Stadtführerin Sabine Lühning hat viel zu erzählen / Morgen Premiere im Rhododendron-Park

Von Bäumen und Strolchen

Guck mal, was da wächst. Das neueste Angebot von Stadtführerin Sabine Lühning führt in den Verdener Rhododendron-Park.
+
Guck mal, was da wächst. Das neueste Angebot von Stadtführerin Sabine Lühning führt in den Verdener Rhododendron-Park.

Verden – Ob als Nachtwächterin mit Umhang und Laterne oder im strengen Gehrock als die Lehrerin Fräulein Bickel, Sabine Lühning schlüpft gerne mal in ein Kostüm, wenn sie im Dienst ist. Sabine Lühning ist Stadtführerin, eine von elf in Verden. Seit 2010 zeigt sie Gästen und Einheimischen die Besonderheiten Verdens.

Dass es derer viele gibt, zeigt nicht nur ein Blick auf die mehr als 1 000-jährige Geschichte Verdens, sondern auch auf das Angebot von Sabine Lühning. Etwa 30 verschiedene Führungen habe sie mittlerweile im Programm, berichtet sie und klingt dabei ein wenig stolz. Jedes Jahr sei etwas hinzugekommen.

In Absprache mit dem Domvorstand entstand etwa die Führung über den Domfriedhof, zum Beispiel zu den Persönlichkeiten, die dort begraben liegen. Gerne lädt sie ein, auf den Spuren Verdener Bierbrauer zu wandeln, Verkostung inklusive. Und die klassische Stadtgeschichte weiß die Verdenerin auch über Straßennamen oder Redewendungen zu erzählen.

Ganz neu ist die Führung durch den Verdener Rhododendron-Park. Morgen, am Sonntag, wird Sabine Lühning erstmals Interessierte durch die Anlage führen, von Mammutbaum und dem Teufelskrückstock erzählen und verraten, unter welchem Baum der erste „Europäer“ gezeugt wurde.

Den Teilnehmern verspricht Lühning, nach der Führung „einen anderen, neuen Blick auf unsere Bäume“ zu haben. Den habe sie bereits bei sich selber festgestellt. Durch die Vorbereitungen gehe auch sie mit anderen Augen durch die Stadt. „Und es hat bewirkt, dass ich einen kleinen Ginkgobaum im Garten habe“, verrät sie schmunzelnd.

Für die gebürtige Lüneburgerin, die seit 25 Jahren in Verden lebt, wird der Gang durch den Park der verspätete Start in die Saison sein. Corona bremste sie und ihre Kollegen mächtig aus. Doch Sabine Lühning hat die zurückliegenden Monate gut genutzt.

„Die Recherchearbeit nimmt viel Zeit in Anspruch, macht aber auch viel Spaß“, sagt sie. Heimatkalender, Kirchenbücher, Kreis- und Stadtarchiv zählen zu ihren Quellen. Für den Rhododendron-Park hat sie etliche Naturkundeführer gewälzt, um morgen gut auf die Interessen der Gruppen eingehen zu können. Die, das weiß sie aus Erfahrung, sind meist ebenso vielfältig wie die Geschichte(n) der Stadt.

„Einen Verdener interessieren eher Einzelheiten“, berichtet sie. Gäste hätten oft Fragen zu Aktuellem, zu Einwohnerzahlen oder Industrie. „Und so ist es jedes Mal anders“, fügt die Stadtführerin hinzu und lächelt erfreut.

Das Wichtigste sei es daher immer, ein Gespür dafür zu haben, was die Zuhörer interessiere. „Ich kann geschichtlich alles raushauen“, erklärt Sabine Lühning. „Aber ob sie das alles wissen wollen...“

Um Vergangenes greifbarer zu machen, habe sie gerne ein paar Gegenstände dabei, zum Beispiel das Notgeld, mit dem die Verdener in den 20er-Jahren bezahlten, oder eine mittelalterliche Flohfalle.

Außerdem dürfe man nicht zu trocken erzählen, betont Sabine Lühning. „Eine reine Faktensammlung ist langweilig.“ Vor allem bei einer jungen Zuhörerschaft versuche sie, Bezüge zur Gegenwart, zum Alltag herzustellen. „Das bleibt dann hängen.“ Aber „wir erzählen keinen Nonsens, es muss schon historisch belegt sein“.

Grundsätzlich gilt auch für die engagierte Stadtführerin: „Man kann nicht alles wissen.“ Dennoch bleibt der Anspruch, den Teilnehmern einer Führung möglichst keine Antwort schuldig zu bleiben. Auch im eigenen Interesse. Denn „wenn man gut vorbereitet ist und weiß, welche Fragen kommen könnten, dann ist die Aufregung nicht so groß. Dann braucht man keine Befürchtungen zu haben.“ Der Premiere morgen im Rhododendronpark blickt Sabine Lühning darum einigermaßen gelassen entgegen.

Dann lacht sie. „Ich hab die erste Parkführung noch nicht gemacht, da hab ich die nächste schon halb fertig“, verrät sie vergnügt. Unter dem Titel „Mord und Totschlag“ soll es dabei um Verdener Kriminalgeschichten gehen.

„Was hier alles los war, das glaubt man gar nicht“, macht sie schon mal ein wenig Appetit. Dann berichtet sie, dass es einmal einen Mord im Rathaus gegeben habe. Dass ein Streit um Pumpenwasser einst tödlich endete. Und dass die Sparkasse in Verden im 19. Jahrhundert einen Direktor mit großer krimineller Energie hatte.

Millionenbeträge hatte dieser Mann auf die Seite geschafft. Die Stadt sei am Ende auf diesen Schulden sitzen geblieben und habe eine Extra-Steuer erheben müssen, um sie abzahlen zu können. Aber diese Geschichte wird Sabine Lühning ein andermal zuende erzählen.

Führungen

mit Sabine Lühning können über die Tourist-Information oder auch direkt bei der Gästeführerin gebucht werden. Ein weiterer 75-minütiger Gang durch den Rhododendron-Park ist für Sonntag, 2. August, ab 14.30 Uhr, geplant. Anmeldungen per E-Mail unter info@stadtfuehrungen-verden.de oder unter Telefon 04231/8709507. Kosten pro Person: neun Euro. Weitere Informationen unter www.stadtfuehrungen-verden.de.

Von Katrin Preuss

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Erste Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen

Erste Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen

Budosportler zeigen ihr Können

Budosportler zeigen ihr Können

Tausende Tote, zweiter Lockdown: Corona-Hotspots weltweit

Tausende Tote, zweiter Lockdown: Corona-Hotspots weltweit

Das große Sommergewinnspiel: Alle Fotos

Das große Sommergewinnspiel: Alle Fotos

Meistgelesene Artikel

Zwei Umzüge mit Folgen: Café Erasmie muss Torten mit dem Auto anliefern

Zwei Umzüge mit Folgen: Café Erasmie muss Torten mit dem Auto anliefern

Zwei Umzüge mit Folgen: Café Erasmie muss Torten mit dem Auto anliefern
Fünf Millionen Euro für Fledermaus

Fünf Millionen Euro für Fledermaus

Fünf Millionen Euro für Fledermaus
Dörverdenerin möchte sich bei ihrer Ersthelferin bedanken

Dörverdenerin möchte sich bei ihrer Ersthelferin bedanken

Dörverdenerin möchte sich bei ihrer Ersthelferin bedanken

Kommentare