Vertreter des Volkes gesucht

Stadt Verden sucht ehrenamtliche Schöffen

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Thomas Müller und Ulrike Lohaus berichten über ihre Tätigkeit als Schöffen (l. Iris Schünemann von der Stadt).

Verden - Ehrenamtliche Schöffen stehen den Berufsrichtern gleichberechtigt gegenüber und spielen somit im Strafverfahren ein wichtige Rolle. Im ersten Halbjahr 2018 werden bundesweit die Schöffen und Jugendschöffen für die Amtszeit von 2019 bis 2023 gewählt. Auch in Verden werden insgesamt 200 Frauen und Männer gesucht, die am Amtsgericht und Landgericht Verden als Vertreter des Volkes an der Rechtsprechung in Strafsachen teilnehmen.

Iris Schünemann vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung weiß, dass es gar nicht so einfach ist, Bewerber für dieses verantwortungsvolle Ehrenamt zu finden. Daher hat sie die beiden amtierenden Schöffen Ulrike Lohaus und Thomas Müller gebeten, einmal zu erzählen, was sie an ihrer Aufgabe reizt.

Ein Stück Lebenserfahrung

„Ich habe mich schon als Jugendlicher dafür interessiert, was vor Gericht passiert“, berichtet Thomas Müller. Daher habe er sich später als Schöffe beworben und wurde 1985 zum ersten Mal gewählt. „Interessant ist das allemal. Es ist ein Stück Lebenserfahrung. Man erlebt die Atmosphäre vor Gericht, sitzt mit den Richtern zusammen und hat Fragerecht“, so Müller. Der spannendste Moment sei immer, wenn über das Urteil beraten wird. Der Schöffe dürfe ruhig den Mut haben, Fragen zu stellen, oft habe er als Laie einen anderen Blickwinkel als ein Jurist. Das sei für ihn der Sinn seiner Tätigkeit als Schöffe. Am Prozess nehmen immer zwei Schöffen teil. Sie haben das gleiche Stimmrecht wie die Richter. Da für eine Verurteilung eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, kann gegen beide Schöffen niemand verurteilt werden. „Ich habe aber noch keine Kampfabstimmung erlebt“, so Müller.

„Als Schöffin ist es wichtig, dass ich als Vertreter des Volkes unvoreingenommen sage, was ich denke, das ist der Sinn des Schöffenamts“, sagt Ulrike Lohaus. Die Verdenerin war vor 20 Jahren schon einmal Hilfsschöffin und ist in der aktuellen Wahlperiode als hauptamtliche Schöffin tätig. Ihrer großen Verantwortung ist sie sich voll bewusst. Sie weiß, dass es immer zwei Seiten gibt, die man sorgfältig gegeneinander abwägen muss. Gerade, wenn es sich um eine schwere Straftat handelt, ist es nicht immer einfach, unvoreingenommen zu urteilen. „Manchmal bin ich auch erstaunt, wenn nach mehreren Verhandlungstagen die Unschuld bewiesen wird, obwohl es zunächst ganz anders aussah. Das zeigt, wie wichtig Unvoreingenommenheit ist“, erklärt Lohaus.

Schöffenamt ist eine Bereicherung

Das kann auch Thomas Müller nur bestätigen. „Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass im Laufe des Prozesses herauskommt, welche Not oder Hilflosigkeit hinter einer Straftat stecken“, sagt er. „Für mich ist das Schöffenamt auf jeden Fall eine Bereicherung“, betont Ulrike Lohaus. Ihr gefällt vor allem, dass sie viele Facetten der Menschen kennenlernen kann, denn jeder Fall ist anders. „Es ist nicht nur anstrengend. Es gibt auch viel Positives, auch wenn es manchmal nicht einfach ist, ein Urteil zu fällen“, lautet ihr Fazit.

Interessenten für das Schöffenamt in allgemeinen Strafsachen (gegen Erwachsene) oder für das Amt eines Jugendschöffen können sich bis zum 16. Februar bei der Stadt im Bürgerbüro bei Iris Schünemann, Telefon 04231/12-246 bewerben. Das Büro hat Montag und Mittwoch, von 8 bis 16 Uhr, und Dienstag, Donnerstag und Freitag, von 8 bis 13 Uhr, geöffnet. Ein Formular kann von der Internetseite www.verden.de oder www.schoeffenwahl.de heruntergeladen werden.

ahk

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