Im Archiv gekramt

Verdener Bräuche zum Jahreswechsel im 19. Jahrhundert

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Dr. Björn Emigholz hat Dokumente über Silvester-Bräuche im Archiv gefunden. 

Verden - „Dieses Jahr es möge immer Freude und Glück dir schenken gar ...“ Mit diesen herzlichen Versen wendet sich ein Verdener am Neujahrstag des Jahres 1839 an seine verehrte Elisabeth. „Wir wissen nicht, wer diese Elisabeth war, aber solche Briefe wurden damals häufig geschrieben“, berichtet Dr. Björn Emigholz. Der Leiter des Domherrenhauses hat im Magazin des Museums und im städtischen Archiv gegraben und Sitten wie diese, aber auch derbere Gebräuche zu Tage gefördert, die den Jahreswechsel der Verdener in vergangenen Zeiten begleitet haben.

Als die Zeilen an die geliebte Elisabeth entstanden sind, waren andere Verdener sicher gerade damit beschäftigt, die Feier des Jahreswechsels vorzubereiten. Und bei diesen Festlichkeiten spielte der Alkohol eine große Rolle. Der Verdener Historiker zeigte sich im Gespräch beeindruckt von damals beliebten Punschrezepten. Er hatte die hochprozentigen Anleitungen in einem verbreiteten Kochbuch gefunden, das 1835 erschienen ist und als Bestand des Verdener Museums erhalten blieb.

„Die Leute haben enorm viel getrunken“, stellt Emigholz fest. Schampus, verschiedene Weinsorten und Hartes wie Rum oder Arrak wurden flaschenweise zu den süßen fruchtigen Mischungen verarbeitet.

„...und natürlich getrunken“, ergänzt Emigholz. Wohlhabende hätten die körperlichen Folgen des berauschenden Konsums nicht ertragen müssen, Bedienstete hätten sie heim gebracht und betreut. Für die anderen sei der Alkohol sicher eine Flucht aus dem oft sehr harten Alltagsleben gewesen.

Der Neujahrsbrief an Elisabeth.

So kann man sich auch vorstellen, dass es wohl eher Bessergestellte waren, die Zeit, Muße und Bildung hatten, darüber hinaus noch gedrechselte Verse an eine geliebte Elisabeth zu schreiben. Diese Neujahrsbriefe konnten ebenso in zierliche Gedichte wie in höfliche Grußadressen verpackt sein. „Kinder schrieben das an ihre Eltern, Ehepartner einander, aber auch Beschäftigte an ihre Arbeitgeber“, erklärt Emigholz. Wo die Menschen heute es mit guten Wünschen fürs neue Jahr bewenden lassen, musste im 19. Jahrhundert ein sauber geschriebener Brief die Ergebenheit des Verfassers ausdrücken.

Da konnten auch mal hübsche Blumen oder Bildchen eingestreut sein. Und wenn den Briefeschreiberinnen und -schreibern die künstlerischen Fähigkeiten fehlten, konnten sie auf bunte Vorlagen zurückgreifen, die eigens für solche Zwecke gedruckt wurden.

Dieser Silvesterbrauch hat sich offenbar recht lange gehalten. Schon gut ein halbes Jahrhundert früher habe Friedrich der Große am 2. Januar 1783 seinen Offizieren einen solchen Gruß mit einer Ermahnung zukommen lassen: „Ihre Majestät der König lassen allen guten Herren Offiziers vielmals zum neuen Jahr gratulieren, und wünschen, dass sich die übrigen so betragen, dass Sie ihnen künftig auch gratulieren könne.“

Diese Neujahrsbriefe haben sich offenbar bis ins 20. Jahrhundert gehalten. Emigholz entdeckte ein solches aufwendig gedrucktes Dokument, das die „Salzwirker Bruderschaft“ 1902 an Kaiser Wilhelm II. geschickt hat. Wie dieses Schreiben der Berufsgruppe, die in Verden keine Rolle gespielt hat, ins Archiv gelangte, ist nicht bekannt.

Es zeigt aber die Hartnäckigkeit, mit der sich der Brauch gehalten hat. Ein Hausbuch aus der Zeit fand der Museumsleiter, in dem weniger kreative Briefautoren Textvorlagen finden konnten. Sie unterscheiden sich je nach der gesellschaftlichem Position und der persönlichen Beziehung zwischen den Verfassern und den Empfängern. - kle

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