Am Rande eines neuen Solarparks

Kritiker sprechen von Kahlschlag am Wasserwerk Panzenberg

Abgeholztes Waldstück neben einem Solarpark
+
Vollendete Tatsachen: Einen Waldumbau nennt der Trinkwasserverband die Maßnahmen am Solarpark Panzenberg.

Eine Holzfäll-Aktion am Rande eines neuen Solarparks am Wasserwerk Panzenberg ruft Kritiker auf den Plan. Von Kahlschlag ist die Rede.

Verden – Der ausladende Solarpark liefert bereits Strom ins Wasserwerk Panzenberg, die Begleitmaßnahme löst Kritik in der Bevölkerung aus. Einen Waldumbau nennt der Trinkwasserverband in einer Pressemitteilung das laufende Projekt, Beobachter aus dem nahen Kirchlinteln sprechen von einem Kahlschlag. „Das ist offenbar nicht mehr zu retten“, sagt etwa der Holtumer Grünen-Politiker Timo Degenhard.

Konkret geht es um die „verstärkte Nutzung regenerativer Energien“, die sich der Trinkwasserverband der Notiz zufolge auf die Fahnen geschrieben hat, und hier um einen Solarpark mit einer Leistung von bemerkenswerten 350 Kilowatt, was rechnerisch den Stromverbrauch von 110 Einfamilienhäusern deckt. Das Problem steckt jedoch direkt neben den Sonnenkollektoren. Sie werden vom nahen Wald abgeschattet. „Zur besseren Energieausbeute erfolgt ein Waldumbau. Aus der bisherigen Nadelwaldmonokultur wird ein strukturreicher Waldrand auf einer Fläche von etwa 1,2 Hektar geschaffen“, wirbt der Verband.

Kritiker sind nicht ganz so euphorisch. „Der Kahlschlag betrifft Douglasien, Fichten und Kiefern mit immerhin einem geschätzten Holzvolumen von bis zu 300 Festmetern“, moniert Grünen-Politiker Degenhard. Diese Maßnahme sei zu stoppen. Allerdings könne dem Treiben des Harvesters nur der Auftraggeber vom Trinkwasserverband Verden mit seinen Vertretern Einhalt gebieten, und da stecke das nächste Problem. „Da üblicherweise die neuen Vertreter, die in den kürzlich durchgeführten konstituierenden Sitzungen benannt wurden, wohl erst mit Beginn des neuen Kalenderjahres ihre Vorstandstätigkeiten wahrnehmen können, können sie aktuell auch nur wenig ausrichten.“ Hier zeige sich einmal mehr, es brauche mehr Transparenz und Mitbestimmung und mehr Miteinander, um auch in Kirchlinteln und dessen Randbereichen „klimatechnisch“ weiter voranzukommen. Degenhard resignierend: „Die Bäume dieses Abtriebs werden wohl schnell alle entnommen sein.“ Ihn wundere es sehr, dass in heutiger Zeit Bäume fallen müssten, damit die dahinterliegende Fotovoltaikanlage künftig ausreichend Sonnenlicht einfangen könne.

Der Trinkwasserverband, wegen der hohen Wasserförderung für Bremen seit Jahren schwer unter Druck, verteidigt seine Strategie der regenerativen Energie. „Für den Betrieb der Wasserwerke und die Verteilung des Trinkwassers an die Kunden werden erhebliche Mengen elektrischer Energie benötigt. Der gesamte Jahresbedarf von insgesamt rund 8,5 Millionen Kilowattstunden Strom wird bereits seit Längerem zu 100 Prozent als Ökostrom bezogen“, heißt es. Der Verbandsvorstand habe vergangenes Jahr zudem einstimmig beschlossen, die Geschäftsstelle in Verden CO2-neutral umzugestalten und generell die Nutzung regenerativer Energien an den Wasserwerksstandorten auszubauen. „Durch den Einsatz von Fotovoltaik können zukünftig jedes Jahr insgesamt eine halbe Million Kilowattstunden aus verbandseigenen Erzeugungsanlagen direkt selbst genutzt werden.“ An der Geschäftsstelle in der Weserstraße würden ferner in Kürze die Bohrungen für eine Erdwärmepumpe beginnen. Außerdem werde der Aufbau von Ladeinfrastruktur für die verbandseigenen Elektrofahrzeuge fortgeführt. Bei den Wasserwerken sei der Verband aktuell im Bereich des Wasserwerks Panzenberg tätig. Hier würden derzeit die Module für Fotovoltaik mit einer Nennleistung von 50 Kilowatt (Peak) auf den Dächern des Gebäudes aufgebaut.

Bezüglich des Solarparks am östlichen Rand des Wasserwerksgeländes kündigt der Verband Kompensationsmaßnahmen auf der Fläche der Anlage an, die man selbst durchführe, um so notwendige Eingriffe in den bisherigen Nadelwald zusätzlich auszugleichen. Außerdem werde man die Aktion „Verden pflanzt“ mit der Pflanzung von 1000 Bäumen unterstützen. Verbandsmitarbeiter würden noch im November tatkräftig anpacken. Ferner weist der Verband darauf hin, er bewirtschafte seine mehr als 100 Hektar großen Waldbestände seit Langem nachhaltig und grundwasserschonend.  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Wohnhaus in Oyten brennt lichterloh: Orkan „Daniel“ erschwert Löscharbeiten

Wohnhaus in Oyten brennt lichterloh: Orkan „Daniel“ erschwert Löscharbeiten

Wohnhaus in Oyten brennt lichterloh: Orkan „Daniel“ erschwert Löscharbeiten
2G-plus: „Es brodelt“

2G-plus: „Es brodelt“

2G-plus: „Es brodelt“
Ganz Brunsbrock nach Sturmschaden ohne Licht

Ganz Brunsbrock nach Sturmschaden ohne Licht

Ganz Brunsbrock nach Sturmschaden ohne Licht
Wieder Mangel an Impfstoff

Wieder Mangel an Impfstoff

Wieder Mangel an Impfstoff

Kommentare