Endlagersuche für Atommüll: Sechs Standorte liegen im Landkreis Verden

Von Oyten bis Barme alles im Fokus

Weiträumig verteilt und in einigen Bereichen überlappend: Die Teilgebiete für die Endlagersuche im Raum Verden/Achim. Die federführende Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellt die Tongesteine in rötlichen Farben dar, die Salzgesteine in Grün.
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Weiträumig verteilt und in einigen Bereichen überlappend: Die Teilgebiete für die Endlagersuche im Raum Verden/Achim. Die federführende Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellt die Tongesteine in rötlichen Farben dar, die Salzgesteine in Grün.

Verden/Achim – Vielleicht noch Thedinghausen. Als es um die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall in Deutschland ging, tauchte die Samtgemeinde in den Schlagzeilen auf. Nur kurz, aber sie war wie berichtet dabei. Wer genau hinschaut, findet auch den Eintrag auf der Homepage der Gemeinde Dörverden. Und der Rest des Landkreises kann sich beruhigt zurücklehnen? Geht uns nix an? Geht uns sehr wohl was an. Wie jetzt bekannt wurde, ist nahezu der gesamte Raum zwischen Wümme, Weser und Aller in den Fokus geraten. Und weite Teile von Geest und Heide ebenfalls. Auf erste aufkeimende Irritationen reagiert die federführende Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) jetzt mit Bürgerinformationen. Für die Region Verden sind an vier aufeinander folgenden Tagen ab heutigem Montag solche Info-Abende vorgesehen. Alle auf bge.de/Youtube.

Bei der Endlagersuche wird alles sondiert, was nach festerer Form tief unter der Erdoberfläche aussieht und irgendwie als Standort für Atomfässer in einem Zeitraum von gut einer Million Jahre in Frage kommt. „Wir untersuchen Gebiete mit Tonstein, mit Steinsalz und mit kristalliner Struktur, also mit Granit. Sie gelten als nutzbares Wirtsgestein für ein solches Endlager“, sagt Sven Petersen von der Behörde. Und davon gibt es kreisweit eine ganze Menge, insgesamt sechs an der Zahl. Am stärksten vertreten ist den Grafiken zufolge das sogenannte Tertiäre Tongestein. Ob Ortschaften wie Sagehorn, Uphusen, Blender, Walle, die gesamte Gemeinde Langwedel oder ausladende Bereiche in Kirchlinteln: Alles wollen Experten einer Sichtprüfung unterziehen. Lediglich einige ganz wenige Abschnitte fallen nicht in den Fokus: eine schmale Schneise von Fischerhude und Quelkhorn über Oyten und Bassen, die Achimer Kernstadt und Uesen sowie der Raum Lunsen und Morsum. Auch die Verdener Kernstadt, Holtum (Geest) und der Süden der Gemeinde Dörverden kommen davon.

Die zweite interessante Erdschichtenlage, das sogenannte Präteritiäre Tongestein, es findet sich entlang der Weser zwischen Achim und Verden, vorrangig also in der Gemeinde Langwedel, sowie beidseitig der Aller zwischen Otersen und Hodenhagen. Und selbst vor dem Steinsalz scheuen die Fachleute nicht zurück. Was Gorleben zu einem Ausschlusskriterium verholfen hat, das soll nun im Nordkreis im Raum Sagehorn und zwischen Achim und Thedinghausen sowie im Südkreis links und rechts der Weser bei Dörverden genauer unter die Lupe genommen werden. In diesen Bereichen erwartet die Bundesbehörde Steinsalz in steiler Lagerung, wie es heißt, Salzstöcke also.

Für die Teilgebiete, die sich auf den Landkreis Verden erstrecken, aber meist weit darüber hinaus reichen, führt die BGE ab heutigem Montag Online-Sprechstunden durch. Insgesamt wurden mehr als 80 Teilbereiche festgelegt, nach aktuellem Stand sind sechs Termine für Gebiete des Landkreises Verden geplant.

Noch befindet sich die Suche nach einem nuklearen Endlager allerdings in den Kinderschuhen. Das beauftragte Bundesunternehmen, die BGE mbH, hatte am 28. September in seinem Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlicht. Einzusehen ist er inklusive einer interaktiven Karte unter www.bge.de. Darin macht die Behörde einer Pressemitteilung zufolge Vorschläge, welche Gebiete aus der weiteren Suche ausgeschlossen werden sollen, da sie bereits grundsätzlich die geologischen Anforderungen an ein Endlager für hochradioaktive Abfälle nicht erfüllen. Gleichzeitig wurden Gebiete vorgeschlagen, die geologisch eine grundsätzlich günstige Voraussetzungen erfüllen und zunächst weiter im Verfahren bleiben sollen. Auf dieser Basis hat das BGE entsprechend der gesetzlichen Vorgaben zum Auftakt der Fachkonferenz Teilgebiete eingeladen. Die inhaltliche Beratung und Diskussion des Zwischenberichtes wird an drei Terminen bis Juni nächsten Jahres erfolgen. Die Festlegung eines konkreten Standortes für ein Endlager wird gemäß Standortauswahlgesetz für das Jahr 2031 angestrebt. Wird dieser Zeitplan eingehalten, könnte ein Endlager optimistisch etwa im Jahr 2050 zur Verfügung stehen.

Von Heinrich Kracke

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