Von Eisselern für Eissel

Ab ins Boot: Herrscht Hochwasser, wird ab „Deichschröder“ nach Dauelsen übergesetzt.  
Foto: heimatverein
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Ab ins Boot: Herrscht Hochwasser, wird ab „Deichschröder“ nach Dauelsen übergesetzt. Foto: heimatverein

Es ist das pure Idyll: Hühner laufen über den Hof, Kühe werden auf der Wiese gemolken, ein gemütlicher Plausch am Gartenzaun. Auf 444 Seiten hat der Heimatverein Eissel, federführend Günter Palm, ein Stück Dorfgeschichte lebendig werden lassen. Bilder der Nachkriegszeit bis in die 1970er-Jahre. „Ein Buch von den Eisselern für die Eisseler“, so Autor Günter Palm.

Verden-Eissel – Das Dorf Eissel gibt es seit über 900 Jahren. Gefeiert wurde das Jubiläum 2017. Eine Ausstellung mit großformatigen Bildern zeigte das Leben auf dem Dorf in den vergangenen Jahrzehnten. „Schon damals wurde der Wunsch nach einer Chronik laut, mit mehr Bildern, die zugleich auch die Veränderungen des Dorfes beschreiben“, so Günter Palm. Er ließ sich nicht lange bitten, schwang sich aufs Rad und sammelte. Herausgekommen ist ein umfangreiches Werk „Altes Eissel – eine Dorfchronik in Bildern“.

Bei seiner Radtour durch das Dorf Eissel führte Palm viele Gespräche und stieß bei seinem Vorhaben auf große Resonanz. „Die Menschen öffneten bereitwillig ihre Fotoalben, durchstöberten Keller und Boden, auf der Suche nach Fotos“, erzählt Palm. Er selbst kam 1954 in dem Dorf zur Welt, wuchs dort auf und kennt den Ort in- und auswendig.

Der Fundus, den Palm bei seiner Suche zusammentrug, schien unermesslich, teilweise überließen ihm seine Gesprächspartner sehr persönliche Aufnahmen. „Das hat mich besonders gefreut, weil eben diese Aufnahmen das Leben im Dorf und die damit verbundenen Veränderungen originalgetreu widergeben“, so Palm. „Historische Fotos von der Dorfschule, der Feuerwehr, von den Höfen gab es schon immer, doch der Blick über den Gartenzaun, zum Teil auch in die Häuser und das dortige Leben, das fehlte.“

Palm sammelte und das mit Erfolg. Fotos von Hochzeiten und den großen Gesellschaften, Begegnungen auf Erntefesten, auch Motive von Schützenfesten, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg im Dorf gefeiert wurden. Danach kam es zu keiner Neugründung des Vereins mehr. Und natürlich der Eisseler See. Er war Treffpunkt von Familien, den Kindern und der Jugend. Pures Badevergnügen, schöne Sommer in einem dörflichen Idyll, fern von Alltagsstress.

Unternehmungslustig waren und sind die Eisseler, wie die Bilder von frühen Ausflügen der Dorfgemeinschaft in den Harz, in das Weserbergland oder zu den Elbbrücken zeigen. Und es gibt persönliche Begegnungen auf vielen Seiten, darunter mit Brüne Timm. Keiner in Eissel, der den pfeiferauchenden Mann zur damaligen Zeit nicht kannte, wie er in den Nachkriegsjahren die Milch bei den Bauern abholte und zur Molkerei brachte.

Das Dorf Eissel ohne sein Hochwasser in den Wintermonaten, die Chronik wäre nicht vollständig. Eindrucksvolle Bilder, wie die Dorfbewohner, eingeschlossen von Eis, Wasser und Schnee, im Gasthaus Schröder in den Abendstunden zusammenkommen oder ab „Deichschröder“ mit dem Boot übersetzen.

Ein besonderes Datum war der 30. Juni 1967: Die Dorfschule Eissel wurde mit dem Abschied von Lehrer Ludwig Fricke geschlossen, künftig drückten die Kinder in Dauelsen die Schulbank.

Unzählige Schachteln, Alben und Motive lagen vor Palm, da hieß es, nicht den Überblick zu verlieren. Und das gelang dem Autor. So teilte er das Buch übersichtlich in verschiedene Themenbereiche wie „Unser Dorf“, „Eisseler See“, „Hochwasser“, „Dorfschule zu Eissel“, „Das Löschwesen in der Ortschaft“, „Brauchtum und Sitten“ sowie „Ausflüge in den Nachkriegsjahren“. Und es gibt eine Liste, die sämtliche Höfe im Ortskern Eissel, 42 an der Zahl, aufführt sowie – im Falle eines Abbruchs – das Datum ihrer Auflösung nennt. Dazu beschreibt eine Karte die Lage der Höfe, sodass sich auch Ortsunkundige schnell zurechtfinden.

Palm wollte die Bilder nicht nur aneinanderreihen, sondern mit möglichst vielen Informationen und Hinweisen verbinden. Er wollte wissen, wer da auf den Fotos mit wem sprach, wer da seine Kuh auf der Weide melkte, sein Pferdegespann führte, seinen Trecker fuhr oder die Hühner auf dem Hof fütterte. „Nur so ist es letztendlich auch für den Betrachter von außen interessant“, erzählt der Autor. Für die Recherchen waren ebenfalls unzählige Gespräche zu führen, die für Palm selbst eine schöne Erfahrung waren. „Überall bin ich freundlich empfangen worden, es gab, meist bei einer Tasse Kaffee und auf Platt, bereitwillig Auskünfte. Und so ist es eben ein Buch von Eisselern für Eisseler geworden“, freut sich Palm.

Das Buch kommt in den nächsten Tagen auf den Markt. Viele Eisseler haben bereits bestellt, und auch das sei nur durch eine besondere Aktion möglich gewesen. „Um das Projekt finanzieren zu können, haben wir vorher per Flyer und Rundschreiben das Interesse abgeklopft. Bei Zusagen mussten die Abnehmer in Vorkasse gehen und das hat hervorragend funktioniert“, so Palm. Nun dürfen sich die Investoren auf eine kurzweilige Lektüre freuen.

Info

Herausgeber der Dorfchronik ist der Heimatverein Eissel, Redaktion und Zusammenstellung, Gestaltung und Fotobearbeitung Günter Palm. Druck: Druckerei Brüggemann, Bremen.

Von Markus Wienken

Holte die Milchkannen: Brüne Timm.
Mit den Menschen gesprochen: Autor Günter Palm sammelte und arbeitete drei Jahre an der Eisseler Chronik. 444 Seiten ist der Band stark. Foto: wienken
Treffpunkt der Jugend: Badespaß in den 1950er-Jahren im Eisseler See.

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