Von der Decken tritt zurück

„Ich setze volles Vertrauen in unsere Justiz“, so Werner Schade, hier mit seiner Anwältin Heike Ahrens-Kulenkampff vor dem Arbeitsgericht. Im Hintergrund Dr. Nils Bulling und der zurückgetretene Vorsitzende Hans-Henning von der Decken (v.l.).
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„Ich setze volles Vertrauen in unsere Justiz“, so Werner Schade, hier mit seiner Anwältin Heike Ahrens-Kulenkampff vor dem Arbeitsgericht. Im Hintergrund Dr. Nils Bulling und der zurückgetretene Vorsitzende Hans-Henning von der Decken (v.l.).

„Vorsitzender Hans-Henning von der Decken tritt von seinen Ämtern zurück“: Mit wenigen Worten verkündet der Hannoveraner Verband im Internet, dass der Züchter aus Stade nach nur drei Jahren im Amt hinwirft.

Verden – Gründe für den Rücktritt vom Vorsitz des geschäftsführenden Vorstandes werden nicht genannt. „Das bleibt so stehen“, hielt sich auch von der Decken auf Nachfrage bedeckt. So lässt sich nur vermuten, dass sein Schritt mit den Querelen zusammenhängt, die den Verband seit mehr als einem Jahr begleiten. Auch innerhalb des Vorstandes.

Die Entscheidung verdiene Respekt, sei richtig, aber vielleicht „ein bisschen spät“ gefallen, kommentiert Hartmut Wilking den Rücktritt von der Deckens. Der Stemweder ist stellvertretender Vorsitzender. Für den Verband gehe es nach dem Ausscheiden von der Deckens jetzt „normal weiter“, so Wilking.

Am 24. August findet die Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes in der Niedersachsenhalle statt. Auf der Tagesordnung steht unter Punkt 14 „Wahlen der neuen Verbandsgremien“. „Dort haben sich viele gute Kandidaten beworben“, berichtet Wilking. „Noch nicht für den Vorsitz. Aber ich denke, dass sich auch dafür gute Leute finden.“

Er selber werde „auf keinen Fall“ für den Vorstand kandidieren, betont er. Das habe er schon vor einem halben Jahr erklärt. „Ich glaube, wir brauchen einen Neuanfang, wir brauchen neue Leute.“

Der große Gesamtvorstand sei gespalten, sagt Wilking und spricht von Eitelkeiten und persönlichen Befindlichkeiten dort. Die Ehrenamtlichen hätten das gute Personal des Verbandes in der Vergangenheit in die Bredouille gebracht. Da nehme er sich selber nicht aus.

„Den Rücktritt und wie es dazu gekommen ist, hätten wir nicht gebraucht“, fasst Wilking zusammen. Von der Decken sei „ein feiner Kerl“, der in etwas reingeschlittert sei. „Er hat nicht den richtigen Weg gefunden, da heil wieder rauszukommen.“

Ende April 2019 wurde der damalige Geschäftsführer und Zuchtleiter Dr. Werner Schade freigestellt. Zu den Gründen schwieg der geschäftsführende Vorstand. Mitte Mai beschloss der Gesamtvorstand mit 13 zu 7 Stimmen die Kündigung Schades. Zwei Monate später trat der Verband mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit und warf Schade „erhebliche Pflichtverletzungen“ vor.

Einzelheiten förderte aber erst die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht im Oktober zutage. Dort klagt Schade gegen den Hannoveraner Verband auf Wiedereinstellung. Hans-Henning von der Decken vertrat den Verband beim ersten Termin. Dreh- und Angelpunkt seiner Befragung war ein Vertrag, den Schade Anfang 2019 aufgesetzt hatte, nachdem Kristin Andresen, gute Kundin des Hannoveraner Verbandes, ein Pferd reklamiert hatte.

Die Norwegerin hatte den Hengst Dario im Oktober 2018 für 120 000 Euro ersteigert. Spontan. Daher wusste die Skandinavierin nichts von Darios Shivering-Syndrom. Die Zitterkrankheit ist in Dänemark, wo der Hengst eingesetzt werden sollte, ein Zuchtausschlusskriterium.

Werner Schade handelte einen Vertrag zwischen Käuferin, Verkäufer und dem Verband aus. Der Hengst sollte trainiert und erneut versteigert werden. Auch die Unterschrift von der Deckens steht unter dem Vertrag, aber als sogenanntes Faksimile.

Urkundenfälschung wirft der Verband Schade seitdem vor und erkennt den Vertrag nicht an. Er sei in dem festen Glauben gewesen, das Einverständnis zum Abschluss zu haben, hält Schade dagegen. Von der Decken sagt, den Inhalt des Vertrages habe er nur „in groben Umrissen“ gekannt.

Seine Glaubwürdigkeit gerät nun ins Wanken. In einem Schreiben an den Gesamtvorstand nimmt von der Decken Stellung zu den Vorwürfen Wilkings, in Bezug auf die Shivering-Diagnose Darios gelogen zu haben. Und tatsächlich räumt er ein, „im vergangenen Jahr eine nicht korrekte Antwort auf die Frage“ gegeben zu haben, ob er über den Befund informiert gewesen sei, und entschuldigt sich dafür. Er habe sich seinerzeit „aufgrund der belastenden Lage mit Dr. Schade in seiner sehr angespannten Position“ befunden. Aufgrund der belastenden Gesamtsituation habe er dann, zum Shivering befragt, nicht richtig zugehört.

Werner Schade sieht in dem Rücktritt von der Deckens „das unvermeidliche Ergebnis seiner eingestandenen Lüge im Fall Dario“. „Dieser unrühmliche Vorgang zeigt nunmehr offen, wie es um den Vorstand des Hannoveraner Verbandes bestellt ist“, sagt der 57-Jährige. Für ihn sei klar, dass die Gründe, die für seine Kündigung herangezogen worden seien, nun hinfällig seien. „Ich setze volles Vertrauen in unsere Justiz, die dies ganz sicher entsprechend beurteilen wird.“  kp

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