Viele Likes - großes Selbstbewusstsein

Moritz Becker spricht über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen

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Die beiden Holzfiguren „Max“ und „Lisa“ sollen die Jugendlichen von heute sowie ihre Eigenschaften repräsentieren.

Verden - Von Antje Haubrock-Kriedel. Das Smartphone ist heute ein fester Bestandteil im Leben von Kindern und Jugendlichen. Ohne WhatsApp, Instagram oder Snapchat gehört man einfach nicht mehr dazu. Doch das Internet birgt auch Gefahren. Wie aber sollen die Eltern, die komplett ohne diese Medien groß geworden sind, ihren Kindern einen kompetenten Umgang mit Internet und Smartphone vermitteln? Auf Einladung des Präventionsrates und des Schulvereins Verdener Campus referierte am Dienstagabend der Eltern-Medien-Trainer Moritz Becker vom „Smiley“-Verein aus Hannover in der Oberschule.

Auf nachvollziehbare, bisweilen nachdenkliche, aber auch auf überaus unterhaltsame Art und Weise, stellte er die Mediennutzung von Kindern sowie Jugendlichen dar und gab Tipps sowie Hilfestellung in der Medienerziehung.

„Alles, was ich Ihnen heute erzähle, basiert auf den Aussagen der Kinder, mit denen ich in den Schulen gesprochen habe“, so Becker. So erhielten die Anwesenden ein authentisches Bild vom Verhalten ihres Nachwuches im Netz. Zum besseren Verständnis hatte der Referent die Holzfiguren „Max“ und „Lisa“ mitgebracht, die er mit den entsprechenden Eigenschaften ausstattete. Der Renner bei den Jugendlichen ist derzeit Instagram, ein Onlinedienst zum Teilen von Fotos und Videos. „Das, was alle wollen, ist Anerkennung. Wer keine bekommt, versucht Aufmerksamkeit zu erregen. Dieser Plan B ist besser als nichts. Soziale Medien spielen mit diesen Bedürfnissen. Hass im Netz ist also ein Selbstzweck, um Aufmerksamkeit zu erregen. Je radikaler der Auftritt, umso mehr Aufmerksamkeit“, erklärte der Referent.

Wer ein Bild von sich hochlade, sei auf der Suche nach Anerkennung. Je mehr Likes, desto besser. Die pubertierenden Jugendlichen fühlen sich bestätigt und schöpfen aus den positiven Kommentaren Selbstbewusstsein. „In der Pubertät gibt es nichts Wichtigeres als das, was die anderen von einem denken“, weiß Becker. Je stabiler das soziale Netzwerk, desto mehr Likes können sie verzeichnen.

„Was ist aber mit denen, die am Rand stehen?“, gab der Medientrainer zu bedenken. So kann ein gepostetes Bild mit Kussmund und tiefem Ausschnitt, je nachdem, wer es hochgeladen hat, völlig unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Während das beliebte Mädchen haufenweise positive Kommentare bekommt, wird die Außenseiterin nicht selten als „Schlampe“, „Hure“ oder „likegeil“ beschimpft.

Becker warnte die Eltern in diesem Fall dringend davor, dem Kind zu sagen, es trägt die alleinige Verantwortung. „Niemand ist selbst Schuld, weil er eine Angriffsfläche bietet.“ Als Prävention gebe es die Möglichkeit, diese zu reduzieren, zum Beispiel durch einen privaten Account. „Vielen sind die Likes aber wichtiger, als ihre Privatsphäre.“ Aufmerksamkeit und Anerkennung im „richtigen“ Leben führe aber oftmals dazu, dass die Jugendlichen ihren Auftritt im Internet reduzieren. Der Tipp des Medienexperten an die Eltern ist, den Kindern öfter zu sagen, was an ihnen gut ist. „Dann sind sie vielleicht nicht so sehr von den Likes im Netz abhängig.“

Um Mädchen und Jungen zu kompetenten Internetnutzern zu erziehen, müssten sie schon früh an dieses Medium herangeführt werden, forderte der Elterntrainer. Man ließe ein Kind ja auch nicht unvorbereitet am Straßenverkehr teilnehmen. Die Devise dabei laute „Begleitung statt Kontrolle“. „Wenn die Eltern wissen, dass das Kind damit umgehen kann, darf es sein eigenes Smartphone bekommen. Mit dem Fahrrad ist es schließlich genauso“, gibt der Experte einen Tipp.

Das Handy gehöre heute zum Alltag dazu, Altersgrenzen seien daher nicht hilfreich. „Die Jugend ist genauso großartig wie wir damals. Wir müssen sie nur verstehen“, betonte Becker.  

ahk

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