Viel mehr als Wassertreten und Armgüsse

70 Jahre Kneipp-Verein Verden


 Susanne Meyer, Björn Nicklaus und Kathrin Fehsenfeld (von links.) vor dem Domizil des Vereins am Piepenbrink 1 in Verden.
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Möchten noch mehr Menschen für die Lehre von Sebastian Kneipp begeistern: Susanne Meyer, Björn Nicklaus und Kathrin Fehsenfeld (v.l.), hier vor dem Domizil des Vereins am Piepenbrink 1.

Beim Kneipp-Verein in Verden soll in diesem Jahr gefeiert werden. Wenn auch wegen der Pandemie etwas weniger umfangreich. Dennoch: Das 70-jährige Vereinsbestehen und dazu noch der 200. Geburtstag des Namensgebers Sebastian Kneipp sind es wert, dass man darauf anstößt. Vielleicht sogar mit einem Kräutertee. Denn Heilkräuter und gesunde Ernährung gehören zu den Säulen der Kneipp‘schen Lehre.

Verden – Daumen drücken beim Kneipp-Verein Verden. Der hat in diesem Jahr gleich doppelt Grund zum Feiern. Vor 200 Jahren, am 17. Mai 1821, wurde Namensgeber und Sinnstifter Sebastian Kneipp geboren. Der Verdener Verein kann im Herbst dieses Jahres auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Und wenigstens das wollen die Mitglieder dann auch gerne feiern.

Der Vorstand um den ersten Vorsitzenden Björn Nicklaus und Stellvertreterin Susanne Meyer hat dafür jedenfalls schon mal alles in die Wege geleitet. Und die Mitglieder für den 4. September nach Eitze, ins Gasthaus Am Kamin, eingeladen. Eigentlich einen Monat zu früh. Denn die Vereinsgründung datiert auf den 1. Oktober 1951.

Seinerzeit waren es 60 Männer und Frauen unter dem Vorsitz von Heinrich Koch, die sich der Bewegung des Pfarrers aus Bad Wörishofen anschlossen. Seitdem ist der Verein tüchtig gewachsen und hat auch seine Aktivitäten mehr und mehr ausgebaut.

Verein bietet ein umfangreiches Programm an

Markierten in den Anfängen Vorträge die jährlichen Höhepunkte, bildeten sich alsbald Gruppen, die gemeinsam Gymnastik trieben, Wanderungen oder Radtouren unternahmen. Inzwischen ist es ein umfangreiches Programm mit Sport, Kultur und sogar Reisen, aus dem die Mitglieder wählen können. Wenn nicht gerade eine Pandemie alles lahmlegt. „Seit März 2020 herrscht weitestgehend Stillstand“, stellt Björn Nicklaus betrübt fest.

Dennoch zählt der Verdener Kneipp-Verein aktuell rund 650 Mitglieder, viele davon im gesetzteren Alter. Dabei haben die Lehren des bayrischen Pfarrers jeder Generation etwas zu bieten. Davon zeugen auch Aktivitäten der beiden Kneipp-Kindergärten im Landkreis, der Kita St. Josef in Verden und der Kita Daverden.

„Wir sind nicht vor 200 Jahren stehen geblieben“, sagt Susanne Meyer und legt ein dickes Heft auf den Tisch: das Programm des Vereins mit Angeboten von Boule und Boßeln bis Yoga und Pilates. Kneipp, das ist eben weit mehr als Wassertreten und kalte Armgüsse.

Kneipp‘sche Lehre ruht auf fünf Säulen

Die Lehren von Sebastian Kneipp gründen auf fünf Säulen, Bereiche, die ineinandergreifen: Da ist das Wasser, das bei Bädern und Güssen seine Wirkung entfaltet. Die Heilkräuter, die sowohl innerlich, zum Beispiel in Tees, als auch äußerlich, wie bei Wickeln, zur Anwendung, kommen. Die Ernährung, die vollwertig und abwechslungsreich sein sollte. Die Bewegung, gerne in der Natur. Und schließlich das, was der Kneipp-Verein auf seiner Internetseite die Lebensgestaltung nennt.

Im Kurhaus Bad Wörishofen hängt ein Gemälde vom berühmten Sohn der Stadt, dem Pfarrer Sebastian Kneipp.

Für Kathrin Fehsenfeld, Kursleiterin für Heilpflanzen und Heilkräuter im Verein, ist es diese Lebensordnung, die die anderen vier Elemente in sich aufnimmt. „Viele Menschen vergessen heute: Körper und Seele gehören zusammen“, sagt sie.

