Vorgetäuschter Überfall: Gericht verurteilt Duo zu Sozialstunden und Geldstrafe

Schulden als Tatmotiv

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Schulden sollen die junge Angeklagte, hier mit ihrem Verteidiger Michael Brennecke, bewogen haben, gemeinsam mit einem 33-Jährigen den Überfall vorzutäuschen.

Verden - Alles sollte wie ein Raub aussehen, doch in Wahrheit war es ein abgekartetes Spiel. Gestern wurde am Amtsgericht Verden der vorgetäuschte Überfall auf eine Spielhalle in der Großen Straße verhandelt. Eine 21-Jährige, die zum Tatzeitpunkt in Achim wohnte, und ein 33 Jahre alter Bremer wurden wegen Unterschlagung und Nötigung verurteilt.

Die damalige Spielhallenmitarbeiterin will etwa einen Monat vor der Tat den 33-Jährigen an einer Haltestelle in Bremen kennengelernt haben. Nur vier Mal habe man sich getroffen und dabei eine Gemeinsamkeit ausgemacht: Geldnot. Die 21-Jährige bezifferte gestern ihre Schulden mit 600 bis 700 Euro. Der 33-Jährige sprach von 1500 Euro.

„Die Idee zu der Tat kam von mir“, räumte die 21-Jährige ein. Mehrfach sei die Spielhalle bereits überfallen worden, Täter habe man nie geschnappt. So entwickelten sie den Plan des vorgetäuschten Überfalls. Weil dieser realistisch wirken sollte, maskierte sich der Angeklagte und bewaffnete sich mit einer echt aussehenden Softair-Waffe.

Am Vormittag des 2. November 2014 setzten sie ihren Plan um. Nicht einkalkuliert hatten sie einen Kunden, der den vermeintlichen Räuber von der Tat abhalten wollte. „Wissen Sie, was Sie da tun?“, soll der Verdener sinngemäß gefragt haben. Dass ein maskierter Räuber vor ihm steht und die Waffe auf ihn richtet, war für den 41-Jährigen ein prägendes Erlebnis. Bis zu dem gestrigen Gerichtstermin glaubte der Zeuge an einen Raubüberfall. Schließlich habe die 21-Jährige stark gezittert, als sie dem Täter das Geld aus der Kasse gab. Laut Anklage waren es 2055,70 Euro.

Eine Zeugin hatte den 33-Jährigen kurz darauf vor ihrem Haus in einem Auto beobachtet und der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben. Der Angeklagte konnte zwar zu Fuß weiter auf das benachbarte Hafengelände des Wasser- und Schifffahrtsamtes flüchten, wurde dort aber festgenommen. Wenige Stunden in der Arrestzelle genügten, und er war geständig. Danach räumte auch die 21-Jährige die wahren Umstände des Überfalls ein.

Bis auf den Spielhallenbesucher wurden gestern keine weiteren Zeugen gehört und auch das damalige Großaufgebot der Polizei inklusive Hubschraubereinsatz kam nicht zur Sprache. Nach rund anderthalb Stunden war der Prozess beendet.

Zumindest in dieser ersten Instanz. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, die 21-Jährige zu 500 Euro Geldstrafe und den 33-Jährigen zu einer einjährigen Bewährungsstrafe sowie der Zahlung von 300 Euro an die Stiftung Opferhilfe zu verurteilen. Jugendrichterin Ilse Hastmann-Nott hielt jedoch 30 Sozialstunden für die 21-Jährige und 1500 Euro Geldstrafe für den 33-Jährigen für angemessen.

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, und beide Angeklagten haben noch ganz andere Probleme. Zum einen die Kosten für den Polizeieinsatz und der 33-Jährige wurde nur einen Tag vor diesem Prozess vom Landgericht Bremen verurteilt. Wegen Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Haft.

wb

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