Viel loben und intuitiv handeln

Dr. Hawellek stellt „Marte Meo“ vor

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Dr. Christian Hawellek.

Verden - Was können Eltern und Pädagogen tun, um die Entwicklung der Kinder intuitiv zu fördern? Antworten auf diese interessante Frage gab am Dienstagabend Dr. Christian Hawellek, Leiter des Norddeutschen Marte-Meo-Instituts in seinem Vortrag „Wurzeln und Flügel“ im Gymnasium am Wall. Anhand zahlreicher Videobeispiele gab er einen Einblick in die Marte-Meo-Methode.

Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut war auf Einladung der Familienwerkstatt im Landkreis Verden nach Verden gekommen. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Überwiegend pädagogische Fachkräfte, aber auch zahlreiche interessierte Eltern waren gekommen.

„Marte Meo“ ist eine Wortschöpfung von Maria Aarts, die in den 80er-Jahren diese Methode in den Niederlanden begründet hat. „Marte Meo“ beschreibt die Erfahrung, die Menschen machen, wenn sie etwas aus eigener Kraft erreichen. „Wer etwas aus eigener Kraft geschafft hat, entwickelt Selbstvertrauen“, erläuterte Hawellek. Wichtig für die Entwicklung der Kinder seien positive Vorbilder. „Die Fähigkeit, nachahmen zu können, ist das größte evolutionäre Geschenk.“

Als Beispiel zeigte er ein Video von der drei Monate alten Matilda und deren Vater. Der Vater wartet auf eine Reaktion seines Kindes und antwortet ihm mit ähnlichen Lauten. „Das Baby weiß, es wird gehört. Dieses Beispiel zeigt, wie früh sich ein Kind auf ein ,Gespräch’ konzentrieren kann. Der Vater handelt intuitiv.“ Diese Fähigkeit sei bei allen Eltern vorhanden, so der Referent.

Auch der Vater der gleichaltrigen Johanna macht intuitiv alles richtig. Er spricht freundlich und liebevoll mit seinem Baby. Er kündigt seine Handlung an, zeigt die Windel und lobt die Kleine, wenn das Wickeln abgeschlossen ist. „Dieses Vorgehen ist die Grundlage der Orientierung für das Kind“, erklärte der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Im Video ist außerdem zu sehen, dass der Vater einen Rhythmus einhält. Nach jedem Handlungsschritt kommuniziert er mit seiner Tochter. „So früh entstehen Kooperationsmodelle. Leider gibt es viele Menschen, die nicht mit ihren Kindern sprechen, weil sie glauben, diese verstehen sie sowieso nicht“, bedauerte Hawellek.

Wie Eltern ihrem Kind Selbstbewusstsein in schwierigen Situationen vermitteln können, zeigt das Video „Wasserhahnheld“. Ein etwa sieben Monate alter Junge sitzt in der Küche neben der Spüle. Er dreht den Wasserhahn auf und erschrickt sich, als das Wasser läuft. Seine Mutter spiegelt die Emotionen ihres Kindes mit einem ähnlichen Laut wider und zeigt ihm anschließend, was er tun muss, um das Wasser abzustellen. „Dadurch, dass sich ähnliche Ereignisse im Alltag wiederholen, entwickeln die Kinder Selbstbewusstsein in schwierigen Situationen.“

Damit das Kind eine eigene Persönlichkeit, so etwas wie Selbstkompetenz entwickeln könne, sei eine folgende erzieherische Präsenz notwendig. Für die Entwicklung sozialer Fähigkeiten bedürfe es einer (an-)leitenden erzieherischen Präsenz. „Durch den zur Situation passenden Wechsel zwischen Folgen und Leiten lernen die Kinder, kompetent zu handeln“, so Hawellek. Was darunter zu verstehen ist, zeigte er in einem Video von der kleine Mia und ihrer Erzieherin im Bällebad. Die Erzieherin folgt zunächst den Initiativen des Kindes, greift seine Ideen auf und leitet es anschließend an, indem sie zum Beispiel die Zahl oder Farben der Bälle benennt. „Dem Kind Präsenz und Zugewandtheit zu zeigen, ist wesentlich wichtiger, als das Kind in die eine oder andere Richtung gezielt zu fördern“, machte Dr. Hawellek deutlich. 

ahk

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