister Christian Schmidt. Er müsse rechtliche und organisatorische Parameter für die freiwillige Reduzierung der Milchanlieferung erarbeiten. „Unser Konzept ist auf EU-Ebene angelegt, wir wollen keine Insellösungen. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand, Hilfspakete sind dringend notwendig“, betonte Foldenauer.

Das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, 100 Millionen Euro bereitzustellen, bezeichnete er als „Provokation“. Mindestens 30 Milliarden seien den Milchviehhaltern bislang verloren gegangen, davon 900 Millionen allein in Niedersachsen. Daher fordere der BDM eine Milliarde als Minimum für ein Hilfspaket. Die Gelder müsse man an die Reduzierung der Milchproduktion binden. Als Entschädigung wären 30 Cent pro Kilogramm Milch nicht gelieferter Milch das richtige Signal. Hilfen an eine Reduzierung zu knüpfen, sei schon deshalb sinnvoll, weil dadurch eine Hebelwirkung entstehe, die letztlich allen Milchviehhaltern zu Gute kommt.

„Andere EU-Länder sind längst bereit, die Marktkrise mit strukturellen Maßnahmen anzugehen. Wir müssen unserer Regierung Beine machen. Auf den Weltmarkt wollen wir nur mit Wertschöpfung“, betonte Johanna Böse-Hartje, Milchviehhalterin und BDM-Landesvorsitzende aus dem Kreis Verden.

Die Position des Landvolks unterscheide sich in einigen Punkten von der des BDM, so Kreislandwirt Jörn Ehlers. Die internationalen Märkte sehe man nicht so kritisch. Auch sei man bei der Mengenreduzierung skeptisch, ob Finanzierung und Wirkung zusammenpassen. „Wir brauchen dringend Ergebnisse. Man darf sich nicht nur auf eine Lösung konzentrieren. Das Problem ist vielschichtig. Man muss die beste Lösung für die Bauern finden“, forderte Ehlers.

ahk

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