Kein Verständnis fürs Aussetzen

Vier Waschbären im Karton: Verdenerin kümmert sich um verwaiste Wildtiere

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Die vier quirligen Waschbären standen einfach im Karton vor der Tür von Familie Linz. Das Quartett soll demnächst in ein Außengehege umziehen. Für die nahe Zukunft sucht Julia Linz einen Tierpark, der die Waschbären aufnehmen kann.

Verden - Von Wiebke Bruns. Vielen war es vermutlich gar nicht bekannt, aber Verden hat eine private Wildtierpflegestelle. Julia Linz kümmert sich fürsorglich um kranke Tiere und Jungtiere, die sonst keine Überlebenschance hätten. Jeder kann sie um Hilfe bitten, doch kein Verständnis hat die 36-Jährige dafür, dass man ihr Tiere heimlich vor die Tür stellt. So wie kürzlich vier Waschbärbabys.

Bereits während ihrer Ausbildung zur Tierarzthelferin nahm sie die tierischen Notfälle aus der Praxis mit nach Hause und päppelte sie auf. Seit nunmehr zehn Jahren betreibt sie eine private Wildtierpflegestelle. Erst im Landkreis Nienburg, nun in ihrer Geburtsstadt Verden, wo sie seit sechs Jahren wieder mit ihrer Familie lebt.

Polizei und Feuerwehr greifen bei Bedarf auf sie zurück. Finanziell gibt es jedoch keine Unterstützung. Alles wird privat finanziert und das stellt die Familie mitunter vor Herausforderungen. So wie aktuell.

Für die Waschbären baute ihr Mann in einer Nachtaktion einen Kellerraum um, doch nun braucht das Quartett ein Außengehege. Kosten: rund 1 .000 Euro. Kürzlich ist der Kühlschrank fürs Tierfutter kaputt gegangen und satt will die Bande auch täglich werden. Derzeit verfüttert sie täglich rund ein Bund Bananen, eine Packung Weintrauben, zudem Aufzuchtmilch, Babybrei, Fleisch und einiges mehr. Spenden sind also sehr willkommen. Gerne auf das Konto-Nr. DE 94 2915 2670 0020 2089 55 bei der Kreissparkasse Verden.

Ausdrücklich weist Julia Linz darauf hin, dass man Wildtiere nicht einfach aus der Natur entnehmen darf. „Das ist eine Straftat. Vorher muss der Jagdpächter informiert werden“, betont sie und erklärt die Regeln: Es brauche nicht jedes hilflos erscheinende Tier oder jeder auf dem Boden sitzende Vogel sofort menschliche Hilfe. Beobachten, jemanden fragen, der sich damit auskennt, und nur eingreifen, wenn wirklich Hilfe geboten ist.

Die benötigte kürzlich ein Eichhörnchen-Baby, das mit noch geschlossenen Augen auf dem Gelände der Kindertagesstätte in Achim-Baden aufgefunden worden war. Es wird seit ein paar Wochen in der Quarantänestation, die Julia Linz im Keller ihres Wohnhauses eingerichtet hat, aufgepäppelt. Neben einer Schleiereule, die ihr die Polizei gebracht hat.

Die kleine Schleiereule wurde von der Polizei bei Julia Linz abgeliefert.

Der Karton mit den vier Waschbären stand morgens vor ihrer Haustür. „Ich vermutete erst Katzen darin“, sagt sie. Doch dann blickte sie in die Panzerknacker-Gesichter. Anders als bei ihren anderen Zöglingen, bei denen immer die Auswilderung das Ziel ist, dürfen die kleinen Bären nicht mehr in die freie Natur entlassen werden. Weil sie zu den invasiven Arten gehören, ist die Auswilderung verboten und nach einer neuen EU-Regelung nicht einmal Transport und Haltung ohne Weiteres möglich.

Julia Linz hat eine Ausnahmegenehmigung des Landkreises für diese vier Bären, muss aber einen Wildpark oder dergleichen finden, der die Tiere dauerhaft halten darf.

Eines der Babys brauchte anfangs sogar noch die Flasche. Alle zwei Stunden ist Julia Linz zum Füttern aufgestanden. Mittlerweile kann sie wenigstens nachts wieder durchschlafen.

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