Serie: Eine Frage – sieben Antworten:

Die Rente mit 70... will keiner der Bewerber

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Landkreis Verden - Zweimal in der Woche haben die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Verden-Osterholz Gelegenheit, ihre Gedanken zu einem vorgegebenen Thema zu äußern. Heute konnten die Bewerber den folgenden Satz vollenden: „Die Rente mit 70...“

„...wird es nicht geben. Wir haben in der letzten Großen Koalition die Rente mit 67 vereinbart, was auch aufgrund der demografischen Entwicklung und der verlängerten Lebenszeit der Menschen in Deutschland nachvollziehbar ist. Dazu stehen wir.

Wir dürfen uns hier nichts vormachen. Die größte Herausforderung, die uns in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten ins Haus steht, ist die Frage, wie wir in Würde und in Wohlstand alt werden können, ohne dass die nachfolgenden Generationen auf den Kosten sitzen bleiben und ihren finanziellen Gestaltungsspielraum verlieren. Die CDU will deshalb ein Rentenrecht, das Generationengerechtigkeit sichert und Leistungen und Lasten fair und nachvollziehbar verteilt.

Nicht jeder empfindet die Erhöhung der Regelaltersgrenze im Übrigen als eine Verschlechterung. Ich freue mich, dass wir für die, die über 65 beziehungsweise 67 Jahre hinaus gern noch weiter arbeiten wollen – darunter auch meine Mutter – mit der Flexi-Rente einen flexiblen Übergang eingeführt haben. Wir können und sollten auf viele Ältere mit ihren Erfahrungswerten im Berufsleben nicht verzichten.“ Andreas Mattfeldt (CDU)

„..., ihr erteilen wir eine Absage. Vielen ist es nicht möglich bis 70 zu arbeiten. Für alle, die länger als 67 arbeiten können und wollen, haben wir bereits die Flexi-Rente eingeführt. Das Rentenniveau liegt heute bei 48 Prozent – es wird absinken, wenn wir jetzt nichts tun. Wir wollen, dass es mindestens auf dieser Höhe bleibt. Gleichzeitig soll der Beitrag zur Rentenversicherung nicht über 22 Prozent steigen. Also: eine gute, verlässliche Rente, ohne die jüngere Generation zu überfordern. Wir wollen die gesetzliche Rente stärken – auch für Selbstständige, die noch nicht anders fürs Alter abgesichert sind. Wichtig ist zudem im Arbeitsleben anzusetzen, beispielsweise über eine starke Tarifbindung. Denn gute Löhne bringen gute Renten!

Für langjährig Beschäftigte soll es garantierte Solidarrente geben.“ Christina Jantz-Herrmann (SPD)

„...ist ein Anschlag auf die Würde von Millionen arbeitender Menschen. Jeder von uns weiß, selbst angeblich leichte Tätigkeiten sind enorm belastend. Telefonieren im Call-Center ist anstrengend für Körper und Kopf, genauso wie die Arbeit der Kassiererin, die täglich Tonnen von Lebensmitteln über den Scanner zieht. Von Pflegepersonal und Arbeitern im Straßenbau will ich hier gar nicht erst reden. Lebenslange Kürzungen bei der Rente drohen.

Worum es wirklich geht: In den vergangenen Jahren waren 22 Prozent der Verstorbenen jünger als 70 Jahre. Vor allem die Armen müssen früher sterben. Arme Frauen gehen 8,4 Jahre früher als ihre wohlhabendsten Altersgenossinnen, Männer sogar 10,8 Jahre. Auch so kann man den Arbeitgebern günstige Versicherungsbeiträge bieten. Die Linke sagt deutlich: Das ist Klassenkampf von oben!“ Herbert Behrens (Die Linke)

„...wäre als vorgeschriebenes Renteneintrittsalter ebenso falsch, wie es mit 63 oder 67 der Fall ist.

Ein pauschales Renteneintrittsalter ist verkehrt: Während von Handwerkern, Pflegekräften oder auf dem Bau das festgeschriebene Renteneintrittsalter wegen der körperlichen Belastung kaum erreicht werden kann, möchten viele Ältere gerne voll sozialversicherungspflichtig länger arbeiten und möchten Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels die Erfahrungen der Älteren länger nutzen. Deswegen ist ein generelles Renteneintrittsalter verkehrt.

Aber warum wird es jungen Familien so schwer gemacht, sich ein Eigenheim als Teil der Altersversorgung zu leisten?

Trotz niedriger Zinsen sind gerade die Erwerbsnebenkosten für viele eine unüberwindbare Hürde! Neben Maklercourtage und Notarkosten auch noch Grunderwerbsteuer zahlen zu müssen, übersteigt die finanziellen Möglichkeiten vieler – dabei muss der Staat es doch eigentlich fördern, wenn Menschen Eigentum schaffen.

Ich möchte, dass die Grunderwerbsteuer bei Immobilien bis zu einem Kaufpreis von 500 000 Euro abgeschafft wird!“ Gero Hocker (FDP)

„...wird traurige Realität werden, wenn die jetzige Regierung weiter besteht. Es ist dann fraglich, ob die Rente überhaupt noch sicher ist und wie hoch sie sein wird.

Auch in unserer Region sind immer mehr Rentner zu beobachten, die sich nicht allein auf ihre Rente verlassen können, sondern ihre Altersarmut mit Hilfe von Nebenjobs oder karitativen Zuwendungen bewältigen müssen. In einer älter werdenden Gesellschaft wird sich das noch verstärken. Leider diskutiert die Regierung lieber bürgerferne Themen, anstatt die Probleme der Geringverdiener anzugehen und das Rentenmodell weiterzuentwickeln.

Es fehlt die politische Verantwortungsübernahme bei der Alterssicherung. Ich finde es unwürdig, wenn zum Beispiel.Handwerkern abverlangt wird, bis 70 für eine Mini-Rente zu arbeiten. Wo ist da der Respekt vor dem Alter?“ Jochen Rohrberg (AfD)

„...dass stattdessen das Rentenalter flexibel und individuell nach den Bedürfnissen gestaltet werden sollte. Schwere körperliche Arbeit wird in diesem Alter vielleicht nicht mehr möglich sein, geistige Arbeit dagegen könnte noch eine Erfüllung bedeuten. Wenn wir über die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens die Altersarmut überwinden und zum Erreichen unserer Klimaziele durchschnittlich nur noch 20 Wochenstunden tätig sind, kann der Übergang zwischen Erwerbstätigkeit und dem Leben danach ungleich sanfter geschehen, weil man schon vorher Zeit hatte für ehrenamtliche Tätigkeit oder Nachbarschaftsprojekte. Susanne Hirsch-Sternberg

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