Verzweifelte Eltern mit ihren Kindern in der Bürgermeistersprechstunde bei Lutz Brockmann

„Wir wollen den normalen Alltag“

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Sprechstunde beim Bürgermeister: Zahlreiche Eltern sind durch den andauernden Streik in den kommunalen Kitas mit ihren Nerven am Ende.

Verden - So viel Leben gab es in der Bürgermeistersprechstunde mit Sicherheit noch nie. Zahlreiche Eltern, die durch den andauernden Streik in den kommunalen Kitas mit ihren Nerven am Ende sind, kamen am Donnerstag mit ihren kleinen Kindern ins Rathaus. Mit Nachdruck schilderten sie Bürgermeister Lutz Brockmann, die teils verzweifelte Situation, in der sie sich durch den sich wochenlang hinziehenden Streik befinden. Auch eine Rückerstattung der Gebühren forderten sie.

Herrschte zu Beginn unter den Eltern noch eine große Solidarität mit den Streikenden, kippt die Stimmung allmählich. „Wir sind verzweifelt und können nicht mehr. Wir wollen den normalen Alltag für unsere Kinder zurück“, hieß es. Die Betreuungsprobleme haben bereits deutliche Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass viele Eltern bereits ihren kompletten Jahresurlaub opfern mussten, gerade die kleineren Kinder leiden sehr unter der Situation. „Mein Kind muss sich jeden Tag an eine andere Bezugsperson gewöhnen“, schildert ein Vater. „Mein Kind ist noch keine zwei Jahre alt und hat sich in der Gruppe sehr wohl gefühlt. Nach dem Streik beginnt die Eingewöhnungsphase komplett neu“, befürchtet eine Mutter.

Besonders Alleinerziehende wissen nun oft nicht, wohin mit dem Kind. Die Angst, den Job zu verlieren ist bei vielen groß. „Ich habe Verständnis für den Streik gehabt, aber jetzt geht es um meine Existenz“, sagte eine Mutter. Bewegend auch die Schilderung einer sichtlich verzweifelten, ebenfalls allein erziehenden Mutter: „Ich arbeite nachts und habe seit drei Tagen nicht geschlafen, weil ich mein Kind zu Hause betreuen muss.“

Aber auch, wer es schafft, sein Kind anders unterzubringen, steht vor dem Problem, dass neben den Kita-Gebühren auch noch die Kosten für die Alternativbetreuung anfallen. Energisch forderten die Eltern daher von Brockmann, die Gebühren zu erstatten.

„Ich spüre, dass ihre Nerven blank liegen“, versicherte der Bürgermeister. Auch bei ihm sinke das Verständnis für den Streik. Die Forderung von zehn Prozent mehr Gehalt nannte er empörend. Er könne nicht verstehen, dass die Gewerkschaft zu keinen Gesprächen mit dem Arbeitgeber bereit sei, es gebe keine Bereitschaft, Kompromisse zu schließen. „Ich bin traurig, dass dieser Streik die Kinder trifft“, so Brockmann. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass der Stadt die Hände gebunden sind und sie nicht über Tarif bezahlen darf.

Zur Forderung nach Erstattung der Gebühren sagte er, diese würde das eigentliche Problem nicht lösen. „Die Beendigung des Streiks sollte im Vordergrund stehen.“ Auch würde nicht in allen Kitas in gleichem Umfang gestreikt. Zudem sei eine Erstattung mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. „Wenn das Kind krank ist, zahlen sie ja auch“, gab Brockmann zu bedenken. Anlässlich der Länge des Streiks versprach er jedoch, noch einmal über das Thema nachzudenken.

An die streikenden Erzieherinnen und Erzieher richtete der Bürgermeister den Appell, den Streik zu reduzieren und mehr Notdienste anzubieten „Es gibt die Verantwortung, den Streik so zu führen, dass er die Kinder nicht trifft.“ Seitens der Eltern kam der Vorschlag, sich mit dem Bürgermeister und den Erzieherinnen an einen Tisch zu setzen und nach einer Lösung zu suchen. „Wenn sie mich einladen, komme ich“, versprach Brockmann.

ahk

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