Vulva-Thementag in der Frauenberatung befasst sich mit weiblichem Genital

Schamhaft abgewertet bis zur Namenlosigkeit

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Regina Baalk (l.) von der Frauenberatung Verden, hier mit der Autorin Dr. Mithu M. Sanyalder, hat die gut besuchte Abendveranstaltung organisiert.

Verden - Sie gehören zu der Generation, die das weibliche Geschlechtsteil noch „da unten“ nannte. Am Freitagabend, am Vorabend zum „Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung“, haben sich Elisabeth (69), Lilo (77), Hedwig (74) und Margret (56) mit vielen anderen Frauen auf den Weg in die Frauenberatung Verden gemacht,

Dort gab es gleich zwei beeindruckende Veranstaltungen: eine Lesung aus „Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ mit anschließender Diskussion mit der Autorin und Kulturwissenschaftlerin Dr. Mithu M. Sanyal und den Dokumentarfilm „Vulva 3.“. Er widmet sich dem Umgang mit dem weiblichen Genital im 21. Jahrhundert, vom Aufklärungsunterricht, Zensur, dem Retuschieren unschöner Schamlippen in pornografischen Abbildungen und erzählt vom Kampf gegen Genitalverstümmelung.

Vagina ist der lateinische Name für Scheide, der jedoch nur den im Körper liegenden Bereich beschreibt, der zur Gebärmutter führt. Dabei umfasst das weibliche Geschlechtsteil noch einiges mehr. Venushügel, Schamlippen und Klitoris bilden die äußeren, die primären Geschlechtsorgane, genannt Vulva.

Sanyal hat in ihrem viel beachteten Buch das Verborgene ans Licht geholt, indem sie von vulvazeigenden antiken Göttinnen erzählt und ebenso kontrastreich wie humorvoll mit dem penisfokussierten Weltbild des Abendlandes aufräumt.

Was nicht existiert, benötigt keinen Namen, und was keinen Namen hat, existiert nicht. Das ist die Ausgangsthese von Mithu M. Sanyals Studie über die Vulva, über deren historische und kulturelle Bedeutung. Sie beschreibt die Darstellungen des weiblichen Geschlechts in Künstlerfotos oder als Plüschpuppen, die man überall im Internet bestellen kann, auch Vulva-Abbildungen in der feministischen Kunst des 20. Jahrhunderts fehlen nicht.

„Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ habe sie bereits 2009 geschrieben, erzählt Sanya. Ihr Doktortitel sei ihr dabei zugute gekommen. „Das Buch und das darin noch oft tabuisierte Thema wurde daher von Beginn an mit Interesse aufgenommen und der Inhalt als seriös erachtet“, vermutet die Autorin, die intensiv die Kulturgeschichte des weiblichen Geschlechtsorgans recherchiert hat.

Eine ihrer Hauptthesen ist, dass das weibliche Genital in früheren Zeiten als anbetungswürdig und heilig galt und erst im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte durch den von ihr „Shaming and Naming“ genannten Sprachumgang als unbedeutend und schamhaft bis hin zur Namenlosigkeit abgewertet wurde.

Für ihre Thesen hatte Sanyal etliche Beispiele aus der Kulturgeschichte parat. Sie erzählt von Baubo, die in der griechischen Mythologie die Menschheit durch die Enthüllung ihres Genitals rettete, verweist auf Darstellungen selbst in der mittelalterlichen Kunst, geht auf gewaltsame Verstümmelungen ebenso wie auf die Mode der Vaginalverjüngung ein oder berichtet von jungen Eltern, die ihren Töchtern das – im übrigen medizinisch korrekte – Wort Vulva nicht als Bezeichnung für ihr Geschlechtsorgan beibringen wollen, und es stattdessen mit Fantasienamen verniedlichen.

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