Beides miteinander in Einklang zu bringen, ist das Ziel der Kneipp’schen Lehre. Der Pfarrer gilt daher als Gründer der modernen ganzheitlichen Medizin. Die Frage danach, wie diese innere Balance zu erreichen ist, darf aber jeder ganz individuell für sich beantworten. So halten es auch Susanne Meyer, Kathrin Fehsenfeld und Björn Nicklaus.

Er kam 1997 über die Ehefrau zum Kneipp-Verein. „Ich hab überhaupt keine Lust dazu gehabt“, räumt der Vorsitzende freimütig ein. Inzwischen hat er die Methoden des bayrischen Pfarrers zu schätzen gelernt.

„Im hohen Alter merkt man schon seine Knochen“, sagt der 76-Jährige, der vor allem auf Bewegung setzt, um dem entgegenzuwirken. Ganz moderat und vor allem nicht unter Zwang.

„Der Tag beginnt mit einem Spaziergang“, berichtet Nicklaus und nennt Radfahren, Wandern, Schwimmen und Wassergymnastik als weitere Aktivitäten. Alles übrigens Angebote des Kneipp-Vereins. „Das hilft, Krankheiten zu überwinden“, betont der Vorsitzende und verweist auf seinen Bandscheibenschaden. „Im komme gut damit zurecht“, sagt er. Er ist sich sicher: Dank der regelmäßigen Bewegung ist ihm die Operation am Rücken erspart geblieben.

Susanne Meyer kam über ihre Tätigkeit bei der Signal Iduna zu Kneipp. Die Versicherung habe mit dem Verein kooperiert. So lernte sie den damaligen Vorsitzenden Horst Eggers kennen. Der umtriebige Eggers erkannte offenbar sofort Meyers Potenzial und spannte sie für den Verein ein. „Ich hatte nicht sehr viel Wissen über Kneipp“, sagt diese. Aber Feste organisieren, das lag und liegt ihr.

Mittlerweile ist die 67-Jährige dank diverser Einführungskurse auch firm in Sachen Kneipp. Und gibt es ein Element in dessen Lehre, das ihr am meisten zusagt, so ist das wohl das Wasser. „Tautreten, das mache ich jeden Morgen“, berichtet Susanne Meyer, „genauso das Wechselduschen.“ Auch Kräutertees trinke sie gerne, „der Jahreszeit entsprechend“.

Was die Natur gerade zum Aufgießen bereithält, weiß Susanne Meyer von Kathrin Fehsenfeld. Als „Kräuterfee“ des Vereins gibt die Erzieherin Kurse zur Verwendung dessen, was am Wegesrand und im eigenen Garten wächst – und leider of nicht wertgeschätzt wird.

Wenn es um sogenanntes Unkraut gehen, zeigt die 44-Jährige Temperament. „Die Leute wollen zurück zur Natur“, sagt sie, „sie kaufen Bio-Lebensmittel, lernen zu imkern. Und dann gehen sie in den Garten und stechen den Löwenzahn aus.“ Kathrin Fehsenfeld schlägt sich vor den Kopf, um ihr Unverständnis darüber auszudrücken.

Denn die frischen Blätter des Löwenzahns eignen sich beispielsweise für Salate und Tees. Die Blüten lassen sich auch für Gesichtswasser verwenden. Ihre Wurzeln können gar zu einem Kaffee-Ersatz verarbeitet werden. Die Verwendung von Wildkräutern sei überdies kostengünstig, stellt Kathrin Fehsenfeld fest. „Und so aktuell wie nie zuvor.“

Insgesamt, da sind sich die drei einig, ließe sich die Kneipp’sche Lehre gut mit der Schulmedizin kombinieren. „Viel liegt am Menschen selber. Das kann man bei Kneipp lernen“, sagt Kathrin Fehsenfeld.

Und liegen die Vereinsaktivitäten derzeit coronabedingt auch brach, so können sich Interessierte wenigstens unter www.kneipp-verein-verden.de ein paar Tipps für heimische Anwendungen holen.

Fortsetzung: Bis September werden monatlich weitere Aktivitäten des Kneipp-Vereins Verden vorgestellt. Die kleine Serie orientiert sich dabei an den Elementen, die die Lehre Sebastian Kneipps ausmachen.

Von Katrin Preuss

Geehrte Mitglieder

Reguläre Jahreshauptversammlungen kann auch der Verdener Kneipp-Verein derzeit nicht abhalten. Die langjährigen Mitglieder, die 2021 geehrt worden wären, sollen dennoch Erwähnung finden.

Seit 25 Jahren im Kneipp-Verein aktiv sind: Günter Bischoff, Ingeborg und Karl Heumer, Gabriele Melloh, Elke Meyer, Christa Moritz, Anneliese und Fritz Rahlmann sowie Elisabeth und Heinrich Sieg. Dieter Kehr blickt auf eine 40-jährige Mitgliedschaft zurück.

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