Ergebnisse liegen vor

Experten schlagen Alarm: Viel zu hohe Nitratwerte im Kreis Verden

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Projektleiter Harald Gülzow sammelte in Verden und Umgebung Gewässerproben ein.

Landkreis Verden - Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen seiner Informationsveranstaltungen in Verden abgegeben wurden. In jeder achten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Insgesamt 51 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Milan Toups, Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst, und Harald Gülzow, Projektleiter, aus dem Raum Verden – Dörverden – Blender – Langwedel für die Untersuchung entgegen. Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft. Diese habe sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausgebreitet. 

Gleichzeitig konnte die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft – der ökologische Landbau – kaum wachsen. Hier müssten vor allem die Verpächter handeln. Der VSR-Gewässerschutz rate Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei den Untersuchungen 285 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Neddenaverbergen. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer in Hohenaverbergen mit 73 Milligramm pro Liter (mg/l) und in Langwedel mit 75 mg/l fest. 

Das Wasser kann man nicht mehr trinken

„Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, so Gülzow. Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen könnten anschließend zu Fischsterben führen.

Nitratbelastetes Grundwasser sorge beim Bewässern zudem für eine zusätzliche Düngung. Diese müsse in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden. Nur so könne eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in Gemüse verhindert werden.

Der ökologische Landbau trage den Belastungen Rechnung und habe weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt, betont der VSR. Es werde auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Außerdem komme es zu weitgehend geschlossenen Nährstoffkreisläufen, da die Zahl der Tiere sich an der Fläche orientiere, die dem Betrieb zur Verfügung stünden, so Gülzow.

Ökologische Produkte werden hierzulande kaum hergestellt

Der VSR-Gewässerschutz freut sich, dass ökologisch erzeugte Produkte immer stärker gefragt sind. „ Jedoch verbessert die Nachfrage für ökologisch erzeugte Produkte nicht die Grundwasserqualität in Niedersachsen. Dort werden nicht mal vier Prozent der landwirtschaftlichen Flächen vom ökologischen Landbau bewirtschaftet. Der große Bedarf wird inzwischen mit weit transportierten Lebensmitteln gedeckt“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Jahrzehntelang hätten die landwirtschaftlichen Verbände darauf hingewiesen, dass sie produzierten, was die Bürger kaufen. Damit haben sie den Einkäufer für die Grundwasserbelastung verantwortlich gemacht. „Viele Bürger ernähren sich heute jedoch anders als vor 20 Jahren. Es werden wesentlich mehr ökologische Produkte gekauft. Deswegen ist es dringend an der Zeit, dass der ökologische Landbau stärker gefördert wird“, so Bareiß-Gülzow. 

Viele ökologische Betriebe würden gerne wachsen, bekommen aber keine weiteren landwirtschaftliche Flächen, kritisiert der VSR.

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