Verdener  Netzwerk Unantastbar warnt

Vor den Karren spannen lassen

Menschen gehen dicht gedrängt durch eine Geschäftsstraße. Manche tragen eine Maske, manche nicht.
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Nicht alle Teilnehmer einer Demonstration am Montag in Verden trugen ihre Masken vorschriftsmäßig, obwohl es teilweise eng wurde. Die Polizei schritt dennoch nicht ein.

Gegen eine Impfpflicht haben am Montag um die 300 Menschen in der Verdener Innenstadt demonstriert. Wer dazu aufgerufen hatte, war zunächst unklar, später verdichtete sich jedoch die Vermutung, dass es Gruppen und Personen waren, die dem rechten Lager zuzuordnen sind.

Verden – Friedlich ist sie laut Polizei gewesen, größer als erwartet und schnell wieder vorbei: die Demonstration am Montag in Verden. Um die 300 Personen hatten sich am Allerpark versammelt, viele davon ohne Maske. Die Polizei schritt dennoch nicht ein. Demonstriert wurde gegen die Impfpflicht, gegen die Spaltung der Gesellschaft. Auf die Frage, wer dazu aufgerufen hatte, gab es keine konkreten Angaben.

Teilnehmer wollten über die sozialen Medien informiert worden sein, von Facebook, Instagram und Telegram war die Rede.

Ob etliche Teilnehmer mehr oder weniger blauäugig in die Demo hineingestolpert waren, kann sich Eva Hibbeler, engagiert im Netzwerk Unantastbar, wohl vorstellen. Sie glaubt aber eher, dass ganz gezielt Menschen in die Stadt gekommen seien, die mit dem extrem rechten Lager sympathisieren. Unter anderem habe die umstrittene Gruppe „Freie Niedersachsen“ dazu aufgerufen.

„Wir sehen das sehr kritisch. Auch, wenn man verstehen kann, dass sich viele Menschen Sorgen machen, weil es jeden Tag zum Thema Corona etwas Neues gibt und sie die Orientierung verlieren. Aber ignorieren geht auch nicht.“

„Das Impfen ist wie ein Sicherheitsgurt.“

Wer an solchen Demonstrationen teilnimmt, müsse sich zuvor fragen, wer das organisiert, wer dahinter steckt oder vor welchen Karren man sich spannen lasse. Wer gegen die Impfpflicht auf die Straße gehe und von einer Spaltung der Gesellschaft spreche, habe ignoriert, dass die Mehrheit für eine Impfpflicht ist. Hibbeler: „Das Impfen ist wie ein Sicherheitsgurt.“ Es schütze vor Lebensbedrohung. Und man könne damit auch andere schützen. „Die Spaltung der Gesellschaft geht da los, wo ich das infrage stelle.“

Ebenso trage die Maske dazu bei, dass sich das Virus ungehindert ausbreiten kann. Hibbeler: „Mir unerklärlich, dass Teilnehmer überhaupt keine getragen haben, oder halb heruntergezogen. Immerhin sind die Leute ganz eng beieinander gewesen.“ Dass die Polizei nicht eingeschritten sei, kann sie nicht verstehen. „Überall müssen sich die Menschen an die Maskenpflicht halten und tun das auch.“

Die Verdener Polizei hat sich am Montag zurückgehalten, obwohl einige Teilnehmer der Demonstration keine Maske oder sie unter dem Kinn trugen. In diesem Falle hätte sie Bußgelder verhängen können.

„Sie haben vielleicht eine falsche Freiheitsauffassung.“

Sich selbst und andere vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen, dafür macht sich auch Bürgermeister Lutz Brockmann stark. Eine Impfung sei nun mal das beste Mittel, um schweren Verläufen oder Langzeitfolgen vorzubeugen. Die Teilnehmer der Demonstration am Montagabend möchte er nicht in die Ecke der Corona-Leugner stellen. Er habe den Eindruck gehabt, dass es eine sehr bunte Mischung gewesen sei. „Man spürt jedoch eine Antriebsmüdigkeit, wobei wissenschaftliche Erkenntnisse nicht wahrgenommen werden oder das Vertrauen in sie fehlt. Man sollte immer die Chance nutzen, durch Gespräche zu überzeugen.“ Zu bedenken sei darüber hinaus, dass Kinder von Impfgegnern nicht für sich selbst entscheiden könnten. „Es sind nicht alle dem rechten Lager zuzuordnen, aber sie haben vielleicht eine falsche Freiheitsauffassung. Die Gesellschaft muss handlungsfähig bleiben.“

Den Bürgermeister wundert es nicht, dass „das rechtsextreme Lager versucht, Kontakt aufzubauen“. Wichtig sei, die Freiheit zu nutzen, für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen.

Brockmann befürchtet, dass sich alle, die sich nicht impfen lassen wollen, wohl erkranken werden. „Für sie hoffe ich, dass es nicht zu einem schweren Verlauf kommen wird.“

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